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Anleger überschätzen das globale Rezessionsrisiko
24.09.19 14:00
Unigestion
Genf (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen haben die Zentralbanker angesichts des lauen globalen Wachstums und des fehlenden Inflationsdrucks ihre Geldpolitik weiter gelockert, so Olivier Marciot, Senior-Portfoliomanager im Cross-Asset-Team beim schweizerischen Vermögensverwalter Unigestion.
Die EZB habe ihren Einlagenzinssatz um zehn Basispunkte gesenkt und ihr Wertpapierkaufprogramm "so lange wie nötig" wieder aufgenommen, während die FED ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt habe. Die Maßnahmen hätten weitgehend den Erwartungen der Anleger entsprochen und die Marktreaktion sei relativ verhalten gewesen. In welche Richtung würden uns die Märkte in Zukunft lenken, nun, da sich die Zinssenkungen im Rückspiegel befinden würden?
Die Experten hätten bereits Bedenken über die Eurozone geäußert, wobei sowohl Peripherieländer wie Italien als auch Kernländer wie Deutschland sich einer Rezession nähern würden. Angesichts des geringen Inflationsdrucks habe die EZB ein aggressives Stimulus-Programm vorlegen müssen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Neben der Senkung des Einlagensatzes um zehn Basispunkte und der Wiederaufnahme der Wertpapier-Käufe, habe die EZB auch beschlossen, die Laufzeit der LTRO zu verlängern und ein zweistufiges System für Rücklagen einzuführen. Ziel dieser Maßnahmen sei es, die lockeren Kreditbedingungen in Europa aufrechtzuerhalten.
Die Forward Guidance der EZB, der Wirtschaft "so lange wie nötig" zu helfen, sei ein starkes Engagement der Zentralbank. Dies sei wichtig, da die Kreditvergabe laut der Bankenumfrage (BLS) der EZB für das zweite Quartal 2019 Anzeichen einer allgemeinen Straffung gezeigt habe. Gleichzeitig weise die BLS-Umfrage auf eine erhöhte Kreditnachfrage sowohl von Unternehmen als auch von privaten Haushalten hin. Der Anstieg der Kreditnachfrage sei hauptsächlich auf das niedrige Zinsniveau zurückzuführen gewesen.
Die FED stehe vor anderen Herausforderungen: Die US-Wirtschaft wachse weiterhin mäßig, wenn auch langsamer als Anfang 2019. Die durch die Handelsspannungen und die globale Wachstumsverlangsamung verursachte Unsicherheit habe die Risiken jedoch in eine negative Richtung verlagert. Die FED habe ihre Haltung einer zyklischen Anpassung fortgesetzt, und ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. In ihrer Medianprojektion rechne sie in diesem Jahr mit einer weiteren Senkung, obwohl dies sicherlich von der Entwicklung der Wirtschaft in den nächsten Monaten abhängen werde.
Wichtig sei, dass die Inflationsprognosen unverändert geblieben seien, während das Wachstum für 2019 (2,2% von 2,1%) und 2020 (1,9% von 1,8%) angehoben worden sei. Derzeit müsste die FED wahrscheinlich eine deutliche Verschlechterung der US-Wirtschaft feststellen, um die Zinsen weiter zu senken. Sowohl für die FED als auch für die EZB bestehe zwischen ihren Mitgliedern weniger Konsens: Die Aussichten für die heutige Geldpolitik würden daher unsicherer.
Anleger würden derzeit das globale Rezessionsrisiko überschätzen und seien daher übermäßig defensiv positioniert. Vor diesem Hintergrund seien Staatsanleihen trotz zuletzt steigender Zinssätze weiter teuer und ein klares Bewertungsrisiko. Unternehmensanleihen (sowohl Investment Grade als auch High Yield) seien hingegen preiswert und begründeten zum Teil die Übergewichtung von Credits bei Unigestion. Interessanterweise seien Aktien weitgehend neutral, unabhängig von den verwendeten Bewertungskennzahlen wie Kurs/Gewinn-Verhältnis oder Kurs/Buch-Verhältnis. Dies gelte nach Einschätzung von Marciot vor allem in den Schwellenländern. (24.09.2019/alc/a/a)
Die EZB habe ihren Einlagenzinssatz um zehn Basispunkte gesenkt und ihr Wertpapierkaufprogramm "so lange wie nötig" wieder aufgenommen, während die FED ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt habe. Die Maßnahmen hätten weitgehend den Erwartungen der Anleger entsprochen und die Marktreaktion sei relativ verhalten gewesen. In welche Richtung würden uns die Märkte in Zukunft lenken, nun, da sich die Zinssenkungen im Rückspiegel befinden würden?
Die Experten hätten bereits Bedenken über die Eurozone geäußert, wobei sowohl Peripherieländer wie Italien als auch Kernländer wie Deutschland sich einer Rezession nähern würden. Angesichts des geringen Inflationsdrucks habe die EZB ein aggressives Stimulus-Programm vorlegen müssen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Neben der Senkung des Einlagensatzes um zehn Basispunkte und der Wiederaufnahme der Wertpapier-Käufe, habe die EZB auch beschlossen, die Laufzeit der LTRO zu verlängern und ein zweistufiges System für Rücklagen einzuführen. Ziel dieser Maßnahmen sei es, die lockeren Kreditbedingungen in Europa aufrechtzuerhalten.
Die FED stehe vor anderen Herausforderungen: Die US-Wirtschaft wachse weiterhin mäßig, wenn auch langsamer als Anfang 2019. Die durch die Handelsspannungen und die globale Wachstumsverlangsamung verursachte Unsicherheit habe die Risiken jedoch in eine negative Richtung verlagert. Die FED habe ihre Haltung einer zyklischen Anpassung fortgesetzt, und ihren Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt. In ihrer Medianprojektion rechne sie in diesem Jahr mit einer weiteren Senkung, obwohl dies sicherlich von der Entwicklung der Wirtschaft in den nächsten Monaten abhängen werde.
Wichtig sei, dass die Inflationsprognosen unverändert geblieben seien, während das Wachstum für 2019 (2,2% von 2,1%) und 2020 (1,9% von 1,8%) angehoben worden sei. Derzeit müsste die FED wahrscheinlich eine deutliche Verschlechterung der US-Wirtschaft feststellen, um die Zinsen weiter zu senken. Sowohl für die FED als auch für die EZB bestehe zwischen ihren Mitgliedern weniger Konsens: Die Aussichten für die heutige Geldpolitik würden daher unsicherer.
Anleger würden derzeit das globale Rezessionsrisiko überschätzen und seien daher übermäßig defensiv positioniert. Vor diesem Hintergrund seien Staatsanleihen trotz zuletzt steigender Zinssätze weiter teuer und ein klares Bewertungsrisiko. Unternehmensanleihen (sowohl Investment Grade als auch High Yield) seien hingegen preiswert und begründeten zum Teil die Übergewichtung von Credits bei Unigestion. Interessanterweise seien Aktien weitgehend neutral, unabhängig von den verwendeten Bewertungskennzahlen wie Kurs/Gewinn-Verhältnis oder Kurs/Buch-Verhältnis. Dies gelte nach Einschätzung von Marciot vor allem in den Schwellenländern. (24.09.2019/alc/a/a)


