Anleihemarkt: Air Berlin im Sinkflug


28.03.14 15:38
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sichere Häfen sind wieder beliebt: Angesichts der Sorgen über das chinesische Wirtschaftswachstum und der anhaltenden internationalen Spannungen wegen des Krimkonflikts stehen die vermeintlich sicheren Bundesanleihen bei Anlegern hoch im Kurs, so die Deutsche Börse AG.

Immerhin sei die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen von rund 1,65 Prozent Ende vergangener Woche auf aktuell 1,53 Prozent gefallen. Der Euro-Bund-Future als Indikator für langfristige Zinserwartungen notiere aktuell bei fast 144 Prozent, verglichen mit 142,4 vor einer Woche.

Unterstützung für den Rentenmarkt sei zuletzt aber auch von geldpolitischer Seite gekommen, wie Arthur Brunner von der ICF AG anmerke: "Einige EZB-Mitglieder wie Jens Weidmann schürten in dieser Woche mit diversen Aussagen - etwa über mögliche Negativzinsen - erneut Lockerungsphantasien am Markt. Neben den Bundesanleihen beflügelte das insbesondere die Staatsanleihen der Europeripherie, denn die Zentralbank macht immer wieder deutlich, dass sie im Notfall parat stehen wird."

Die Risiken der einstigen "Krisenbarometer" würden für Investoren damit quasi aufgehoben, was sich deutlich in den Renditen widerspiegele: Italienische und spanische Benchmark-Anleihen würden gerade mal noch rund 3,30 Prozent abwerfen und sogar Portugal müsse für zehnjährige Papiere nicht mal mehr 4 Prozent Zinsen zahlen. Anleihen des vor kurzer Zeit noch vom Staatsbankrott bedrohten Griechenland würden aktuell bei 6,75 Prozent rentieren. Zum Vergleich: Vor nicht einmal zwei Jahren habe Spanien noch rund 7,5 Prozent Zinsen zahlen müssen, Griechenland über 20.

Bei russischen Anleihen, die wegen der Krim-Krise zuletzt massiv unter Druck geraten seien, würden einige Anleger mittlerweile die Zeit für einen Wiedereinstieg gekommen zu sehen scheinen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank beobachte. "Nachdem auch der Rubelkurs in den vergangenen Wochen deutlich an Wert verloren hat, erholte sich die russische Währung in den vergangenen Tagen wieder etwas. Ebenso erging es den Anleihekursen, bei denen Anzeichen für eine Bodenbildung zu erkennen sind.

So notiert ein auf US-Dollar lautender Bond der russischen Föderation mit Laufzeit Juli 2018 und rund 3,5 Prozent Rendite einen Punkt höher als in der vergangenen Woche. Dieselbe Entwicklung ist auch bei auf Rubel lautenden Anleihen zu beobachten, etwa bei dem bis 2027 laufenden Bond (ISIN RU000A0JS3W6 / WKN A1G10S) mit rund 9 Prozent Rendite. Dieses Papier hat sich sogar von seinem in der vergangenen Woche erreichten Tief bei 91,44 Prozent auf ein Niveau von über 95% erholt."

Russische Staatsanleihen hätten in den vergangenen Tagen allesamt Federn lassen müssen, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. "Dabei scheint sich für Titel, die in Euro notieren - wie bei einer Anleihe (ISIN XS0971722342 / WKN A1HQXU) mit Laufzeit bis September 2020 - ein gewisser Bodensatz zu bilden." Der Bond notiere aktuell bei 99 Prozent nach über 103 im Februar, das entspreche einer Rendite von 3,79 Prozent. Dasselbe gelte für russische Anleihen in US-Dollar (ISIN XS0089375249 / WKN 249138).

Unter Druck geraten seien auch ukrainische Papiere, etwa ein auf Euro lautender Titel (ISIN XS0232329879 / WKN A0GGXG) mit Laufzeit bis Oktober 2015. Hier sei der Kurs nach 99 Prozent Mitte Januar inzwischen auf 83,5 Prozent gefallen, was eine Rendite von fast 18 Prozent ergebe. Ebenso hätten in US-Dollar notierte ukrainische Staatsanleihen (ISIN XS0543783434 / WKN A1A1H5) unter der Krim-Krise gelitten.

