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Anleihemarkt: Anleger meiden das Risiko
05.10.15 08:33
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Skandal um manipulierte Abgastests bei Dieselmotoren hinterlässt auch in dieser Woche seine Spuren im Handel mit Unternehmensanleihen, so die Deutsche Börse AG.
"Zwei VW-Anleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21; ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) wurden nach wie vor hoch- und runtergehandelt", melde Arthur Brunner von der ICF Bank, wobei sich die Anleger in Summe von ihren Engagements getrennt hätten. Die eine Anleihe, ausgestattet mit einem Kupon von 4,625 Prozent, habe auf Wochensicht von 92,76 auf etwas über 86 Prozent verloren. Die Andere, mit jährlich 3,875 Prozent verzinst, habe von 97,5 auf 91,6 Prozent nachgegeben. Im Hoch habe diese Anleihe in den vergangenen zwölf Monaten immerhin bei 107,69 Prozent gelegen.
"Vom Volkswagenkonzern über diverse Töchter begebene Anleihen (ISIN XS1167637294 / WKN A1ZUTP; ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD), die in der Vorwoche noch mit Verachtung gestraft wurden, konnten sich indes wieder deutlich erholen", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Fanden sich vergangene Woche nur unter Strafandrohung Käufer, so wandelte sich das Bild komplett und Verkäufer und Stücke sind teilweise Mangelware."
"Generell sind die Marktteilnehmer weiter angespannt und nervös", urteile die Händlerin und mache dies unter anderem an heftigen Reaktionen auf negative Unternehmensnachrichten etwa über Glencore fest. "Die Anleihekurse des Bergbauunternehmens rauschten an einem Tag um gut 20 Prozent in den Keller." Bereits am Nachmittag habe allerdings eine kleine Gegenbewegung mit Fortsetzung am Folgetag eingesetzt.
Auch bei den Kunden der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft stünden Glencore-Emissionen, wie der 2025 zur Rückzahlung anstehende und mit jährlich 1,75 Prozent verzinste Bond, überwiegend zur Disposition, wie Gregor Daniel berichte. Insbesondere auf die Investec-Warnung hinsichtlich möglicher zusätzlicher Einbußen beim Eigenkapitalwert des Unternehmens bei anhaltend niedrigen Rohstoffpreisen hätten Investoren mit Abflüssen reagiert. "Für so manche Verkaufsorder fehlten zwischenzeitlich die Abnehmer." Wie bei den Autowerten in der Vorwoche sei der gesamte Sektor in Sippenhaft genommen worden.
Ebenso spreche Brunner von enormen Kursschwankungen bei Glencore-Bonds. Eine in 2018 fällige Anleihe (ISIN XS0767815599 / WKN A1G29C) mit einem Kupon von 4,625 Prozent und einer Stückelung von 100.000 Euro sei bei tendenziellem Abgabedruck rege in beide Richtungen gehandelt worden. "Das Thema scheint noch nicht ganz ausgestanden."
Anleihen vom Automobilproduzenten Daimler seien laut Daniel auch in dieser Woche häufig gehandelt und in Summe gekauft worden. Ebenso käme ein Langläufer der Lufthansa mit einer jährlichen Verzinsung von 5,125 Prozent bei Daniels Kunden gut an. Die Hybridanleihe sei aktuell für 100,3 Prozent zu haben und habe im Wochenverlauf damit über 1 Prozent verloren.
Unter Druck gekommen sei ein Bond des Automobilzulieferers SAF Holland (ISIN DE000A1HA979 / WKN A1HA97), wie Brunner registriere. Hinter den Bewegungen vermute der Händler Sorgen um den gesamten Automobilsektor. Die mit 7 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe mit Fälligkeit im April 2018 habe innerhalb einer Woche von 110,75 auf 105,50 Prozent verloren.
