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Anleihemarkt: Abseits ausgetretener Pfade - Chancen in Emerging Markets
23.06.14 12:39
AB
München (www.anleihencheck.de) - Trotz einer breiten Auswahl exotischer Reiseziele fällt die Wahl bei vielen Touristen auf bekannte Länder und klassische Ferienorte, dort versprechen sie sich traumhafte Urlaubstage ohne unangenehme Überraschungen, so die Experten von AB.
Einige Anleger würden sich bei ihren Emerging Markets-Investments ähnlich verhalten: Der Großteil des Kapitals fließe in bekannte Länder und Unternehmen. Dabei fänden sich gerade in der zweiten Reihe attraktive Chancen. Morgan Harting, Manager des Emerging Markets Multi-Asset Portfolios bei AB (AllianceBernstein) in New York, erkläre, wie er durch gezieltes Stock-Picking auch Chancen abseits der ausgetretenen Pfade wahrnehme und gleichzeitig das Risiko durch die Beimischung von lokalen Anleihen auf einem vernünftigen Niveau halte.
"Fasten your Seatbelts - dieser aus dem Flugverkehr bekannte Hinweis lässt sich getrost auf Investments in den Emerging Markets übertragen. In diesen Ländern müssen Anleger mit besonders heftigen Kursschwankungen zurechtkommen. Die Volatilität fällt bis zu 50 Prozent höher aus als an den Börsen der Industrieländer. Zudem sind die Kapitalmärkte häufig noch vergleichsweise ineffizient und stark von Emotionen getrieben. All dies tut der Tatsache keinen Abbruch, dass die Schwellenländer besonders große Chancen bieten. Während manche Regionen die Folgen der Finanzkrise bereits verdaut haben, befinden sich andere noch im Tal der Tränen. Zweitgenannte sind gerade für langfristig orientierte Anleger interessant. Am Boden liegende Aktienkurse zeigen oft genau dann kräftige Lebenszeichen, sobald sich eine fundamentale Trendwende abzeichnet. Genau hier können Investoren sich selektiv in Aktien mit einem hohen Renditepotenzial engagieren.
Durch die starke Konzentration in den Emerging Markets führen viele kleinere Titel ein Schattendasein, rund die Hälfte der Marktkapitalisierung der Emerging Markets geht auf lediglich 20 Unternehmen zurück. Am Smartphone lässt sich diese These anschaulich verdeutlichen. Dieser Boom wird in erster Linie über die Branchenriesen Apple oder Samsung abgegriffen. Für das weitere Wachstum des Marktes dürfte jedoch das äußere Design der Geräte eine sehr wichtige Rolle spielen. So gibt es in Asien einige Firmen, beispielsweise die taiwanesische Catcher Technology, die sich auf die Produktion von Smartphone-Gehäusen spezialisiert haben. Dieses Geschäftsfeld erfordert viel Ingenieurleistung und hohe Präzision. Obwohl diese Unternehmen erstaunlich tiefe Aktienkurse gepaart mit hohen Ergebnismargen zeigen, stoßen sie an der Börse auf wenig Aufmerksamkeit. Für viele Investoren sind sie schlicht zu klein oder ihnen einfach nicht bekannt.
Gerade bei solchen Small Caps kommen auch die speziellen Risiken der Schwellenländer zum Ausdruck. Anleger können sich dagegen wappnen, indem sie ihrem Portfolio lokale Rentenpapiere beimischen. So können sie vom Potenzial der Aktienmärkte profitieren, verfügen aber gleichzeitig über eine Art Sicherheitsnetz in Form ertragsstarker und relativ schwankungsarmer Anleihen. Unabhängig davon müssen sich Investoren der in den Emerging Markets vorliegenden Währungsrisiken bewusst sein. So wie der Tourist im Vorfeld einer Urlaubsreise Geld umtauschen muss, setzt auch der Kauf von Schwellenländer-Wertpapieren den Erwerb des jeweiligen Zahlungsmittels voraus. Daher sollten Investoren auch auf die Risiken achten, indem sie beispielsweise einen Multi-Asset Fonds auswählen, der auch das Währungsrisiko aktiv managt.
