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Anleihemärkte vor Konsolidierung nach deutlichem Renditeanstieg


06.09.13 14:18
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Anzeichen für eine Rückkehr der Wachstumskräfte in Deutschland und der Euro-Zone mehren sich, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Der ZEW-Konjunkturindex für Deutschland sei im August um 5,7 Punkte auf nunmehr 42 Zähler gestiegen. Damit liege der Index deutlich über seinem langfristigen Mittelwert von 23,7 Punkten und markiere den besten Wert seit den Turbulenzen um die Zypern-Rettung im März. Deutlich verbessert hätten sich auch die Konjunkturerwartungen der vom ZEW befragten Börsenprofis für die Euro-Zone.

Nachdem die Wirtschaft im Euro-Raum sechs Quartale in Folge geschrumpft sei, deute sich nun ein Ende der hartnäckigen Rezession an. Bis sich die Konjunkturerholung auch in der Arbeitslosenstatistik der Krisenländer positiv bemerkbar mache, werde allerdings noch einige Zeit vergehen, zumal der dortige Aufschwung eher schleppend, denn dynamisch verlaufe.

Die deutsche Wirtschaft sei weiter auf Expansionskurs. Das zweite Quartal 2013 sei mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7% gegenüber dem Vorquartal stärker ausgefallen als erwartet. Dieser Zuwachs sei insbesondere durch Nachholeffekte im Bausektor und saisonale Effekte im Kfz-Handel realisiert worden. Die Quartalsbetrachtung mache deutlich, dass die Nettoexporte wieder zugelegt hätten. So seien die Exporte in die für Deutschland wichtigen Schwellenländer wie China wieder gestiegen.

Auch die USA hätten mehr deutsche Waren eingekauft. Das Auslaufen der Rezession in der Eurozone sollte im zweiten Halbjahr den deutschen Exporteuren nutzen, sodass der Außenbeitrag wachsen sollte. Positiv würden sich die privaten Konsumausgaben entwickeln, da die Beschäftigung bis zuletzt gestiegen sei und die Tariflöhne für die Gesamtwirtschaft um ca. 2,5% zulegen sollten.

Bei einer Inflationsrate von 1,5% für 2013 würden sich damit die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erhöhen, die zudem ihre Sparquote nochmals verringern würden. Die privaten Konsumausgaben dürften 2013 um gut 1% zulegen. Auch die öffentlichen Konsumausgaben würden in dieser Größenordnung erneut stärker als das Bruttoinlandsprodukt zunehmen. Zudem würden die jüngsten Frühindikatoren eine Verbesserung der Konjunktur in der Industrie zeigen.

Seit Mitte 2011 sei die Euro-Schuldenkrise für die Unternehmen zu einem Unsicherheitsfaktor geworden, was sich in sinkenden Investitionen für Ausrüstungen bemerkbar gemacht habe. Die Angst vor einem Scheitern der Währungsunion habe in den letzten Monaten jedoch deutlich abgenommen. Sehr positiv entwickle sich der Wohnungsbau. Die jahrelang zu niedrige Bautätigkeit habe zu einem enormen Nachholbedarf geführt, der jetzt bei den trotz des jüngsten Renditeanstiegs weiterhin sehr niedrigen Hypothekenzinsen und steigenden Einkommen aufgeholt werde.

Die Konjunkturdaten aus den USA hätten im August keine klare Tendenz angezeigt. Auf der einen Seite habe der Bericht vom Arbeitsmarkt mit einem Zuwachs von 162.000 Stellen enttäuscht.

Die Arbeitslosenquote sei zwar auf 7,4% zurückgegangen, was in erster Linie aber auf den Rückzug derer zurückgeführt werden könne, die ihre Jobsuche aufgegeben hätten und damit nicht mehr in der Statistik erfasst würden. Auch der Auftragseingang für langlebige Güter habe im letzten Monat die bereits niedrigen Erwartungen enttäuscht, ein Rückgang des Auftragseingangs um mehr als 7% deute für die nächsten Monate keine klare wirtschaftliche Entwicklung an.

Auf der anderen Seite zeichne der ISM-Einkaufsmanagerindex momentan ein positiveres Bild, ein deutlicher Anstieg auf 55,4 Punkte deute eine anziehende Konjunktur an. Auch die Handelsbilanz der USA habe sich deutlich aufhellen können. So habe sich im Juni das Handelsbilanzdefizit auf den niedrigsten Stand seit 2009 verbessert. Die Verringerung sei sowohl durch einen Anstieg der Exporte als auch durch einen Rückgang der Importe ausgelöst worden.

Die verbesserte Handelsbilanz sei einer der Hauptgründe für die Aufwärtsrevision des Wirtschaftswachstums für das 2. Quartal gewesen. Auch vom Immobilienmarkt habe es keine eindeutigen Signale gegeben, einem Anstieg bei den Verkäufen bestehender Häuser habe ein starker Rückgang der Verkaufszahlen für Neubauten gegenüber gestanden. Insgesamt würden die Konjunkturdaten keine neuen Hinweise auf das zukünftige Vorgehen der FED geben.

Im August sei die Rendite 10-jähriger US-Bonds von 2,58% auf 2,78% angestiegen. Auch in Deutschland habe sich der Trend hin zu höheren Renditen verstetigt. Die Attraktivität 10-jähriger deutscher Staatsanleihen sei gestiegen. Deren Rendite sei binnen Monatsfrist von 1,67% auf 1,86% gestiegen. Die Zinskurven diesseits und jenseits des Atlantiks hätten sich abermals versteuert.

Seit Mai dieses Jahres habe die Bund-Rendite somit um mehr als 60, die ihrer US-amerikanischen Pendants gar um 100 Basispunkte zugelegt. Nach dieser dynamischen Aufwärtsbewegung sei eine Konsolidierung an den Anleihemärkten wahrscheinlich. Unsicherheiten in Bezug auf den Syrien-Konflikt sollten die Attraktivität qualitativ exzellenter Staatsanleihen ebenfalls begünstigen, wodurch eine Unterstützung für Bunds und Treasuries gegeben sei. (Ausgabe September 2013) (06.09.2013/alc/a/a)