Auch bei ukrainischen Staatsanleihen, die sowohl in Euro als auch US-Dollar in hohen Stückelungen begeben worden seien, würden die Tiefs der jüngsten Tage nach Einschätzung der Baader Bank ebenfalls überwunden zu sein scheinen. So habe sich ein auf Euro lautender Bond (ISIN XS0232329879 / WKN A0GGXG) aus Kiew von seinem Tief bei 81,75 Prozent wieder auf über 90 Prozent hochgearbeitet. Eine bis September 2020 laufende ukrainische Staatsanleihe (ISIN XS0543783194 / WKN A1A1H7) in US-Dollar habe von rund 80 Prozent auf über 90 Prozent zugelegt.

Nach Einschätzung von Brunner wirke sich hier vor allem das von Internationalen Währungsfonds zugesagte Hilfspaket für das hochverschuldete Land positiv aus. "Es bleibt hier allerdings zu bedenken, dass sich die Ukraine in der Vergangenheit wiederholt nicht an die mit Hilfskrediten des IWF verbundenen Auflagen gehalten hat und Hilfsmittel deswegen wieder gestrichen wurden. Es bleibt daher abzuwarten, wie es sich diesmal verhalten wird. Aktuell scheinen Anleger vorsichtig optimistisch, von Euphorie kann aber noch keine Rede sein", betone der Spezialist.

Am Markt für Unternehmensanleihen habe in dieser Woche Air Berlin mit deutlichen Kursverlusten für Aufsehen gesorgt. Innerhalb weniger Tage sei etwa ein bis Oktober 2014 laufendes Papier (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) von rund 105 Prozent auf aktuell um die 100 abgesackt. Die Fluggesellschaft kämpfe offenkundig mit Finanzproblemen und habe in dieser Woche schon zum zweiten Mal die Vorlage ihrer Bilanz verschoben.

"Seitdem sehen wir nur noch Abflüsse aus den Anleihen des Billigfliegers. Käufer gibt es aktuell so gut wie gar keine", melde Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Zwar hoffe Air Berlin offenbar auf frisches Geld vonseiten des Großaktionärs Etihad, klare Prognosen seien aktuell aber Mangelware. "Und das mögen Investoren gar nicht. Zudem bestehen Sorgen, dass eine wie auch immer geartete Umstrukturierung auch zu Lasten der Anleihegläubiger gehen könnte", ergänze der Spezialist.

Mit Spannung würden Anleger laut Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank die erste Ausschüttung der restrukturierten Solarworld-Anleihen am kommenden Montag erwarten. "Dabei steht weniger die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft im Vordergrund, sondern eher, ob bei der technischen Abwicklung alles problemlos funktioniert. Diese Bedenken sind der einzigartigen Konstruktion der Anleihen geschuldet", wisse der Spezialist.

Unterschiedlich hätten laut Hellwig die Nachranganleihen und Genussscheine der Bayerischen Landesbank auf die Veröffentlichung neuer Zahlen am vergangenen Mittwoch reagiert. "Während die 2017 endfällige Anleihe (ISIN XS0326869665 / WKN BLB377) sich rund um diesen Termin preislich voran arbeiten konnte, gab der Genussschein (ISIN DE000BLB37M5 / WKN BLB37M) etwas im Preis nach. Hier fanden Umsätze auf einem Niveau von 97 statt", merke Hellwig an.

Reges Anlegerinteresse beobachte Brunner bei den in der vergangenen Woche emittierten Hybridanleihen (ISIN XS1048428442 / WKN A1ZE21) von Volkswagen im Volumen von insgesamt 3 Milliarden Euro. Eine Tranche sei mit einem Kupon von 3,75 Prozent sowie einem Call zum 24.03.2021 und die andere mit einem Kupon von 4,625 Prozent sowie einem Call zum 24.03.2026 ausgestattet. "Die 1.000er Stückelung ist für Privatanleger sehr attraktiv", merke der Spezialist an. (28.03.2014/alc/a/a)





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