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Anleihemarkt: Krise war gestern
10.01.14 16:29
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Euro-Peripherie rückt wieder zunehmend in den Fokus, so die Deutsche Börse AG.
Nachdem Irland, Griechenland, Spanien und Co. in Zeiten der Finanzkrise vor allem mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hätten, habe sich das Blatt nun allerdings gewendet: "Irlands Debüt am Finanzmarkt nach Verlassen des Rettungsschirmes wurde in dieser Woche zum vollen Erfolg", kommentiere Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank bestätige: "Die erfolgreiche Emission hat für sehr gute Stimmung in diesem Marktsegment gesorgt."
Nachdem Irland 2010 aufgrund seines maroden Bankensektors auf Finanzhilfen seitens der anderen Euro-Länder und des IWF angewiesen gewesen sei, habe das Land in den vergangenen Jahren die eigene Kapitalmarktfähigkeit getestet und sei Mitte Dezember 2013 aus dem Euro-Rettungsschirm ausgeschieden. Entsprechend müssten sich die Iren seit Beginn diesen Jahres in Eigenregie am Kapitalmarkt refinanzieren.
"Die in dieser Woche begebene zehnjährige Anleihe (ISIN IE00B6X95T99 / WKN A1ZB2L) mit einem Volumen von 3,75 Milliarden Euro ist sehr gut angekommen und wird von Investoren rege gekauft", melde Daniel. Das Papier habe einen Kupon von 3,4 Prozent und notiere am Freitagmittag bei 89,90 Prozent; die aktuelle Rendite betrage 3,53 Prozent. Die Auktion sei dreifach überzeichnet gewesen.
Nach Einschätzung von Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, sei nicht zuletzt der Zeitpunkt der irischen Emission günstig gewählt gewesen: "Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich langsam und die Schuldenkrise scheint sich weiter zu beruhigen. Das führt - zusammen mit einer hohen Liquiditätsausstattung - dazu, dass Investoren wieder auf der Suche nach einem Rendite-Pick-up sind, was irische Anleihen vergleichsweise attraktiv macht." Gleichzeitig habe Irland mit dieser Emission einen Großteil seines Refinanzierungsvolumens 2014 von 6 bis 10 Milliarden Euro schon erbracht.
"Das Beispiel Irlands sollte den anderen Programm-Ländern Mut machen. Es verdeutlicht, dass es durchaus möglich ist, sich aus der eigenen Schuldenkrise und der damit verbundenen Schieflage zu befreien und nicht mehr auf die Unterstützung der Euro-Partner angewiesen zu sein", merke die Analystin an und weise darauf hin, dass auch Irland einen weiten Weg mit schmerzhaften Anpassungsprozessen hinter sich habe. "Durch massiven Lohnverzicht wurde die Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise spürbar erhöht. Das Beispiel Irlands zeigt aber auch, dass solche Kraftanstrengungen notwendig sind, um den Weg aus der Krise zu finden", meine Boie.
Die Zuversicht von Investoren in Punkto Euro-Peripherie scheine seit der Iren-Auktion bereits gestiegen zu sein - zumindest würden das die rückläufigen Zinsen für spanische, italienische und portugiesische Anleihen vermuten lassen. "Selbst Griechenland hat von der gelungenen Platzierung profitiert. So ist etwa der Kurs einer bis 2013 laufenden Anleihe in der vergangenen Woche von rund 68 auf über 71 Prozent gestiegen", wisse Daniel. Der Händler ergänze allerdings, dass das erhöhte Kursniveau der Griechenlandanleihen aktuell vorwiegend zum Ausstieg genutzt werde.
Die Analysten der UBS würden aufgrund des aktuell starken Momentums, der Kaufbereitschaft der Banken aus der Peripherie sowie dem potentiellen Interesse internationaler Kunden davon ausgehen, dass die Renditeabstände von Peripherieanleihen zu den vermeintlich sicheren deutschen Bundeanleihen erst einmal weiter zurückgehen würden.
