Erweiterte Funktionen
Anleihemarkt: Jetzt muss Yellen liefern
14.12.15 09:27
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Anleihemärkten ist nach der am Markt mit Enttäuschung aufgenommenen EZB-Sitzung vergangenen Donnerstag wieder Normalität eingekehrt, so die Deutsche Börse AG.
Nach dem Treffen der Notenbanker sei es zu einem erdrutschartigen Kursverfall gekommen. "Innerhalb kürzester Zeit verlor der richtungsweisende Euro-Bund-Future mehr als 3 Punkte auf 156,42 Prozent", berichte Klaus Stopp von der Baader Bank. Die zehnjährige Bundrendite sei von 0,45 Prozent bis auf einen Spitzenwert von 0,74 Prozent gestiegen.
In dieser Woche sei der Euro-Bund-Future aber wieder nach oben geklettert. "Niedrige Inflationserwartungen und Ölpreise im Abwärtstrend halfen dabei", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Am Freitagmittag notiere der Euro-Bund-Future bei 158,77 Punkten, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,57 Prozent abwerfen.
Am kommenden Mittwoch werde nun die US-Notenbank entscheiden, ob die Zinsen in den USA angehoben würden. "Wenn Yellen vor einem Kongressausschuss erläutert, dass eine Zinsanhebung im Dezember "durchaus im Bereich des Möglichen" sei, kann man dies kaum anders deuten, als dass die Notenbankchefin den Boden für eine baldige Zinswende bereitet", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Es seien aber noch Restzweifel geblieben, dann in den vergangenen Monaten seien Andeutungen von Yellen auch als klare Signale für eine Zinserhöhung gedeutet worden. "Trotzdem ist die FED-Chefin am Ende nicht gesprungen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft halte die Zinserhöhung unterdessen für eine ausgemachte Sache. "Am Markt wird mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen."
Die Bank of England habe am gestrigen Donnerstag, wie erwartet, stillgehalten und die Zinsen und Anleihekäufe nicht verändert. Die Helaba rechne damit, dass es im ersten Halbjahr 2016 zu einem ersten Zinsschritt kommen werde. "Die Fundamentaldaten stehen den Währungshütern dabei nicht im Wege, denn Großbritannien kann auf solide Wachstumszahlen blicken", erkläre Ralf Umlauf. Darüber hinaus würden steigende Lohnkosten im kommenden Jahr auch für einen Anstieg der Inflation sorgen.
Großes Thema hierzulande sei diese Woche das so genannte Anfa-Abkommen (Agreement on Net Financial Assets) - Wertpapierkäufe der nationalen Zentralbanken auf eigene Rechnung gewesen. Diese seien in den Krisenjahren bis 2012 in der Spitze um bis zu 510 Milliarden Euro ausgeweitet worden, habe die "Welt am Sonntag" Ende November berichtet. Vor allem die Banca d'Italia sowie die Banque de France sollten in dreistelliger Milliardenhöhe Papiere gekauft haben. Kritiker sähen das als verbotene Staatsfinanzierung. Mehrere Regierungspolitiker und auch die Bundesbank hätten die EZB daraufhin zur Veröffentlichung des bislang geheimen Anfa-Abkommens aufgefordert.
Bei der Wahl in Venezuela habe Präsident Maduro der Opposition untergelegen. "Wie die Entwicklung im wirtschaftlich zerrütteten Land weitergeht, bleibt abzuwarten", bemerke Tillmann. "Die Anleihekurse (ISIN USP17625AD98 / WKN A1GUB4) zogen bereits deutlich an, bleiben aber weiterhin in einem Bereich, der dem Default näher ist als der Rückzahlung." Verkauft worden seien hingegen südafrikanische Anleihen, wie Daniel melde. "Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seinen in der Wirtschaft sehr geschätzten Finanzminister Nhlanhla Nene entlassen, dadurch geriet der südafrikanische Rand massiv unter Druck." Ende November hätten noch weniger als 15 Rand für einen Euro bezahlt werden müssen, jetzt seien es 17,09 Euro.
Der Ölpreisverfall - der Brent-Preis sei heute auf den tiefsten Stand seit Februar 2009 gerutscht - sorge auch für Abgaben bei Anleihen von Ölunternehmen, Papiere von Bergbaukonzernen würden ebenfalls verkauft, wie Daniel feststelle. Deutlich an Wert verloren hätten etwa Bonds von Kinder Morgan. Das US-Unternehmen betreibe Erdgas- und Erdöl-Pipelines sowie Tanklager in den Vereinigten Staaten.