In den vergangenen Jahren wertete der Brasilianische Real in Relation zum US-Dollar deutlich ab. Erst mit einer Serie an Zinserhöhungen und einem Stützungsprogramm für die Landeswährung konnte die Brasilianische Zentralbank die Lage am Währungsmarkt beruhigen. Wer von den mit satten 12,3 Prozent rentierenden, auf Brasilianische Reals lautenden Anleihen profitieren will, muss sich jedoch der Risiken bewusst sein. Eine konservativere Alternative stellen in US-Dollar denominierte Papiere dar - sie werfen aber deutlich weniger Rendite ab.
Angesichts der vielfältigen Probleme des Gastgebers der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 kommt diese Diskrepanz nicht von ungefähr. Beispielsweise hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 2,3 Prozent. Wir sehen in diesem Jahr bei der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas jedoch nur noch ein Plus von 1,5 Prozent.
Gleichwohl bieten sich am brasilianischen Aktienmarkt interessante Möglichkeiten. Beispiel Banco do Brasil: Nach starken Kursrückschlägen sind die Anteile des führenden brasilianischen Finanzunternehmens aktuell zum Buchwert zu haben. Außerdem ist die Bank mit einer Eigenkapitalrendite von knapp 24 Prozent sehr profitabel und schüttet fast 9 Prozent Dividende an die Anteilseigner aus.
Auf unserer Suche nach Plätzen, welche die Mehrheit der Investoren noch nicht für sich entdeckt hat, sind wir schon vor einiger Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fündig geworden. Mit Erfolg: In den ersten fünf Monaten legte der Dubai Financial Market General Index um knapp 40 Prozent zu, auch wenn der Markt im letzten Monat etwas gedreht hat. Die VAE haben in den vergangenen Jahren ein starkes und relativ beständiges Wachstum verzeichnet. Parallel dazu nahm die Zahl der Touristen zu.
Groteskerweise wirkte sich die mit dem Arabischen Frühling einhergehende Instabilität im Mittleren Osten dabei positiv aus. Seitdem verlagern sich sowohl Touristen- als auch Kapitalströme zunehmend nach Dubai. Dort ansässige Unternehmen profitieren vom Aufschwung und den liberalen Wirtschaftsbedingungen. Daher haben wir uns frühzeitig in den Sektoren Banken, Immobilien und Luftfahrt positioniert. Investments, die nur möglich waren, weil wir nicht an eine Benchmark wie den MSCI Emerging Markets Index gekoppelt sind. Denn bis vor kurzem war dieses Land nicht Teil des Index.
Auch das ehemals am stärksten boomende Schwellenland Indonesien kehrte nach einer Korrekturphase wieder auf den Radar der Anleger zurück. Hier ist es der Zentralbank gelungen, für Stabilität zu sorgen. Zwar führten die Wahlen im April zu einem stark fragmentierten Parlament. Trotzdem herrscht vorsichtiger Optimismus, dass der Anführer der Demokratischen Partei, Joko Widodo, in einer neuen Regierung der Wirtschaft durch einen klaren Reformkurs unter die Arme greifen kann. Voraussetzung ist, dass er bei der am 9. Juli anstehenden Präsidentschaftswahl das Rennen macht. Obwohl Indonesien wirtschaftlich gesehen mit seinem langfristig nach wie vor hohen Wachstumspotenzial eine der besseren Emerging Market-Stories darstellt. Hier sind qualitative hochwertige Staatsanleihen mit einer soliden Rendite interessant.
