Anleihemarkt: Kurzfristiges Aufatmen


29.06.18 14:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der anhaltende Schlagabtausch zwischen den USA und China im Handelskonflikt hat in dieser Woche die Suche nach sicheren Anlagen beflügelt, Bundesanleihen profitierten, so die Deutsche Börse AG.

"Der Handelsstreit und auch der EU-Gipfel sorgten für Unsicherheit", berichte Arthur Brunner von der ICF Bank. Am heutigen Freitag habe sich die Lage mit der Einigung in der Asylpolitik auf dem EU-Gipfel ein bisschen entspannt - zumindest vorerst.

Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagmorgen bei 161,98 Punkten nach 162,40 Punkten am Mittwoch. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell mit 0,34 Prozent rentieren, im Tief seien es in dieser Woche 0,3 Prozent gewesen.

"Auch wenn sich die EU auf dem 'Migrationsgipfel' auf eine gemeinsame Erklärung verständigt hat, bleibt das politische Schicksal von Bundeskanzlerin Merkel offen", meine Markus Koch von der Commerzbank. Die Risikoaversion der Anleger werde die Nachfrage nach Bundesanleihen daher ebenso unterstützen wie eher schwächere Wirtschaftsdaten.

"Wir rechnen nicht mit einem Handelskrieg, also mit einer nicht mehr kontrollierbaren Abwärtsspirale aus immer neuen protektionistischen Maßnahmen", erkläre Sintje Boie von der HSH Nordbank. Allerdings könnte sich der Welthandel wohl auf einem neuen höheren "Protektionismusniveau" einpendeln - mit Wachstumseinbußen für die Weltwirtschaft. "Schwierig für die Wachstumsentwicklung sind nicht nur die Zölle selbst, die verzerrend wirken, sondern die indirekten Effekte daraus wie eine Stimmungsverschlechterung und eine Zunahme der Unsicherheit." Investitionen würden zurückgestellt und globale Wertschöpfungsketten zerstört, mit der Folge von Wettbewerbseinbußen für Unternehmen und Reaktionen auf den Finanzmärkten.

Nachdem die US-Amerikaner Anfang Juni Strafzölle auf Stahl und Aluminium eingeführt und die Europäer mit Gegenmaßnahmen in Form von Zöllen auf Motorräder, Whiskey und Jeans gekontert hätten, würden am 6. Juli Zölle in Höhe von 25 Prozent auf mehr als 800 Produkte von China in die USA importierte Güter in Kraft treten. Im Gespräch seien zudem Zölle auf Autoimporte in die USA und Beschränkungen auf chinesische Investitionen in US-Hochtechnologie.

Wenig beachtet worden sei das letzte Rettungspaket für Griechenland. "Athen erhält zum Abschluss noch einmal einen Kredit in Höhe von 15 Milliarden Euro und eine Verlängerung der dringendsten Darlehenslaufzeiten um zehn Jahre", erläutere Klaus Stopp von der Baader Bank. "Ob damit die griechische Krise vorbei ist, darf allerdings in Frage gestellt werden." Denn mit der Ablehnung einer formellen Schuldentilgung durch die Gläubiger bleibe die Gesamtverschuldung Griechenlands bei 180 Prozent des BIPs. "Die vereinbarte Verlängerung der Kreditlaufzeiten um zehn Jahre verschiebt das Problem lediglich in die Zukunft."

Auch Brunner zeige sich skeptisch. "Der IWF war diesmal nicht dabei, er beteiligt sich nur an tragfähigen Konzepten." Der Händler gehe davon aus, dass die Kredite nie zurückgezahlt würden. Griechische Anleihen würden sich kaum verändert zeigen. Der Renditeaufschlag zehnjähriger Papiere liege mit aktuell 367 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen in etwa auf dem Niveau der vergangenen drei Monate, wie Brunner feststelle.

"In der Periphere bleibt Italien im Fokus", erkläre unterdessen Koch von der Commerzbank. In einer Zeit steigender italienischer Nettoemissionen und auslaufender Nettokäufe der EZB würden Investoren wohl höhere Renditeaufschläge verlangen. Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen liege aktuell bei 2,72 Prozent nach in der Spitze 3,16 Prozent Ende Mai. Anfang Mai - vor den Querelen um die Regierungsbildung - seien es allerdings nur 1,74 Prozent gewesen.

Auch im Handel mit Unternehmensanleihen würden sich die Zollstreitigkeiten bemerkbar machen. Wegen eventueller US-Zölle auf Autoimporte sei der Renditeaufschlag für Automobil-Anleihen gestiegen, wie Brunner melde. "VW-Hybridanleihen erlebten deutliche Kursverluste." Unter Abgabedruck sei dem Händler zufolge auch die Wandelanleihe (ISIN DE000A13SHL2 / WKN A13SHL) des Entwicklers von Pflegeimmobilien SeniVita Social Estate geraten. "Hintergrund ist ein überraschender Wechsel im Vorstand und im Aufsichtsrat", erkläre Brunner. Außerdem solle sich die Feststellung des Jahresabschlusses erneut über den geplanten Veröffentlichungstermin zum 30. Juni hinaus verzögern.

Ein durchaus reges Handelsaufkommen sehe Rainer Petz von Oddo Seydler in den neuen Hybridanleihen von Volkswagen International Finance: Das eine Papier (ISIN XS1799938995 / WKN A192QE) biete 3,375 Prozent, das andere (ISIN XS1799939027 / WKN A192QF) 4,625 Prozent. Beide würden in zehn Jahren zum Floater. Allerdings liege die Stückelung hier bei 100.000 Euro. "Vor allem in der 4,625 Prozent-Anleihe sind die Umsätze gut", berichte Petz.

Eine Neuemission sei zum Beispiel von HOCHTIEF gekommen: Die in privatanlegerfreundlicher Mindeststückelung von 1.000 Euro erhältliche Anleihe (ISIN DE000A2LQ5M4 / WKN A2LQ5M) laufe bis Juli 2025 und biete jährlich 1,75 Prozent Zinsen. "Die Anleihe kommt gut an", stelle Brunner fest.

Außerdem habe Semper Idem Underberg, der Spirituosenhersteller mit Marken wie Underberg und Asbach, eine neue Anleihe (ISIN DE000A2LQQ43 / WKN A2LQQ4) über eine Privatplatzierung unter institutionellen Anlegern auf dem Markt gebracht. Seit Mittwoch sei diese im Handel und könne auch von anderen Anlegern gekauft werden, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, Spezialist für das Papier, berichte. Die Anleihe laufe bis Juli 2024 und habe einen Kupon von 4 Prozent. Aktuell liege der Kurs bei 100,5 Prozent. (29.06.2018/alc/a/a)





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