Stabil hätten sich dagegen Hornbach-Anleihen gezeigt. "Dabei sind die Aktien eingebrochen, nachdem Hornbach diese Woche das Gewinnziel für 2015 gekappt hat", bemerke Daniel. Rege Umsätze habe es dem Händler zufolge auch in Papieren der HSH Nordbank (ISIN XS0142391894 / WKN 542696) gegeben, nachdem bekannt geworden sei, dass Hamburg und Schleswig-Holstein die Garantien für die angeschlagene Bank auf 16,2 Milliarden Euro anheben würden. "Da gab es Käufe und Verkäufe."
Zumindest etwas erholt hätten sich bei guten Umsätzen Bonds des Schrottrecylers Scholz, wie Rainer Petz von Oddo Seydler erkläre. Die Anleihe, die im September noch bei fast 100 Prozent notiert habe, sei Ende November wegen hoher Verschuldung und einer bis dahin vergeblichen Suche nach einem Investor auf unter 20 Prozent abgerutscht. Jetzt seien es wieder knapp 40 Prozent. "Scholz hat mit den bestehenden Finanzierungspartnern eine zusätzliche Finanzierungslinie vereinbart", erläutere der Händler.
Ein Artikel im "Handelsblatt" habe Petz zufolge diese Woche die Rickmers-Anleihe auf Talfahrt geschickt. Der Großreederei schwinde das Vermögen, heiße es in dem Beitrag, in dieser schwierigen Phase zwacke der Firmeninhaber Millionen für sich ab. Am Mittwoch habe der Bond noch bei 92 Prozent notiert, am gestrigen Donnerstag seien es zwischenzeitlich nur noch 70 Prozent gewesen, wie Petz berichte. "Nach einer Klarstellung von Rickmers sehen wir aber wieder viele Käufe, aktuell liegt der Kurs schon wieder bei rund 88 Prozent."
Die Rickmers Gruppe habe in Reaktion auf den Pressebericht die zum Halbjahr 2015 angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2015 bestätigt: Sie gehe weiterhin von einer leichten Verbesserung des Umsatzes und einem deutlichen Anstieg des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus.
Erholt hätten sich auch Air Berlin-Anleihen, auf die Petz ebenfalls hinweise. Diese seien im Oktober aufgrund von Sorgen um ein Ende der Finanzspritzen durch die arabische Etihad, die 30 Prozent an Air Berlin halte, auf 87,5 Prozent gefallen. Jetzt würden sie wieder zu 98 Prozent gehandelt. "Eine Meldung gibt es dazu aber nicht."
Was Neuemissionen angehe, sei es ruhiger geworden. Stopp berichte lediglich von einer vierjährigen Nachranganleihe der Commerzbank mit Kupon von 0,625 Prozent und Stückelung von 1.000 Euro. (Ausgabe vom 11.12.2015) (14.12.2015/alc/a/a)
Nach dem Treffen der Notenbanker sei es zu einem erdrutschartigen Kursverfall gekommen. "Innerhalb kürzester Zeit verlor der richtungsweisende Euro-Bund-Future mehr als 3 Punkte auf 156,42 Prozent", berichte Klaus Stopp von der Baader Bank. Die zehnjährige Bundrendite sei von 0,45 Prozent bis auf einen Spitzenwert von 0,74 Prozent gestiegen.
In dieser Woche sei der Euro-Bund-Future aber wieder nach oben geklettert. "Niedrige Inflationserwartungen und Ölpreise im Abwärtstrend halfen dabei", erkläre Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Am Freitagmittag notiere der Euro-Bund-Future bei 158,77 Punkten, zehnjährige Bundesanleihen würden 0,57 Prozent abwerfen.
Am kommenden Mittwoch werde nun die US-Notenbank entscheiden, ob die Zinsen in den USA angehoben würden. "Wenn Yellen vor einem Kongressausschuss erläutert, dass eine Zinsanhebung im Dezember "durchaus im Bereich des Möglichen" sei, kann man dies kaum anders deuten, als dass die Notenbankchefin den Boden für eine baldige Zinswende bereitet", kommentiere Klaus Stopp von der Baader Bank. Es seien aber noch Restzweifel geblieben, dann in den vergangenen Monaten seien Andeutungen von Yellen auch als klare Signale für eine Zinserhöhung gedeutet worden. "Trotzdem ist die FED-Chefin am Ende nicht gesprungen."
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft halte die Zinserhöhung unterdessen für eine ausgemachte Sache. "Am Markt wird mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen."
