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Anleihemarkt: Anleger müssen blechen
20.07.12 12:40
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Was am Sekundärmarkt schon kalter Kaffee ist, zeigte sich in dieser Woche auch bei Neuemissionen, so die Deutsche Börse AG.
"Die planmäßige Aufstockung der zweijährigen Nullkupon-Bundesschatzanweisungen mit Endfälligkeit 2014 konnte bei zweifacher Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von -0,06 Prozent zugeteilt werden", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank.
Deutschland sei allerdings nicht der einzige Profiteur der Krise. Die Liquidität der Anleger fließe laut der HSH Nordbank zunehmend auch in andere Länder Kerneuropas wie die Niederlande, Finnland und Belgien sowie, außerhalb der Eurozone, die Schweiz und Dänemark.
Auch Frankreich habe sich zuletzt zu historisch niedrigen Zinsen fast 9 Milliarden Euro borgen können, wie Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichte. Er halte es für positiv, dass in der Wahrnehmung der Investoren die Grenze zwischen dem kranken und gesunden Teil Europas an der Südgrenze Frankreichs verlaufe - und nicht an der Westgrenze Deutschlands. "Das Unwetter ist also noch ein bisschen entfernt und es gilt, auf guten (Ost)wind zu hoffen."
Auch der Krisenfonds EFSF habe sich am Kapitalmarkt Geld geliehen und müsse dafür, wie Deutschland, keine Zinsen zahlen. "Diese Entwicklung vermag Politikern gefallen, aber ist nur begrenzt nachvollziehbar", kommentiere Stopp. Die Zinsen für Anleihen der Südländer würden indes hoch bleiben. "Die Rendite für zehnjährige italienische Staatstitel notiert bei 6 Prozent, die für spanische Papiere bei 7 Prozent", erläutere die HSH Nordbank. Dagegen habe sich die Situation für Portugal und Irland mit einem deutlichen Renditerückgang über die vergangenen Monate merklich entspannt.
Eine Reaktion auf die gestern vom Bundestag gebilligten Hilfen für die spanischen Banken habe es übrigens nicht gegeben, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft bemerke. "Das ist schon erstaunlich, eigentlich müssten die Kurse ja steigen." Auch schlechte Nachrichten, wie etwa die abermalige Erhöhung des Defizitziels Spaniens und die drohende Zahlungsunfähigkeit Siziliens, seien laut Arthur Brunner von ICF Kursmakler ohne große Auswirkungen geblieben. "Die Märkte reagieren gelassen, was wohl an der Urlaubszeit liegt." Obwohl es die Temperaturen eigentlich nicht hätten vermuten lassen, sei die ganze Woche eine gewisse Lethargie im Handel spürbar gewesen.
Der Euro-Bund-Future sei gegenüber der Vorwoche abermals gestiegen und nähere sich immer mehr seinem historischen Hoch bei 146,89 Prozent - für Brunner auch ein Zeichen dafür, dass sich noch kein Weg aus der Krise abzeichne. Heute notiere der Bund-Future bei 145,54 Prozent nach 144,83 am vergangenen Freitag. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen liege aktuell bei 1,20 Prozent.
Im Corporate Bond-Bereich sei Peugeot großes Thema gewesen. "Die Anleihen sind nach Ankündigung des drastischen Restrukturierungsplans massiv unter die Räder gekommen", erkläre Daniel. Etwa sei das bis 2016 laufende Papier (ISIN FR0010957282 / WKN A0VSYU), das zuvor noch bei 102 Prozent gehandelt worden sei, bis unter 90 gefallen. "Aktuell notiert die Anleihe bei 93,6 Prozent." Von Papieren (ISIN XS0563144079 / WKN A1A36E) der dazu gehörenden Autobank Banque PSA hätten sich Anleger ebenso getrennt.
In "Sippenhaft genommen" worden seien auch Anleihen von Renault, wie Stopp ergänze, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß. "Die ebenfalls 2016 endfällige Anleihe (ISIN FR0011052117 / WKN A1GRNK) rentierte am 6. Juli noch bei 4,20 Prozent und stieg wegen der negativen Schlagzeilen beim Konkurrenten Peugeot bis auf rund 5,20 Prozent." Insgesamt hätten Privatanleger verschnupft auf die Unternehmensnachrichten reagiert, inzwischen sei auf dem stark ermäßigten Niveau allerdings wieder Kaufinteresse auszumachen.