Bei Umsätzen auf niedrigerem Niveau hätten sich die Kunden der ICF Bank laut Brunner per saldo von einem im Dezember zahlbaren Sanochemia Pharmazeutika-Bond getrennt. Der Bond rutsche in der vergangenen Woche von 102,50 auf 99 Prozent. "Creditreform Rating hat das österreichische Pharmaunternehmen aufgrund fehlender Profitabilität und schwachen Zinsdeckungs- und Entschuldungskennzahlen von B auf B- heruntergestuft", begründe der Händler. Kosteneffizienzmaßnahmen und Fortschritte bei der Markteinführung neuer Produkte in Europa und den USA hätten zwar überzeugt. Perspektivisch sehe Creditreform unter anderem verbleibende Risiken im Hinblick auf die Refinanzierung der Anleihe.
Die Unruhe an den Finanzmärkten drücke auf die Anlegerstimmung, wie Tillmann bemerke. Dies sorge für Rückenwind bei Bundesanleihen, die als Hort der Sicherheit in unsicheren Marktphasen gelten würden. Der Euro-Bund-Future sei im Wochenverlauf von 155,45 auf 156.65 Prozent geklettert. Damit würden zehnjährige deutsche Staatsanleihen gegenwärtig eine Rendite von 0,556 Prozent bieten, wie Brunner berechne. Auch für spanische Bonds gleicher Laufzeit seien für Käufer beim aktuellen Kurs nur 1,82 Prozent jährlich abgefallen. "Vor zwei Wochen lagen die Erträge noch über 2 Prozent."
Für Ulrich Wortberg von der Helaba sei der Aufwärtstrend beim hiesigen Rentenbarometer aus technischer Perspektive intakt. Dem Euro-Bund-Future sei die Überwindung des Hochs vom 24. August gelungen und habe sich zudem oberhalb der 200-Tagelinie bei aktuell bei 155,65 Prozent etabliert. "Die Indikatoren im Tages- und Wochenchart liefern ein mehrheitlich positives Bild." Es gebe Kaufsignale und der ADX steige an. Daraus schließe Wortberg, dass der Aufwärtsimpuls an Kraft gewinne. Die nächsten Hürden lägen im Bereich 157,50 und 158,00 Prozent. Auf der Unterseite stütze die 200-Tagelinie des Aufwärtstrendkanals bei aktuell 154,67 Prozent. (Ausgabe vom 02.10.2015) (02.10.2015/alc/a/a)
"Zwei VW-Anleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21; ISIN XS0968913268 / WKN A1VCZP) wurden nach wie vor hoch- und runtergehandelt", melde Arthur Brunner von der ICF Bank, wobei sich die Anleger in Summe von ihren Engagements getrennt hätten. Die eine Anleihe, ausgestattet mit einem Kupon von 4,625 Prozent, habe auf Wochensicht von 92,76 auf etwas über 86 Prozent verloren. Die Andere, mit jährlich 3,875 Prozent verzinst, habe von 97,5 auf 91,6 Prozent nachgegeben. Im Hoch habe diese Anleihe in den vergangenen zwölf Monaten immerhin bei 107,69 Prozent gelegen.
"Vom Volkswagenkonzern über diverse Töchter begebene Anleihen (ISIN XS1167637294 / WKN A1ZUTP; ISIN XS0873793375 / WKN A1HERD), die in der Vorwoche noch mit Verachtung gestraft wurden, konnten sich indes wieder deutlich erholen", beobachte Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Fanden sich vergangene Woche nur unter Strafandrohung Käufer, so wandelte sich das Bild komplett und Verkäufer und Stücke sind teilweise Mangelware."
"Generell sind die Marktteilnehmer weiter angespannt und nervös", urteile die Händlerin und mache dies unter anderem an heftigen Reaktionen auf negative Unternehmensnachrichten etwa über Glencore fest. "Die Anleihekurse des Bergbauunternehmens rauschten an einem Tag um gut 20 Prozent in den Keller." Bereits am Nachmittag habe allerdings eine kleine Gegenbewegung mit Fortsetzung am Folgetag eingesetzt.
