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Anlageprofi: Wird die Zinswende zur Zinsfalle?


06.07.18 12:12
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Im Anleihemarkt lauern massive Risiken, so die Experten von "FONDS professionell".

Bond-Anleger könnten bald Probleme bekommen, warne Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter bei I.C.M. Independent Capital Management - und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht. Sollte die US-Notenbank FED weitere Zinsschritte vornehmen, könnte es im Bereich der Hochzinsanleihen in US-Dollar erste Zahlungsausfälle geben. Viele Schrottanleihen seien nur deshalb noch am Markt, weil sich ihre Emittenten dank der extrem niedrigen Zinsen refinanzieren könnten.

Das zweite Problem: Sollte die Wirtschaft nicht mehr so dynamisch wachsen wie bisher, könnten viele Bonds ein schlechteres Rating bekommen und in der Folge aus der Investment-Grade-Kategorie herausfallen. "Die dritte Dynamitstange sind Unternehmen, die diese Anleihekäufe mit einem noch niedrigeren Kreditzins finanziert haben, um damit einen Cashflow zu erzielen", sage Ehlhardt.

Eine Schieflage bei Unternehmensanleihen könnte sich als Risiko für den Gesamtmarkt erweisen. Grund: Die Bestände an Unternehmensanleihen seien in den vergangenen Jahren auf rund 2 Billionen Dollar gestiegen. "Das imminente Risiko dabei ist, dass etwa die Hälfte aller Investment-Grade-Anleihen nur ein BB-Rating haben", erkläre der Vermögensverwalter. Die Papiere seien von Hedgefonds, Pensionsfonds und Stiftungen gekauft worden, aber auch von Dachfonds, Geldmarkt- und Mischfonds sowie ETFs.

Falls die steigenden Zinsen zu Zahlungsausfällen führen würden oder eine Wirtschaftsschwäche Bonitätsherabstufungen nach sich ziehe, müssten Fonds und ETFs verkaufen - in einem Umfeld, in dem wohl fast alle verkaufen wollen würden. Käufer dürften entsprechend schwer zu finden sein. Dann platze die Illusion von Liquidität, warne Ehlhardt. Wenn dann auch noch die Kreditgeber in Schwierigkeiten geraten würden, bekomme der gesamte Markt ein Problem. (06.07.2018/alc/a/a)