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Anhebung der US-Schuldenobergrenze setzt die Bankreserven unter Druck


30.05.23 14:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Ein Zahlungsausfall der USA ist unwahrscheinlich, so Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Eine Anhebung der Schuldenobergrenze würde allerdings auch dazu führen, dass die Reserven des Finanzministeriums bei der FED wieder aufgefüllt würden, was wiederum Druck auf die Bankreserven ausübe. Laut Melman dürften sich die kurzfristigen Spannungen auflösen und die Finanzmärkte einen Schub erhalten, sobald das Thema Schuldenobergrenze abgeschlossen sei.

Das wirtschaftliche Umfeld sei offenbar nach wie vor unsicher, da sich die Konjunktur und die Inflation sowohl in den USA als auch in Europa nur zögerlich abschwächen würden, während sich der Arbeitsmarkt und die Löhne weiter dynamisch entwickeln würden. Die erschwerten Kreditvergabebedingungen, der Rückgang der Kreditnachfrage, der in den FED- und EZB-Umfragen deutlich werde, sowie die deutsche ZEW-Umfrage, die den dritten Monat in Folge gesunken sei, würden allerdings wenig Zweifel daran lassen, dass sich die Konjunktur verlangsamen werde. Eine drohende Rezession, die in aller Munde sei, sich bislang aber hinauszögere, stehe somit weiter im Raum. In den USA scheine das Risiko einer Bankenkrise indessen eingedämmt, doch sei die Lage weiter fragil.

Während die Aktien von US-Regionalbanken ihren Abwärtstrend fortsetzen würden, würden die Banken zwar weiterhin einen leichten Abzug von Einlagen verzeichnen, der jedoch nicht dramatisch scheine. Ebenso würden CMBS (Commercial Mortgagebacked Securities) zwar eine Ausweitung der Spreads verzeichnen, da Gewerbeimmobilien als wesentlicher Risikofaktor identifiziert worden seien, doch scheinen sich die Schäden bislang in Grenzen zu halten.

Die Liquidität der Zentralbanken dürfte schrumpfen, da die US-Banken die Fazilitäten der FED nicht länger in Anspruch nehmen würden. Angesichts der sehr niedrigen Reserven, die das US-Finanzministerium bei der FED halte, dürften zudem die Bankreserven im Zuge der quantitativen Straffung wieder auf einen Abwärtspfad schwenken. Parallel dazu gehe auch die EZB in Europa auf eine Straffung über, während die Bank of Japan aufgrund der Stabilisierung der japanischen Anleihemärkte ihre Bilanz nicht länger ausweiten müsse, um ihre Politik der Zinskurvenkontrolle weiterzuführen.

Insgesamt würden die Experten zurzeit keinen Grund sehen, ihre eher vorsichtige Positionierung an den Aktienmärkten zu verändern. Sie würden den jüngsten Rendite-Anstieg nutzen, um die Gewichtung von Anleihen in ihren Portfolios zu erhöhen. Im Anleihesegment seien sie über alle Bonitätskategorien hinweg diversifiziert, würden jedoch Titel mit solider Qualität bevorzugen. Sie würden davon ausgehen, dass die Anleihemärkte davon profitieren würden, wenn sich eine Verlangsamung der US-Inflation bestätige.

Sollte dies nicht der Fall sein, diene die höhere Gewichtung als Schutz der Portfolios - sofern die Inflation nicht wieder steige, was die Analysten jedoch für unwahrscheinlich halten würden. Derweil würden sie die Outperformance-Potenziale chinesischer Aktien nutzen, die nach wie vor ein angeschlagenes Profil aufweisen würden, jedoch davon profitieren dürften, dass die Erholung weiter an Fahrt gewinne.

Letztlich habe die Regierung aufgrund der sozialen Probleme, die sich in einer sehr hohen Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen widerspiegeln würden, keine andere Wahl, als dafür zu sorgen, dass sich die Wirtschaft erhole. Den größten Risikofaktor würden die Experten weiterhin in den geopolitischen Entwicklungen sehen. Ihr Fokus liege nach wie vor auf den Themen Gesundheit und Humankapital sowie auf dem Bereich Big Data, der zu den Hauptprofiteuren der revolutionären Entwicklungen der künstlichen Intelligenz zähle. (30.05.2023/alc/a/a)