Volatiler Handel habe Brunner zufolge bei Anleihen (ISIN US654902AB18 / WKN A0T9KM, ISIN US654902AC90 / WKN A0T9L2) von Nokia geherrscht. "Diese mussten im Vorfeld der Veröffentlichung der Geschäftszahlen am Donnerstag deutliche Verluste hinnehmen." Nachdem die Verkäufe des neuen Smartphones über den Erwartungen gelegen hätten, hätten die Einbußen aber wieder fast wieder wettgemacht werden können.
Rasant nach unten sei es hingegen abermals für Solaranleihen, etwa Bonds (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73, ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6) von SolarWorld gegangen. Die bis 2016 laufenden Papiere des Bonner Unternehmens seien parallel zur Talfahrt der Aktien innerhalb weniger Tage von 34 auf aktuell 22,3 Prozent gestürzt. In der vergangenen Woche habe mit dem Solaranlagenbauer centrotherm ein weiteres Unternehmen der schwer angeschlagenen Branche Insolvenzantrag gestellt.
Im Bereich Neuemissionen sei es sommerferienbedingt ruhiger geworden. "Die wenigen neuen Anleihen konnten jedoch problemlos platziert werden und erfreuten sich solider Nachfrage", melde Stopp. Etwa habe Nestlé einen 500 Millionen Euro schweren Bond (ISIN XS0805500062 / WKN A1G7JJ) mit Laufzeit bis 2019 zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent auf den Markt gebracht. "Da es sich derzeit um den einzigen Euro-Bond des Unternehmens handelt, war die Nachfrage entsprechend groß." Die Stückelung liege bei 1.000 Euro.
Anleihen in Australischen Dollar würden beliebt bleiben, wie Gregor Daniel erkläre. "Hier wird quer Beet alles gekauft." Wer zuletzt auf Australische oder Neuseeländische Dollar gesetzt habe, habe sich in dieser Woche im Übrigen freuen können: "Zum Australischen Dollar wurden bei 1,1818 und zur Kiwi-Währung bei 1,5296 zum Euro neue historische Tiefstände erreicht", berichte Stopp. Auch Währungsanleihen auf Norwegische Kronen, Türkische Lira sowie Chinesische Renminbi hätten sich weiterhin großer Beliebtheit erfreut. (20.07.2012/alc/a/a)
"Die planmäßige Aufstockung der zweijährigen Nullkupon-Bundesschatzanweisungen mit Endfälligkeit 2014 konnte bei zweifacher Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von -0,06 Prozent zugeteilt werden", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank.
Deutschland sei allerdings nicht der einzige Profiteur der Krise. Die Liquidität der Anleger fließe laut der HSH Nordbank zunehmend auch in andere Länder Kerneuropas wie die Niederlande, Finnland und Belgien sowie, außerhalb der Eurozone, die Schweiz und Dänemark.
Auch Frankreich habe sich zuletzt zu historisch niedrigen Zinsen fast 9 Milliarden Euro borgen können, wie Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichte. Er halte es für positiv, dass in der Wahrnehmung der Investoren die Grenze zwischen dem kranken und gesunden Teil Europas an der Südgrenze Frankreichs verlaufe - und nicht an der Westgrenze Deutschlands. "Das Unwetter ist also noch ein bisschen entfernt und es gilt, auf guten (Ost)wind zu hoffen."
Auch der Krisenfonds EFSF habe sich am Kapitalmarkt Geld geliehen und müsse dafür, wie Deutschland, keine Zinsen zahlen. "Diese Entwicklung vermag Politikern gefallen, aber ist nur begrenzt nachvollziehbar", kommentiere Stopp. Die Zinsen für Anleihen der Südländer würden indes hoch bleiben. "Die Rendite für zehnjährige italienische Staatstitel notiert bei 6 Prozent, die für spanische Papiere bei 7 Prozent", erläutere die HSH Nordbank. Dagegen habe sich die Situation für Portugal und Irland mit einem deutlichen Renditerückgang über die vergangenen Monate merklich entspannt.
