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Anleihemärkte entwickeln sich nicht synchron


29.04.14 13:29
Robeco Deutschland

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach einer aktuellen Analyse von Robeco laufen die Anleihemärkte der unterschiedlichen Segmente und Weltregionen nicht synchron, so die Experten von Robeco Deutschland.

Die USA seien demnach in die Phase der wirtschaftlichen Expansion eingetreten, was die dortigen Unternehmen mit immer größeren Kredithebeln arbeiten lasse. Europäische Firmen würden dagegen vergleichsweise konservativ agieren, da der Kontinent das Rezessionstal erst kürzlich verlassen habe. Die Schwellenländer wiederum würden sich mit härteren Kreditbedingungen und gleichzeitig mit einem schwächeren Wachstum konfrontiert sehen.

Robeco sehe die Anleihen der Emerging Markets in einem Bärenmarkt, während qualitativ hochwertige Zinspapiere mit Investmentgrade-Rating den Zenit des aktuellen Bullenmarktes noch nicht erreicht hätten. Sander Bus warne Renteninvestoren allerdings davor, aus den unterschiedlichen Stadien der Weltregionen im Konjunktur- beziehungsweise Kreditzyklus falsche Schlussfolgerungen zu ziehen. "Zum einen werden sich die europäischen Anleihemärkte nicht von der Entwicklung in Nordamerika lösen können. Zum anderen dürfte die derzeitige Abkopplung der entwickelten Märkte von den Schwellenländern wahrscheinlich nicht von Dauer sein", so der Rentenexperte.

Robeco identifiziere derzeit mehrere Gefahrenherde für Anleiheinvestoren. "In den USA könnte die Notenbank FED feststellen, dass sie ihre Leitzinsen wegen der robusten Wirtschaft früher anheben muss als avisiert", erwarte Sander Bus. Für die Rentenmärkte, die bisher stark von monetären Stimuli profitiert hätten, wäre dies kein positives Szenario. In Europa sorge sich Robeco um die möglicherweise bald rückläufigen Verbraucherpreise. "Eine Deflation gefährdet die Fähigkeit der zumeist hoch verschuldeten Staaten, ihre Schulden zu bedienen", so der Leiter des Credit-Teams von Robeco weiter.

Ein substanzielles Risiko für die europäische Konjunktur sehe Robeco in einer Fortsetzung des Abschwungs in den Schwellenländern. Dort drehe sich nach Ansicht von Sander Bus eine Abwärtsspirale: "Die Kapitalzuflüsse in die aufstrebenden Nationen haben sich umgekehrt." Um einen Kollaps ihrer Währungen zu vermeiden, hätten verschiedene Zentralbanken höhere Leitzinsen ankündigen müssen. "Dies hilft zwar bei der Stabilisierung der Wechselkurse, dämpft aber auch die Kreditvergabe und damit das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts."

In China halte Robeco zudem die hohe Verschuldung der Privathaushalte für problematisch. Für die Bondexperten würden mögliche Ansteckungseffekte durch die Schwellenländer den Ausschlag geben, weshalb die isoliert betrachtet neutralen bis leicht positiven Fundamentaldaten für die entwickelten Märkte jetzt insgesamt mit "negativ" zu werten seien.

Robeco habe lange Zeit für eine Übergewichtung des europäischen High-Yield-Segments plädiert. "Diese Sicht hat sich geändert", hebe Sander Bus hervor. Europa hinke den USA im Konjunkturzyklus zwar hinterher. "Die stärkere Abhängigkeit der europäischen Unternehmen von den Emerging Markets kompensiert diesen Vorteil jedoch."

Robeco halte Hochzinsanleihen vor allem aufgrund ihrer Bewertungen nicht mehr uneingeschränkt für eine Kaufempfehlung. Die Risikoaufschläge für diese Zinspapiere befänden sich inzwischen nahe ihren langjährigen Tiefständen. Darüber hinaus würden europäische High Yields auch nicht mehr über eine günstigere Bewertung als ihre US-Pendants verfügen.

"Investmentgrade-Anleihen bewegen sich hinsichtlich ihrer Spreads hingegen näher an ihrem historischen Durchschnitt", erläutere Sander Bus. Zinspapiere von Finanzunternehmen mit entsprechend guter Bonitätseinstufung würden sogar weiterhin mit Abschlägen gehandelt. Robeco zufolge seien Bankentitel unter Value-Gesichtspunkten interessant, da die Finanzunternehmen ihre Risiken weiter abbauen würden. In regionaler Hinsicht hätten die Robeco-Manager unterdessen ihr Übergewicht in Europa reduziert. "In früheren Bärenmärkten hat sich Europa schlechter entwickelt als die USA. Außerdem sind die zusätzlichen Bewertungsvorteile von Peripherieanleihen beinahe verschwunden", so die Begründung. (Ausgabe vom 28.04.2014) (29.04.2014/alc/a/a)