"Auf Jahressicht hingegen sind wir eher zurückhaltender. Die spanische Neuschuldenaufnahme in diesem Jahr befindet sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Sollten internationale Investoren nicht verstärkt als Käufer auftreten, wird es für die nationalen Banken sicher nicht ganz einfach die Neuausgabe, wie im Jahr 2013, erneut zu absorbieren", würden die Analysten jedoch warnen.
Das bevorzugte südliche Euro-Land sei laut UBS Portugal. "Aufgrund der aktuell verbesserten Finanzierungssituation und den mehr international getriebenen Kapitalströmen erwarten wir hier einen Rückgang des Renditeaufschlags von bis zu 30 Basispunkten", würden die Analysten erklären. Das Land plane, ab Sommer diesen Jahres - genauso wie Irland - wieder ohne Hilfsgelder auszukommen und sich wieder selbstständig am Markt zu finanzieren.
Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei gut behauptet in die Woche gestartet und zur Wochenmitte noch einmal leicht angestiegen. "Die Widerstände um 139,80 bis 139,95 Prozent konnten allerdings nicht überwunden werden", merke Hellwig an. Am Freitagmittag notiere der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 139,74 Punkten, nach 139,18 vor einer Woche. Deutsche Benchmarkanleihen würden aktuell bei 1,90 Prozent rentieren, 4 Basispunkte weniger als vergangenen Freitag.
Im Bereich der Unternehmensanleihen sei einmal mehr das Papier (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft in die Schlagzeilen geraten. "Der Titel ist in dieser Woche um zeitweise 15 Prozent gestiegen, nachdem bekannt wurde, dass sich die Münchener Muttergesellschaft Aurelius sich sowohl vom Schiff als auch vom Betreiber getrennt hat", berichte Daniel. Aktuell notiere das Papier bei 69,25 Prozent.
Noch vor einer Woche sei die Anleihe massiv unter Druck geraten und auf zeitweise rund 42 Prozent gefallen, nachdem die Ratingagentur Scope überraschend ihre Bewertungen sowohl für das Schiff als auch für den Betreiber MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft GmbH zurückgezogen habe. Neuer Mehrheitsgesellschafter des durch die gleichnamige ZDF-Sendung bekannten "Traumschiffs" sei nun die ebenfalls in München ansässige Callista Private Equity. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Aurelius halte aber weiterhin einen Minderheitsanteil, habe es geheißen.
Warum der Kurs der Anleihe steige, sei für die Händler aktuell jedoch ein Rätsel. "Callista hat bisher jedenfalls keine besondere Turnaround-Erfolgsgeschichte vorzuweisen", merke Daniel an. Und auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler zeige sich skeptisch: "Das Private Equity-Unternehmen, das jetzt Mehrheitseigner ist, wurde ja offenbar erst im September vergangenen Jahres gegründet. Woher die jüngste Euphorie stammt, ist daher fraglich."
Einen deutlichen Kurssprung habe in dieser Woche auch die Anleihe (ISIN DE000A1CRMQ7 / WKN A1CRMQ) des insolventen Windparkentwicklers Windreich verzeichnet. "Der Kurs des Papiers hat sich zeitweise verdreifacht, nachdem Unternehmens-Eigner Willi Balz den operativen Wiedereinstieg in sein Unternehmen ankündigte. Mittlerweile hat die Notierung durch nachlassende Nachfrage wieder etwas nachgeben und liegt aktuell bei knapp 15 Prozent", erläutere Hellwig. Vor einer Woche habe der Kurs noch bei unter 5 Prozent gelegen.