Afrika verspricht nicht nur Reise-Exotik, sondern bietet attraktive Möglichkeiten, um am gegenwärtigen Wachstum selektiv teilzuhaben. Wir sehen Chancen unter anderem auf dem südafrikanischen Aktienmarkt. Hinzu kommen Anleihen von Ländern, die zwar keine aktiven Aktienmärkte besitzen, dafür aber im Rentenbereich Investmentchancen bieten. Hervorzuheben sind Ruanda mit einer sich positiv entwickelnden Verwaltungsstruktur und das über riesige Gasreserven verfügende Mosambik. Auch die Elfenbeinküste hat Potenzial: Nach Jahren der Kriegswirren setzt das westafrikanische Land auf einen Neubeginn. 10 Prozent Wachstum pro Jahr, hohe Investitionen in Bau, Infrastruktur und Wirtschaftsentwicklung sowie eine unternehmerisch geprägte Bevölkerung sind gute Gründe, um mittels Anleihen in diese kleine aber aussichtsreiche Wachstums-Story zu investieren - ein weiterer Platz, den die Touristen- und Investorenmasse noch nicht für sich entdeckt haben." (23.06.2014/alc/a/a)
Einige Anleger würden sich bei ihren Emerging Markets-Investments ähnlich verhalten: Der Großteil des Kapitals fließe in bekannte Länder und Unternehmen. Dabei fänden sich gerade in der zweiten Reihe attraktive Chancen. Morgan Harting, Manager des Emerging Markets Multi-Asset Portfolios bei AB (AllianceBernstein) in New York, erkläre, wie er durch gezieltes Stock-Picking auch Chancen abseits der ausgetretenen Pfade wahrnehme und gleichzeitig das Risiko durch die Beimischung von lokalen Anleihen auf einem vernünftigen Niveau halte.
"Fasten your Seatbelts - dieser aus dem Flugverkehr bekannte Hinweis lässt sich getrost auf Investments in den Emerging Markets übertragen. In diesen Ländern müssen Anleger mit besonders heftigen Kursschwankungen zurechtkommen. Die Volatilität fällt bis zu 50 Prozent höher aus als an den Börsen der Industrieländer. Zudem sind die Kapitalmärkte häufig noch vergleichsweise ineffizient und stark von Emotionen getrieben. All dies tut der Tatsache keinen Abbruch, dass die Schwellenländer besonders große Chancen bieten. Während manche Regionen die Folgen der Finanzkrise bereits verdaut haben, befinden sich andere noch im Tal der Tränen. Zweitgenannte sind gerade für langfristig orientierte Anleger interessant. Am Boden liegende Aktienkurse zeigen oft genau dann kräftige Lebenszeichen, sobald sich eine fundamentale Trendwende abzeichnet. Genau hier können Investoren sich selektiv in Aktien mit einem hohen Renditepotenzial engagieren.
Durch die starke Konzentration in den Emerging Markets führen viele kleinere Titel ein Schattendasein, rund die Hälfte der Marktkapitalisierung der Emerging Markets geht auf lediglich 20 Unternehmen zurück. Am Smartphone lässt sich diese These anschaulich verdeutlichen. Dieser Boom wird in erster Linie über die Branchenriesen Apple oder Samsung abgegriffen. Für das weitere Wachstum des Marktes dürfte jedoch das äußere Design der Geräte eine sehr wichtige Rolle spielen. So gibt es in Asien einige Firmen, beispielsweise die taiwanesische Catcher Technology, die sich auf die Produktion von Smartphone-Gehäusen spezialisiert haben. Dieses Geschäftsfeld erfordert viel Ingenieurleistung und hohe Präzision. Obwohl diese Unternehmen erstaunlich tiefe Aktienkurse gepaart mit hohen Ergebnismargen zeigen, stoßen sie an der Börse auf wenig Aufmerksamkeit. Für viele Investoren sind sie schlicht zu klein oder ihnen einfach nicht bekannt.
Gerade bei solchen Small Caps kommen auch die speziellen Risiken der Schwellenländer zum Ausdruck. Anleger können sich dagegen wappnen, indem sie ihrem Portfolio lokale Rentenpapiere beimischen. So können sie vom Potenzial der Aktienmärkte profitieren, verfügen aber gleichzeitig über eine Art Sicherheitsnetz in Form ertragsstarker und relativ schwankungsarmer Anleihen. Unabhängig davon müssen sich Investoren der in den Emerging Markets vorliegenden Währungsrisiken bewusst sein. So wie der Tourist im Vorfeld einer Urlaubsreise Geld umtauschen muss, setzt auch der Kauf von Schwellenländer-Wertpapieren den Erwerb des jeweiligen Zahlungsmittels voraus. Daher sollten Investoren auch auf die Risiken achten, indem sie beispielsweise einen Multi-Asset Fonds auswählen, der auch das Währungsrisiko aktiv managt.