Eine Reaktion auf die gestern vom Bundestag gebilligten Hilfen für die spanischen Banken habe es übrigens nicht gegeben, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft bemerke. "Das ist schon erstaunlich, eigentlich müssten die Kurse ja steigen." Auch schlechte Nachrichten, wie etwa die abermalige Erhöhung des Defizitziels Spaniens und die drohende Zahlungsunfähigkeit Siziliens, seien laut Arthur Brunner von ICF Kursmakler ohne große Auswirkungen geblieben. "Die Märkte reagieren gelassen, was wohl an der Urlaubszeit liegt." Obwohl es die Temperaturen eigentlich nicht hätten vermuten lassen, sei die ganze Woche eine gewisse Lethargie im Handel spürbar gewesen.
Im Corporate Bond-Bereich sei Peugeot großes Thema gewesen. "Die Anleihen sind nach Ankündigung des drastischen Restrukturierungsplans massiv unter die Räder gekommen", erkläre Daniel. Etwa sei das bis 2016 laufende Papier (ISIN FR0010957282 / WKN A0VSYU), das zuvor noch bei 102 Prozent gehandelt worden sei, bis unter 90 gefallen. "Aktuell notiert die Anleihe bei 93,6 Prozent." Von Papieren (ISIN XS0563144079 / WKN A1A36E) der dazu gehörenden Autobank Banque PSA hätten sich Anleger ebenso getrennt.
In "Sippenhaft genommen" worden seien auch Anleihen von Renault, wie Stopp ergänze, allerdings in deutlich geringerem Ausmaß. "Die ebenfalls 2016 endfällige Anleihe (ISIN FR0011052117 / WKN A1GRNK) rentierte am 6. Juli noch bei 4,20 Prozent und stieg wegen der negativen Schlagzeilen beim Konkurrenten Peugeot bis auf rund 5,20 Prozent." Insgesamt hätten Privatanleger verschnupft auf die Unternehmensnachrichten reagiert, inzwischen sei auf dem stark ermäßigten Niveau allerdings wieder Kaufinteresse auszumachen.
Volatiler Handel habe Brunner zufolge bei Anleihen (ISIN US654902AB18 / WKN A0T9KM, ISIN US654902AC90 / WKN A0T9L2) von Nokia geherrscht. "Diese mussten im Vorfeld der Veröffentlichung der Geschäftszahlen am Donnerstag deutliche Verluste hinnehmen." Nachdem die Verkäufe des neuen Smartphones über den Erwartungen gelegen hätten, hätten die Einbußen aber wieder fast wieder wettgemacht werden können.
Rasant nach unten sei es hingegen abermals für Solaranleihen, etwa Bonds (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73, ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6) von SolarWorld gegangen. Die bis 2016 laufenden Papiere des Bonner Unternehmens seien parallel zur Talfahrt der Aktien innerhalb weniger Tage von 34 auf aktuell 22,3 Prozent gestürzt. In der vergangenen Woche habe mit dem Solaranlagenbauer centrotherm ein weiteres Unternehmen der schwer angeschlagenen Branche Insolvenzantrag gestellt.
Im Bereich Neuemissionen sei es sommerferienbedingt ruhiger geworden. "Die wenigen neuen Anleihen konnten jedoch problemlos platziert werden und erfreuten sich solider Nachfrage", melde Stopp. Etwa habe Nestlé einen 500 Millionen Euro schweren Bond (ISIN XS0805500062 / WKN A1G7JJ) mit Laufzeit bis 2019 zu einem Zinssatz von 1,5 Prozent auf den Markt gebracht. "Da es sich derzeit um den einzigen Euro-Bond des Unternehmens handelt, war die Nachfrage entsprechend groß." Die Stückelung liege bei 1.000 Euro.
Anleihen in Australischen Dollar würden beliebt bleiben, wie Gregor Daniel erkläre. "Hier wird quer Beet alles gekauft." Wer zuletzt auf Australische oder Neuseeländische Dollar gesetzt habe, habe sich in dieser Woche im Übrigen freuen können: "Zum Australischen Dollar wurden bei 1,1818 und zur Kiwi-Währung bei 1,5296 zum Euro neue historische Tiefstände erreicht", berichte Stopp. Auch Währungsanleihen auf Norwegische Kronen, Türkische Lira sowie Chinesische Renminbi hätten sich weiterhin großer Beliebtheit erfreut. (20.07.2012/alc/a/a)
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