Auch bei den Kunden der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft stünden Glencore-Emissionen, wie der 2025 zur Rückzahlung anstehende und mit jährlich 1,75 Prozent verzinste Bond, überwiegend zur Disposition, wie Gregor Daniel berichte. Insbesondere auf die Investec-Warnung hinsichtlich möglicher zusätzlicher Einbußen beim Eigenkapitalwert des Unternehmens bei anhaltend niedrigen Rohstoffpreisen hätten Investoren mit Abflüssen reagiert. "Für so manche Verkaufsorder fehlten zwischenzeitlich die Abnehmer." Wie bei den Autowerten in der Vorwoche sei der gesamte Sektor in Sippenhaft genommen worden.
Anleihen vom Automobilproduzenten Daimler seien laut Daniel auch in dieser Woche häufig gehandelt und in Summe gekauft worden. Ebenso käme ein Langläufer der Lufthansa mit einer jährlichen Verzinsung von 5,125 Prozent bei Daniels Kunden gut an. Die Hybridanleihe sei aktuell für 100,3 Prozent zu haben und habe im Wochenverlauf damit über 1 Prozent verloren.
Unter Druck gekommen sei ein Bond des Automobilzulieferers SAF Holland (ISIN DE000A1HA979 / WKN A1HA97), wie Brunner registriere. Hinter den Bewegungen vermute der Händler Sorgen um den gesamten Automobilsektor. Die mit 7 Prozent Zinsen ausgestattete Anleihe mit Fälligkeit im April 2018 habe innerhalb einer Woche von 110,75 auf 105,50 Prozent verloren.
Bei Umsätzen auf niedrigerem Niveau hätten sich die Kunden der ICF Bank laut Brunner per saldo von einem im Dezember zahlbaren Sanochemia Pharmazeutika-Bond getrennt. Der Bond rutsche in der vergangenen Woche von 102,50 auf 99 Prozent. "Creditreform Rating hat das österreichische Pharmaunternehmen aufgrund fehlender Profitabilität und schwachen Zinsdeckungs- und Entschuldungskennzahlen von B auf B- heruntergestuft", begründe der Händler. Kosteneffizienzmaßnahmen und Fortschritte bei der Markteinführung neuer Produkte in Europa und den USA hätten zwar überzeugt. Perspektivisch sehe Creditreform unter anderem verbleibende Risiken im Hinblick auf die Refinanzierung der Anleihe.
Die Unruhe an den Finanzmärkten drücke auf die Anlegerstimmung, wie Tillmann bemerke. Dies sorge für Rückenwind bei Bundesanleihen, die als Hort der Sicherheit in unsicheren Marktphasen gelten würden. Der Euro-Bund-Future sei im Wochenverlauf von 155,45 auf 156.65 Prozent geklettert. Damit würden zehnjährige deutsche Staatsanleihen gegenwärtig eine Rendite von 0,556 Prozent bieten, wie Brunner berechne. Auch für spanische Bonds gleicher Laufzeit seien für Käufer beim aktuellen Kurs nur 1,82 Prozent jährlich abgefallen. "Vor zwei Wochen lagen die Erträge noch über 2 Prozent."
Für Ulrich Wortberg von der Helaba sei der Aufwärtstrend beim hiesigen Rentenbarometer aus technischer Perspektive intakt. Dem Euro-Bund-Future sei die Überwindung des Hochs vom 24. August gelungen und habe sich zudem oberhalb der 200-Tagelinie bei aktuell bei 155,65 Prozent etabliert. "Die Indikatoren im Tages- und Wochenchart liefern ein mehrheitlich positives Bild." Es gebe Kaufsignale und der ADX steige an. Daraus schließe Wortberg, dass der Aufwärtsimpuls an Kraft gewinne. Die nächsten Hürden lägen im Bereich 157,50 und 158,00 Prozent. Auf der Unterseite stütze die 200-Tagelinie des Aufwärtstrendkanals bei aktuell 154,67 Prozent. (Ausgabe vom 02.10.2015) (02.10.2015/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 97,898 € | 98,917 € | - € | 0,00% | 23.03./09:42 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XS1048428442 | A1ZE21 | 101,18 € | - € | |
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