Angesichts der vielfältigen Probleme des Gastgebers der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 kommt diese Diskrepanz nicht von ungefähr. Beispielsweise hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 2,3 Prozent. Wir sehen in diesem Jahr bei der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas jedoch nur noch ein Plus von 1,5 Prozent.
Gleichwohl bieten sich am brasilianischen Aktienmarkt interessante Möglichkeiten. Beispiel Banco do Brasil: Nach starken Kursrückschlägen sind die Anteile des führenden brasilianischen Finanzunternehmens aktuell zum Buchwert zu haben. Außerdem ist die Bank mit einer Eigenkapitalrendite von knapp 24 Prozent sehr profitabel und schüttet fast 9 Prozent Dividende an die Anteilseigner aus.
Auf unserer Suche nach Plätzen, welche die Mehrheit der Investoren noch nicht für sich entdeckt hat, sind wir schon vor einiger Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) fündig geworden. Mit Erfolg: In den ersten fünf Monaten legte der Dubai Financial Market General Index um knapp 40 Prozent zu, auch wenn der Markt im letzten Monat etwas gedreht hat. Die VAE haben in den vergangenen Jahren ein starkes und relativ beständiges Wachstum verzeichnet. Parallel dazu nahm die Zahl der Touristen zu.
Groteskerweise wirkte sich die mit dem Arabischen Frühling einhergehende Instabilität im Mittleren Osten dabei positiv aus. Seitdem verlagern sich sowohl Touristen- als auch Kapitalströme zunehmend nach Dubai. Dort ansässige Unternehmen profitieren vom Aufschwung und den liberalen Wirtschaftsbedingungen. Daher haben wir uns frühzeitig in den Sektoren Banken, Immobilien und Luftfahrt positioniert. Investments, die nur möglich waren, weil wir nicht an eine Benchmark wie den MSCI Emerging Markets Index gekoppelt sind. Denn bis vor kurzem war dieses Land nicht Teil des Index.
Auch das ehemals am stärksten boomende Schwellenland Indonesien kehrte nach einer Korrekturphase wieder auf den Radar der Anleger zurück. Hier ist es der Zentralbank gelungen, für Stabilität zu sorgen. Zwar führten die Wahlen im April zu einem stark fragmentierten Parlament. Trotzdem herrscht vorsichtiger Optimismus, dass der Anführer der Demokratischen Partei, Joko Widodo, in einer neuen Regierung der Wirtschaft durch einen klaren Reformkurs unter die Arme greifen kann. Voraussetzung ist, dass er bei der am 9. Juli anstehenden Präsidentschaftswahl das Rennen macht. Obwohl Indonesien wirtschaftlich gesehen mit seinem langfristig nach wie vor hohen Wachstumspotenzial eine der besseren Emerging Market-Stories darstellt. Hier sind qualitative hochwertige Staatsanleihen mit einer soliden Rendite interessant.
Afrika verspricht nicht nur Reise-Exotik, sondern bietet attraktive Möglichkeiten, um am gegenwärtigen Wachstum selektiv teilzuhaben. Wir sehen Chancen unter anderem auf dem südafrikanischen Aktienmarkt. Hinzu kommen Anleihen von Ländern, die zwar keine aktiven Aktienmärkte besitzen, dafür aber im Rentenbereich Investmentchancen bieten. Hervorzuheben sind Ruanda mit einer sich positiv entwickelnden Verwaltungsstruktur und das über riesige Gasreserven verfügende Mosambik. Auch die Elfenbeinküste hat Potenzial: Nach Jahren der Kriegswirren setzt das westafrikanische Land auf einen Neubeginn. 10 Prozent Wachstum pro Jahr, hohe Investitionen in Bau, Infrastruktur und Wirtschaftsentwicklung sowie eine unternehmerisch geprägte Bevölkerung sind gute Gründe, um mittels Anleihen in diese kleine aber aussichtsreiche Wachstums-Story zu investieren - ein weiterer Platz, den die Touristen- und Investorenmasse noch nicht für sich entdeckt haben." (23.06.2014/alc/a/a)


