Air Berlin-Anleihe: Verleiht dem Depot Flügel


19.06.12 10:05
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Unternehmensanleihe (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) der Fluggesellschaft Air Berlin nach wie vor für ein interessantes Papier für den non-rated Corporate Bonds-Sektor.

Die Anleihe sei mit einem hohen Kupon von 11,50% ausgestattet, laufe noch bis zum 01.11.2014 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 EUR auf. Bei einem aktuellen Kurs von 99,95% biete die Anleihe eine jährliche Rendite von 12,34%.

Air Berlin sei gemessen am Passagieraufkommen die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Dabei versuche sich der Konzern durch die Kombination eines günstigen Preises mit einem perfekten Service von den Billiganbietern abzuheben. Durch diverse Zukäufe habe die Airline in den vergangenen Jahren ihre Geschäftstätigkeit deutlich ausgeweitet. Jedoch schreibe Air Berlin seit Jahren rote Zahlen und mache das Unternehmen damit grundsätzlich zu einem riskanten Emittenten. Das Eigenkapital habe per Ende 2011 bei 253,7 Mio. Euro und die Nettoverschuldung bei 813 Mio. Euro gelegen.

Die im Mai publizierten Q1'2012-Zahlen seien von einem Umsatz- und Ergebnisanstieg geprägt gewesen. Der Konzernumsatz von Air Berlin sei demnach im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,0% auf 812,9 Mio. Euro gestiegen. Das EBIT habe sich von -188,3 Mio. Euro auf -149,3 Mio. Euro verbessert und das Nettoergebnis sei mit -102,9 Mio. Euro oder -0,95 Euro je Aktie ausgewiesen worden, nach -120,6 Mio. Euro oder -1,42 Euro je Anteilsschein im Vorjahresquartal.

Mithilfe des Effizienzsteigerungsprogramms "Shape & Size" möchte die Air Berlin-Unternehmensführung im laufenden Geschäftsjahr eine operative Ergebnisverbesserung von mehr als 225 Mio. Euro erreichen. Zudem solle die Flotte um 10% verkleinert und in "ausgewählten nicht strategischen Märkten in Europe" die Kapazität dagegen vergrößert werden.

Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research ist Air Berlin relativ gut ins neue Geschäftsjahr gestartet. Obwohl der Ölpreis im Berichtszeitraum auf einem hohen Niveau gelegen habe, habe die Fluggesellschaft Verbesserungen auf der Ergebnisseite erzielen können. Dies sei vor allem auf die erfolgreiche Umsetzung des Effizienzsteigerungsprogramms "Shape & Size" zurückzuführen.

Jedoch habe Air Berlin auch für Mai einen Passagierrückgang hinnehmen müssen. Damit halte die rückläufige Entwicklung im laufenden Jahr an. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass Air Berlin im Zuge seines Effizienzsteigerungsprogramms bewusst die Anzahl der Routen und Flugzeuge reduziert habe, um zum einen die Kapazität zu steigern und zum anderen die Profitabilität zu erhöhen.

Neben dem Einstieg von Etihad, wodurch Air Berlin vorerst finanziell abgesichert ist, sehen die Analysten von Anleihencheck Research als weiteren wichtigen Meilenstein für das Unternehmen den Beitritt zum Luftfahrtbündnis Oneworld. Damit könne die Airline ihren Kunden nun auch die Verbindungen ihrer Partner anbieten. Im Zuge der umgesetzten Maßnahmen zur Kostenreduzierung und Verbesserung der Auslastung erscheine es durchaus möglich, dass der Konzern im Jahr 2013 wieder auf operativer Ebene schwarze Zahlen schreiben kann.

Doch wie auch die Zahlen des Branchenprimus, Deutsche Lufthansa gezeigt hätten, seien die Fluggesellschaften derzeit sehr schwierigen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Neben dem regulatorischen Umfeld würden den Airlines vor allem die hohen Kerosinpreise sowie die holprige Wirtschaftsentwicklung in Europa zu schaffen machen. Somit sähen die Analysten vorerst keinen Katalysator für deutlich steigende Kurse, auch wenn die Airline bei der Rückkehr in die schwarzen Zahlen erste Erfolge verbucht habe.

Auch wenn Air Berlin mit Etihad einen finanzstarken Partner gefunden habe, bleibe Air Berlin vorerst ein Schuldner mit schwacher Bonität. Und vor dem Hintergrund der anspruchsvollen Rahmenbedingungen ist die o.a. Anleihe von Air Berlin nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research nur für spekulativ orientierte Investoren interessant. Hier könnte sich aber Wagemut bezahlt machen, denn eine Insolvenz von Air Berlin werde vom Markt aktuell eher ausgeschlossen. (Analyse vom 19.06.2012) (19.06.2012/alc/a/a)


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