Anleihemarkt: Geldpolitik bewegt die Gemüter


26.10.15 12:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zentralbanken stellen in dieser Woche einmal mehr die Konjunkturdaten in den Schatten, so die Deutsche Börse AG.

Die EZB-Aussage, je nach Bedarf das laufende Anleihen-Kaufprogramm verlängern, die monatlichen Volumina erhöhen oder den Einlagenzins weiter absenken zu können, habe sowohl den Renten- als auch Aktienmarkt beflügelt. Gleichzeitig habe der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich an Kraft verloren. "Die Notenbank-Junkies leben wieder auf", urteile Arthur Brunner. "Mal sehen, wie lange das anhält." Für den Händler der ICF Bank habe es eigentlich keinen Grund für die jüngste verbale Aufrüstung der europäischen Währungshüter gegeben. Damit übe man nur Druck auf andere Währungen aus.

Nach Auffassung von Gregor Daniel unterstütze die Politik des ultralockeren Geldes auch nicht bei der Erreichung des angestrebten Inflationsziels von zwei Prozent. "Japan ist der Beweis dafür, dass es nicht funktioniert", gebe der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft zu Bedenken.

"Ist die Europäische Zentralbank am Ende ein zahnloser Tiger?", frage sich auch Klaus Stopp von der Baader Bank. Sämtliche von den Notenbankern in den vergangen Jahren aufgefahrenen Geschütze hätten sich als wenig wirkungsvoll erwiesen. "So scheint es mit dem laufenden Ankaufprogramm für Staatsanleihen auch wieder zu sein." Denn trotz "Dicker Berta" sei die Teuerungsrate von 3 Prozent im September 2011 auf 0,1 Prozent im September 2015 gesunken. In dieser Phase habe die EZB den Leitzins von 1,25 auf 0,05 Prozent gedrückt und den Einlagensatz von 0,50 auf minus 0,20 Prozent gesenkt.

Andere Staaten würden zudem einem billiger werdenden Euro nicht tatenlos zusehen. "Zu unterschiedlich sind die geldpolitischen Pläne der wichtigen Notenbanken", äußere Stopp. Während die Federal Reserve noch über den richtigen Zeitpunkt einer ersten Zinserhöhung debattiere, denke die Bank of Japan nach schwachen Konjunkturzahlen erneut über flankierende Maßnahmen zur Bekämpfung der fehlenden Nachfrage aus dem Ausland nach. Ein schwächerer Yen oder neue Konjunkturhilfsprogramme stünden im Raum.

Auch die schweizerische, die chinesische und nicht zuletzt die englische Notenbank versuche, mit ihrer Geldpolitik den Interessen der eigenen Bevölkerung gerecht zu werden. "Dadurch sind Konflikte vorprogrammiert und die Vorteile zeitlich begrenzt." Am Ende spiele also jeder gegen jeden und es könne was die Sache nicht leichter mache - nur einen Gewinner geben.

Das deutsche Rentenbarometer spiegele die wechselnde Anlegerstimmung im Wochenverlauf wider, wie Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank nachvollziehe. Nach einem ruhigen Start und leichten Verlusten am Montag habe der Euro-Bund-Future am Dienstag aufgrund einer Lockerung der Standards für Unternehmenskredite und einem deutlichen Anstieg der Kreditnachfrage zugelegt. "Dies schwächte zunächst die Hoffnung auf zusätzliche geldpolitische Lockerung", beobachte die Händlerin der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Das aus Sicht von Robert Halver nur leicht positive Kreditwachstum stufe der Analyst der Baader Bank allerdings bestenfalls als Basiseffekt auf die katastrophale Kreditsituation im vergangenen Jahr ein. "Eine nachhaltige Wirtschaftserholung in der Eurozone ist damit definitiv nicht verbunden." Damit sei auch die konjunkturelle Stabilisierung der Euroländer noch nicht vollzogen. "Die Banken horten nach wie vor viel zu viel Zentralbankgeld, anstatt es in Form von Krediten auszuleihen."

Ein schwacher chinesischer Aktienmarkt hätte bereits am Mittwoch die Nachfrage nach Bundesanleihen verstärkt. "Wobei ein rückläufiger Ölpreis für zusätzlichen Auftrieb sorgte", meine Tillmann. Mittlerweile stehe der Indikator für die weitere Zinsentwicklung bei 157,40 Punkten. Damit rutsche die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen unter 0,5 Prozent.

Den Handel mit Unternehmensanleihen beschreibe Daniel als eher ruhig. Anleger hätten sich beispielsweise in Summe von einer im April 2022 fälligen STADA-Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent getrennt. "Unternehmensmeldungen über den Generikakonzern aus Bad Vilbel scheint es nicht zu geben." Seit Montag habe der Kurs des STADA-Bonds von 99,54 auf zunächst 99 Prozent nachgegeben. Mittlerweile seien die Verluste aber wieder ausgeglichen.

Nach der Einigung über die Zukunft der HSH Nordbank mit der EU-Kommission über den Ankauf notleidende Kredite im Wert von 6,2 Milliarden Euro durch die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein seien Anleihen (ISIN DE000HSH2H15 / WKN HSH2H1; ISIN DE000HSH2H23 / WKN HSH2H2; ISIN XS0142391894 / WKN 542696) der Bank tendenziell in den Anlegerdepots gelandet. "Mittlerweile ist das Interesse wieder abgeebbt", melde Daniel.

Brunner spreche von anhaltender Nachfrage an einer Hybridanleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von VW mit einem Kupon von 4,625 Prozent. Im Wochenvergleich habe sich der Bond von 88,21 auf 91,96 Prozent berappelt. "Anleger gehen offenbar davon aus, dass die Verfehlungen von VW in der Abgasaffäre nun offen liegen und der Autobauer die Probleme in den Griff bekommt."

Seit dem 12. Oktober könnten Anleger eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A161Y52 / WKN A161Y5) der Joh. Friedrichs Behrens AG mit einem Kupon von 7,75 Prozent über die Börse Frankfurt zeichnen. Der Produzent von Werkzeugmaschinen plane die Aufnahme von bis zu 25 Millionen Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro über den Kapitalmarkt. Die Mittel würden nach Angaben des Spezialisten von industriellen Befestigungssystemen für Holz und holzähnliche Werkstoffe überwiegend für die Anschlussfinanzierung eines auslaufenden Darlehens und einer im kommenden März zur Rückzahlung anstehenden Anleihe eingesetzt. (Ausgabe vom 23.10.2015) (26.10.2015/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
125,9808 € 125,1945 € 0,7863 € +0,63% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 132,00 € 124,26 €
Werte im Artikel
125,98 plus
+0,63%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
-    plus
0,00%
8,63 minus
-25,37%