Die Bank of England habe am gestrigen Donnerstag, wie erwartet, stillgehalten und die Zinsen und Anleihekäufe nicht verändert. Die Helaba rechne damit, dass es im ersten Halbjahr 2016 zu einem ersten Zinsschritt kommen werde. "Die Fundamentaldaten stehen den Währungshütern dabei nicht im Wege, denn Großbritannien kann auf solide Wachstumszahlen blicken", erkläre Ralf Umlauf. Darüber hinaus würden steigende Lohnkosten im kommenden Jahr auch für einen Anstieg der Inflation sorgen.
Großes Thema hierzulande sei diese Woche das so genannte Anfa-Abkommen (Agreement on Net Financial Assets) - Wertpapierkäufe der nationalen Zentralbanken auf eigene Rechnung gewesen. Diese seien in den Krisenjahren bis 2012 in der Spitze um bis zu 510 Milliarden Euro ausgeweitet worden, habe die "Welt am Sonntag" Ende November berichtet. Vor allem die Banca d'Italia sowie die Banque de France sollten in dreistelliger Milliardenhöhe Papiere gekauft haben. Kritiker sähen das als verbotene Staatsfinanzierung. Mehrere Regierungspolitiker und auch die Bundesbank hätten die EZB daraufhin zur Veröffentlichung des bislang geheimen Anfa-Abkommens aufgefordert.
Der Ölpreisverfall - der Brent-Preis sei heute auf den tiefsten Stand seit Februar 2009 gerutscht - sorge auch für Abgaben bei Anleihen von Ölunternehmen, Papiere von Bergbaukonzernen würden ebenfalls verkauft, wie Daniel feststelle. Deutlich an Wert verloren hätten etwa Bonds von Kinder Morgan. Das US-Unternehmen betreibe Erdgas- und Erdöl-Pipelines sowie Tanklager in den Vereinigten Staaten.
Stabil hätten sich dagegen Hornbach-Anleihen gezeigt. "Dabei sind die Aktien eingebrochen, nachdem Hornbach diese Woche das Gewinnziel für 2015 gekappt hat", bemerke Daniel. Rege Umsätze habe es dem Händler zufolge auch in Papieren der HSH Nordbank (ISIN XS0142391894 / WKN 542696) gegeben, nachdem bekannt geworden sei, dass Hamburg und Schleswig-Holstein die Garantien für die angeschlagene Bank auf 16,2 Milliarden Euro anheben würden. "Da gab es Käufe und Verkäufe."
Zumindest etwas erholt hätten sich bei guten Umsätzen Bonds des Schrottrecylers Scholz, wie Rainer Petz von Oddo Seydler erkläre. Die Anleihe, die im September noch bei fast 100 Prozent notiert habe, sei Ende November wegen hoher Verschuldung und einer bis dahin vergeblichen Suche nach einem Investor auf unter 20 Prozent abgerutscht. Jetzt seien es wieder knapp 40 Prozent. "Scholz hat mit den bestehenden Finanzierungspartnern eine zusätzliche Finanzierungslinie vereinbart", erläutere der Händler.
Ein Artikel im "Handelsblatt" habe Petz zufolge diese Woche die Rickmers-Anleihe auf Talfahrt geschickt. Der Großreederei schwinde das Vermögen, heiße es in dem Beitrag, in dieser schwierigen Phase zwacke der Firmeninhaber Millionen für sich ab. Am Mittwoch habe der Bond noch bei 92 Prozent notiert, am gestrigen Donnerstag seien es zwischenzeitlich nur noch 70 Prozent gewesen, wie Petz berichte. "Nach einer Klarstellung von Rickmers sehen wir aber wieder viele Käufe, aktuell liegt der Kurs schon wieder bei rund 88 Prozent."
Die Rickmers Gruppe habe in Reaktion auf den Pressebericht die zum Halbjahr 2015 angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2015 bestätigt: Sie gehe weiterhin von einer leichten Verbesserung des Umsatzes und einem deutlichen Anstieg des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus.
Erholt hätten sich auch Air Berlin-Anleihen, auf die Petz ebenfalls hinweise. Diese seien im Oktober aufgrund von Sorgen um ein Ende der Finanzspritzen durch die arabische Etihad, die 30 Prozent an Air Berlin halte, auf 87,5 Prozent gefallen. Jetzt würden sie wieder zu 98 Prozent gehandelt. "Eine Meldung gibt es dazu aber nicht."
Was Neuemissionen angehe, sei es ruhiger geworden. Stopp berichte lediglich von einer vierjährigen Nachranganleihe der Commerzbank mit Kupon von 0,625 Prozent und Stückelung von 1.000 Euro. (Ausgabe vom 11.12.2015) (14.12.2015/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,1945 € | 125,2722 € | -0,0777 € | -0,06% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 132,00 € | 124,26 € | |
Werte im Artikel
16.04.26
, Helaba
Bund-Future scheitert an 21-Tage-Linie




