Anleihemarkt: Bund-Future im Aufwind


11.01.16 09:05
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - So hatten sich Investoren den Jahresauftakt wohl kaum vorgestellt, so die Deutsche Börse AG.

Taumelnde chinesische Börsen, ein Renminbi im Sinkflug und der Test einer Wasserstoffbombe seitens Nordkorea seien nur einige Zutaten im Anleihehandel der ersten Woche.

Auch die neuen Spannungen im nahen Osten zwischen dem Iran und Saudi Arabien hätten Anleger nervös gemacht, wie Oliver Schellmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank registriere. An den Aktienbörsen sei es jedenfalls bis gestern kontinuierlich abwärts gegangen. Die bessere Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor der Eurozone sowie die robuste Verfassung des US-Arbeitsmarktes hätten dem wenig entgegengesetzt.

"Entsprechend gesucht waren als sicher geltende Bundesanleihen." Der Euro-Bund-Future habe im Wochenverlauf von 158,61 auf 159,17 Prozent zugelegt und in der Spitze die Marke von 160 Prozent übersprungen. "Heute hat sich die Lage wieder etwas beruhigt", beobachte Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Chinesische Zentralbank habe ihre Währung nach den Abwertungen der letzten acht Tage minimal wieder aufgewertet.

Die Umsätze im Handel mit Mittelstandsanleihen seien nach einhelliger Aussage der Händler auch feiertags- und jahreszeitbedingt noch überschaubar.

"Nicht alle Marktteilnehmer haben ihre Bücher für 2016 bereits wieder geöffnet", erkläre Brunner. Viel Bewegung auf der Verkaufsseite mache der Händler bei einer Hybrid-Anleihe (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von VW mit einem Kupon von 4,625 Prozent aus. Seit 30. Dezember habe der Wert von 97,95 auf 93,53 Prozent nachgegeben. "Das entspricht einem Minus von rund 4,5 Prozent." Anleger hätten damit auf die Verluste der VW-Aktie nach der offiziellen Anklageerhebung gegen die Volkswagengruppe in den USA und den im Raum stehenden möglichen Rückkaufverpflichtungen von Dieselfahrzeugen reagiert.

"Die fallenden Preise an den Aktienmärkten zogen die Kurse der Anleihen im Corporate Bond-Sektor tendenziell mit nach unten", beschreibe Schellmann. Durch die Bank seien VW-Anleihen (ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD; ISIN XS0927639780 / WKN A0S73W) überproportional von den jüngsten Medienberichten in Mitleidenschaft gezogen worden.

Zur Disposition stehe nach Beobachtung von Brunner auch eine Areva-Anleihe. Seit Ende des Jahres habe das im September 2024 fällige, mit jährlich 4,875 Prozent verzinste Papier von 99,91 auf 79,84 Prozent verloren. "Gründe hierfür sind vielfältig", urteile der Händler. Unter anderem hätten sich Anleger um die Geschäfte der Ausrüstungssparte für Kernkraftwerke des Versorgers gesorgt. Bereits im vergangenen Jahr habe der französische, teilstaatliche Atomkonzern tiefe Einschnitte bei der Belegschaft angekündigt.

Zu den meist gehandelten Anleihen bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft gehöre einmal mehr ein Langläufer (ISIN XS1271836600 / WKN A161YP) der größten deutschen Fluggesellschaft mit Fälligkeit im Jahr 2075, wie Gregor Daniel melde. "Der Wert wird bei uns zwar überwiegend gekauft." Dennoch habe sich der Kurs der mit jährlich 5,125 Prozent Zinsen und von der Lufthansa in 2021 kündbaren nachrangigen Hybridanleihe seit dem Jahreswechsel kaum verändert. Aktuell sei die Anleihe zu einem Preis von 102,42 Prozent zu haben.

An einem mit 1,75 Prozent verzinsten und im November 2020 zur Rückzahlung anstehenden Produkt (ISIN DE000A14J579 / WKN A14J57) von Thyssen fänden Anleger ebenfalls Gefallen. Auf Wochensicht habe der Kurs der Anleihe von 97,50 auf 95,71 Prozent nachgegeben.

Daimler habe laut Brunner den Reigen der Neuemissionen eröffnet und über die Ausgabe von drei Bonds insgesamt 3,25 Milliarden Euro eingesammelt. "Die Nachfrage war trotz der Sorge um die chinesische Wirtschaft riesig." Neben einem bis 2019 laufenden Floater (ISIN DE000A169GZ7 / WKN A169GZ) habe der deutsche Autobauer aus Stuttgart jeweils eine Milliarde Euro über eine fünfjährige Anleihe (ISIN DE000A169G07 / WKN A169G0) mit einem Kupon von 0,875 Prozent und einen mit jährlich 1,4 Prozent verzinsten, bis 2024 laufenden Wert (ISIN DE000A169G15 / WKN A169G1) begeben. "Die fünf- und achtjährigen Bonds sind mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch für Privatanleger interessant." (Ausgabe vom 08.01.2016) (11.01.2016/alc/a/a)





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