Anleihemarkt: Renditeabstände in Europa werden enger


03.01.14 15:47
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Weihnachten ist gefeiert, der Sprung ins neue Jahr geschafft, so die Deutsche Börse AG.

An den Märkten herrsche in dieser Woche aber noch immer Urlaubsmodus: "Kurz vor dem Jahresschluss war es noch mal ziemlich lebhaft, jetzt ist das Geschäft aber ruhig", fasse Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft das Geschehen am Markt zusammen.

Rainer Petz von Close Brothers Seydler bestätige: "Eigentlich wartet nach den Feiertagen alles darauf, dass es in der kommenden Woche wieder richtig los geht." Allerdings dürfte der Rentenmarkt in diesem Jahr angesichts der wieder anziehenden Konjunktur und der nach wie vor stark laufenden Aktienmärkte weiterhin zweite Wahl für viele Investoren bleiben, erwarte Arthur Brunner von der ICF AG.

Einige Tendenzen würden sich in ruhigen Markt aber dennoch abzeichnen, würden die Händler anmerken. "Gewinner sind aktuell klar Anleihen aus der Euro-Peripherie. In den vergangenen drei Tagen haben sich die Renditeabstände vor allem von spanischen und portugiesischen Papieren zu Bundesanleihen deutlich verringert", melde Brunner.

Hintergrund sei ein Stimmungswandel unter Investoren: "Die Angst um die Eurokrise tritt zunehmend in den Hintergrund und es wird mittlerweile davon ausgegangen, dass es die EZB schon richten wird. Anleger nutzen die im Vergleich zu Bundesanleihen hohen Renditen in den südeuropäischen Ländern daher", wisse Brunner.

Portugiesische Anleihen würden zudem von der Hoffnung beflügelt, dass sich das Land ab Sommer diesen Jahres wieder selbstständig am Markt finanzieren könne und keine weiteren Hilfsgelder beantragen werde. Nach 6 Prozent kurz vor dem Jahreswechsel würden portugiesische Benchmarkanleihen mittlerweile nur noch bei 5,67 Prozent rentieren; die Zinsen für zehnjährige spanische Schuldtitel seien zuletzt von rund 4,2 auf 3,9 Prozent gesunken.

Die Renditen der hiesigen Staatsanleihen würden seit der letzten Sitzung der US-Notenbank und deren Ankündigung, ihre Anleihekäufe ab Januar reduzieren zu wollen scheinen, indes wieder im Aufwärtstrend. So würden zehnjährige Bundesanleihen seit den Weihnachtsfeiertagen wieder 1,94 Prozent abwerfen. Anfang Dezember seien es noch rund 1,80 Prozent gewesen.

"Zum Jahresbeginn 2014 starteten Bundesanleihen am Morgen mit Kursverlusten, konnten aber im frühen Nachmittagshandel teils Boden gut machen und zogen auch im weiteren Handelsverlauf aufgrund eines schwächeren ISM-Index aus den USA weiter an", fasse Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierbank den Jahresauftakt zusammen. Der Euro-Bund-Future als Indikator für langfristige Zinserwartungen notiere am Freitagmittag bei 139,18 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau von vor einer Woche.

Die jüngste Korruptionsaffäre in der Türkei sorge laut Daniel für Umsatz bei den entsprechenden Fremdwährungsanleihen. "Nachdem die Türkische Lira zuletzt unter Beschuss geraten ist, überwiegt bei auf dieser Währung lautenden Papieren klar die Kaufseite. Allerdings ziehen auch immer wieder einige Leute die Reißleine - es ist ein reges rein und raus", berichte der Händler.

Schon seit über zwei Wochen werde die Türkei von einem Skandal um Schmiergeld erschüttert, der sich mittlerweile zu einer Regierungskrise ausgewachsen habe, die auch Ministerpräsident Erdogan das Amt kosten könnte. Am Donnerstag sei der US-Dollar zur Türkischen Lira auf einen Rekordstand von 2,1827 Lira gestiegen. Im frühen Handel habe die US-Währung noch rund 2,1441 Lira gekostet. Der Euro sei auf 2,9970 Lira gestiegen, nachdem er zunächst noch 2,9518 Lira gekostet habe.

Im Segment der Unternehmensanleihen sei es zum Jahresauftakt indes sehr ruhig. "Es gab noch keine Neuemissionen und auch sonst ist die Nachrichtenlage sehr dünn", kommentiere Petz.

Brunner beobachte allerdings erhöhtes Kaufinteresse bei Schuldscheinen (u.a. ISIN XS0647264398 / WKN A1GTHS) von Fiat. Der italienische Autobauer habe zum Jahresauftakt verkündet, seine US-Tochter Chrysler vollständig zu übernehmen. Für den restlichen Anteil von 41,5 Prozent zahle der Turiner Konzern insgesamt 3,65 Milliarden Dollar an den gewerkschaftsnahen Pensionsfonds Veba, habe Fiat mitgeteilt.

"Das sind zumindest auf den ersten Blick recht günstige Konditionen, zumal Daimler damals gut das zehnfache für Chrysler bezahlt hatte. Viele Investoren erwarten nun steigende Gewinne durch die Komplettübernahme der US-Tochter, die ja mittlerweile wieder schwarze Zahlen schreibt", merke Brunner an.

Kurzfristig zum U-Boot mutiert sei, wie Daniel berichte, die Anleihe (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft. "Von knapp 60 ist der Kurs kurz vor Weihnachten auf zeitweise 42 Prozent eingebrochen. Mittlerweile hat er sich wieder gefangen", melde der Spezialist.

Auslöser sei gewesen, dass die Ratingagentur Scope überraschend ihre Bewertungen sowohl für das Schiff als auch für den Betreiber MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft GmbH zurückgezogen habe. Als Grund habe Scope genannt, dass ein ausreichender Informationsstand nicht länger sichergestellt werden könne. Das dürfte bei einigen Anlegern den Eindruck hervorgerufen haben, das Traumschiff befinde sich in einer schweren Schieflage.

Der in die Jahre gekommene Luxusdampfer kämpfe mit einer zu geringen Passagierzahl und habe die Zinszahlungen für 2013 am 18. Dezember nur dank einer Kapitalspritze des Unternehmenseigentümers, dem Münchner Finanzinvestor Aurelius, begleichen können. Vor einem Jahr habe die Anleihe noch bei über 95 Prozent rentiert, aktuell seien es knapp 60 Prozent. (03.01.2014/alc/a/a)





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