Frisch emittiert worden seien, wie Petz anmerke, unter anderem zwei neue Anleihen von Fresenius. "Die beiden Papiere werden wohl kommende Woche auf den Markt kommen und dürften für einige Anleger interessant sein", ergänze der Händler. Der eine Bond (ISIN XS0873432511 / WKN A1HEWZ) laufe bis 2020 und sei mit einem Kupon von 2,875 Prozent ausgestattet, die zweite Anleihe (ISIN XS1013955379 / WKN nicht bekannt) trage einen 3-prozentigen Kupon und werde 2021 fällig. (10.01.2014/alc/a/a)
Nachdem Irland, Griechenland, Spanien und Co. in Zeiten der Finanzkrise vor allem mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hätten, habe sich das Blatt nun allerdings gewendet: "Irlands Debüt am Finanzmarkt nach Verlassen des Rettungsschirmes wurde in dieser Woche zum vollen Erfolg", kommentiere Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank bestätige: "Die erfolgreiche Emission hat für sehr gute Stimmung in diesem Marktsegment gesorgt."
Nachdem Irland 2010 aufgrund seines maroden Bankensektors auf Finanzhilfen seitens der anderen Euro-Länder und des IWF angewiesen gewesen sei, habe das Land in den vergangenen Jahren die eigene Kapitalmarktfähigkeit getestet und sei Mitte Dezember 2013 aus dem Euro-Rettungsschirm ausgeschieden. Entsprechend müssten sich die Iren seit Beginn diesen Jahres in Eigenregie am Kapitalmarkt refinanzieren.
"Die in dieser Woche begebene zehnjährige Anleihe (ISIN IE00B6X95T99 / WKN A1ZB2L) mit einem Volumen von 3,75 Milliarden Euro ist sehr gut angekommen und wird von Investoren rege gekauft", melde Daniel. Das Papier habe einen Kupon von 3,4 Prozent und notiere am Freitagmittag bei 89,90 Prozent; die aktuelle Rendite betrage 3,53 Prozent. Die Auktion sei dreifach überzeichnet gewesen.
Nach Einschätzung von Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank, sei nicht zuletzt der Zeitpunkt der irischen Emission günstig gewählt gewesen: "Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich langsam und die Schuldenkrise scheint sich weiter zu beruhigen. Das führt - zusammen mit einer hohen Liquiditätsausstattung - dazu, dass Investoren wieder auf der Suche nach einem Rendite-Pick-up sind, was irische Anleihen vergleichsweise attraktiv macht." Gleichzeitig habe Irland mit dieser Emission einen Großteil seines Refinanzierungsvolumens 2014 von 6 bis 10 Milliarden Euro schon erbracht.
"Das Beispiel Irlands sollte den anderen Programm-Ländern Mut machen. Es verdeutlicht, dass es durchaus möglich ist, sich aus der eigenen Schuldenkrise und der damit verbundenen Schieflage zu befreien und nicht mehr auf die Unterstützung der Euro-Partner angewiesen zu sein", merke die Analystin an und weise darauf hin, dass auch Irland einen weiten Weg mit schmerzhaften Anpassungsprozessen hinter sich habe. "Durch massiven Lohnverzicht wurde die Wettbewerbsfähigkeit beispielsweise spürbar erhöht. Das Beispiel Irlands zeigt aber auch, dass solche Kraftanstrengungen notwendig sind, um den Weg aus der Krise zu finden", meine Boie.
Die Zuversicht von Investoren in Punkto Euro-Peripherie scheine seit der Iren-Auktion bereits gestiegen zu sein - zumindest würden das die rückläufigen Zinsen für spanische, italienische und portugiesische Anleihen vermuten lassen. "Selbst Griechenland hat von der gelungenen Platzierung profitiert. So ist etwa der Kurs einer bis 2013 laufenden Anleihe in der vergangenen Woche von rund 68 auf über 71 Prozent gestiegen", wisse Daniel. Der Händler ergänze allerdings, dass das erhöhte Kursniveau der Griechenlandanleihen aktuell vorwiegend zum Ausstieg genutzt werde.
"Auf Jahressicht hingegen sind wir eher zurückhaltender. Die spanische Neuschuldenaufnahme in diesem Jahr befindet sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Sollten internationale Investoren nicht verstärkt als Käufer auftreten, wird es für die nationalen Banken sicher nicht ganz einfach die Neuausgabe, wie im Jahr 2013, erneut zu absorbieren", würden die Analysten jedoch warnen.
Das bevorzugte südliche Euro-Land sei laut UBS Portugal. "Aufgrund der aktuell verbesserten Finanzierungssituation und den mehr international getriebenen Kapitalströmen erwarten wir hier einen Rückgang des Renditeaufschlags von bis zu 30 Basispunkten", würden die Analysten erklären. Das Land plane, ab Sommer diesen Jahres - genauso wie Irland - wieder ohne Hilfsgelder auszukommen und sich wieder selbstständig am Markt zu finanzieren.
Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sei gut behauptet in die Woche gestartet und zur Wochenmitte noch einmal leicht angestiegen. "Die Widerstände um 139,80 bis 139,95 Prozent konnten allerdings nicht überwunden werden", merke Hellwig an. Am Freitagmittag notiere der Indikator für langfristige Zinserwartungen bei 139,74 Punkten, nach 139,18 vor einer Woche. Deutsche Benchmarkanleihen würden aktuell bei 1,90 Prozent rentieren, 4 Basispunkte weniger als vergangenen Freitag.
Im Bereich der Unternehmensanleihen sei einmal mehr das Papier (ISIN DE000A1RE7V0 / WKN A1RE7V) des Kreuzfahrtschiffbetreibers MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft in die Schlagzeilen geraten. "Der Titel ist in dieser Woche um zeitweise 15 Prozent gestiegen, nachdem bekannt wurde, dass sich die Münchener Muttergesellschaft Aurelius sich sowohl vom Schiff als auch vom Betreiber getrennt hat", berichte Daniel. Aktuell notiere das Papier bei 69,25 Prozent.
Noch vor einer Woche sei die Anleihe massiv unter Druck geraten und auf zeitweise rund 42 Prozent gefallen, nachdem die Ratingagentur Scope überraschend ihre Bewertungen sowohl für das Schiff als auch für den Betreiber MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft GmbH zurückgezogen habe. Neuer Mehrheitsgesellschafter des durch die gleichnamige ZDF-Sendung bekannten "Traumschiffs" sei nun die ebenfalls in München ansässige Callista Private Equity. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Aurelius halte aber weiterhin einen Minderheitsanteil, habe es geheißen.
Warum der Kurs der Anleihe steige, sei für die Händler aktuell jedoch ein Rätsel. "Callista hat bisher jedenfalls keine besondere Turnaround-Erfolgsgeschichte vorzuweisen", merke Daniel an. Und auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler zeige sich skeptisch: "Das Private Equity-Unternehmen, das jetzt Mehrheitseigner ist, wurde ja offenbar erst im September vergangenen Jahres gegründet. Woher die jüngste Euphorie stammt, ist daher fraglich."
Einen deutlichen Kurssprung habe in dieser Woche auch die Anleihe (ISIN DE000A1CRMQ7 / WKN A1CRMQ) des insolventen Windparkentwicklers Windreich verzeichnet. "Der Kurs des Papiers hat sich zeitweise verdreifacht, nachdem Unternehmens-Eigner Willi Balz den operativen Wiedereinstieg in sein Unternehmen ankündigte. Mittlerweile hat die Notierung durch nachlassende Nachfrage wieder etwas nachgeben und liegt aktuell bei knapp 15 Prozent", erläutere Hellwig. Vor einer Woche habe der Kurs noch bei unter 5 Prozent gelegen.
Frisch emittiert worden seien, wie Petz anmerke, unter anderem zwei neue Anleihen von Fresenius. "Die beiden Papiere werden wohl kommende Woche auf den Markt kommen und dürften für einige Anleger interessant sein", ergänze der Händler. Der eine Bond (ISIN XS0873432511 / WKN A1HEWZ) laufe bis 2020 und sei mit einem Kupon von 2,875 Prozent ausgestattet, die zweite Anleihe (ISIN XS1013955379 / WKN nicht bekannt) trage einen 3-prozentigen Kupon und werde 2021 fällig. (10.01.2014/alc/a/a)
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