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Afrikanische Anleihemärkte: Investitionen in den wirtschaftlichen Wandel


28.09.21 09:45
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Aufgrund der günstigen demografischen Entwicklung, der raschen Verstädterung, der technologischen Innovation, des Reichtums an natürlichen Ressourcen und der sich entwickelnden Finanzmärkte ist Afrika bestens gerüstet, um in den nächsten Jahrzehnten andere Schwellenländer bei der wirtschaftlichen Entwicklung zu überflügeln, so die Experten von NN Investment Partners.

Die afrikanischen Anleihemärkte würden für internationale Investoren eine attraktive Möglichkeit darstellen, sich an der Transformation des Kontinents zu beteiligen. Insbesondere der entstehende Green-Bonds-Markt in Afrika biete Möglichkeiten zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung in der Region. NN Investment Partners (NN IP) habe Professor Ton Dietz, emeritierter Professor für afrikanische Entwicklung an der Universität Leiden und ehemaliger Direktor des Zentrums für Afrikastudien in Leiden (2010-2017), mit der Durchführung einer proprietären Studie zur Erforschung der wirtschaftlichen Möglichkeiten in Afrika beauftragt. Er habe drei zentrale Bereiche ausgemacht, die die wirtschaftliche Expansion vorantreiben würden.

Zunächst sei da der demografische Faktor in Afrika: Afrika werde weiteres Bevölkerungswachstum mit einer relativ jungen Bevölkerung verzeichnen. Damit bewege sich das Land nach und nach auf einen "Jugendüberschuss" zu, was Ökonomen als "demografische Dividende" bezeichnen würden.

Ein weiterer Aspekt sei die Urbanisierung. Nach aktuellen Prognosen werde die städtische Bevölkerung in Afrika zwischen 2020 und 2050 von 500 Millionen auf fast 1,4 Milliarden anwachsen. Diese Urbanisierung schaffe neue Möglichkeiten, was in den Randgebieten der großen Städte Afrikas bereits sichtbar sei: Das Umland wandele sich rasch von einer auf Selbstversorgung und Export ausgerichteten Landwirtschaft zu einem Anbieter von Lebensmitteln, Getränken, Energie, Wasser, Holz und vielen anderen Handelsgütern, um die wachsende Nachfrage in den Städten zu decken. Auch im Dienstleistungssektor, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Finanzen, finde ein signifikanter Wandel statt. Die wachsende Mittelschicht übe zudem Druck auf die Regierungen aus, ihre Ziele zu erreichen, unter anderem die Eindämmung von Korruption und Bürokratie.

Daraus ergebe sich auch das dritte Thema: Innovation. Die Kombination aus Jugend und Technologie biete zahlreiche Möglichkeiten für bahnbrechende Innovationen. Denn viele strebsame junge Menschen, die oft ein viel höheres Bildungsniveau hätten als ihre Eltern und Großeltern, hätten Zugang zu Smartphones und dem Internet, das auch für Finanzdienstleistungen genutzt werden könne.

Professor Ton Dietz erläutere: "Das Bevölkerungswachstum in Afrika setzt sich fort, und die junge Bevölkerung des Kontinents macht Afrikas Städte und Volkswirtschaften zu Zentren des Experimentierens und der Innovation. In wissenschaftlichen und politischen Kreisen wird immer häufiger über die Aussichten Afrikas diskutiert, andere Schwellenländer in den nächsten Jahrzehnten zu "überflügeln". Für Investoren bestehen vielfältige Möglichkeiten, ihre Portfolios um Afrika zu erweitern, und zwar insbesondere durch Investitionen in deren neue Green Bonds. Der Kontinent hat großes Potenzial, einer der weltweit führenden Innovatoren in diesem Bereich zu werden."

Der wachsende Markt für afrikanische Eurobonds ermögliche es Investoren, sich an dieser Wachstumsmöglichkeit zu beteiligen und gleichzeitig im Bereich der harten Währungen zu bleiben. Eurobonds würden oft als erster Schritt im Leben eines Investors gesehen, wobei Investments in Landeswährung entsprechend der Kapitalmarktentwicklung eines Landes erfolgen würden.

Die afrikanischen Eurobond-Märkte seien äußerst vielfältig. Im März 2021 hätten 20 afrikanische Länder Eurobonds mit einem Volumen von mehr als 110 Mrd. US-Dollar in Umlauf gehabt. Die größeren Volkswirtschaften wie Südafrika, Ägypten, Nigeria und Ghana seien in den letzten Jahren zu regelmäßigen Emittenten geworden und würden über komplette Eurobond-Kurven verfügen. Gabun, Äthiopien, Ruanda und Namibia würden nur gelegentlich emittieren. Die meisten Eurobonds würden auf US-Dollar lauten, obwohl auch einige auf Euro lautende Anleihen emittiert worden seien, insbesondere von Ländern mit engen Beziehungen zur Eurozone wie Marokko, Benin, Elfenbeinküste und Tunesien.

Diese Eurobonds würden sich zunehmender Beliebtheit bei internationalen Investoren erfreuen, die in dem seit zehn Jahren anhaltenden Niedrigzinsumfeld weiterhin nach Rendite und Portfoliodiversifizierung streben würden. Diese Umstände hätten ein günstiges Umfeld für Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen geschaffen, um auf den internationalen Finanzmärkten Darlehen in Fremdwährungen aufzunehmen und die Marktintegration voranzutreiben.

Marcin Adamczyk, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners, sage dazu: "Angesichts ihres relativen Entwicklungsrückstands sind die afrikanischen Regierungen auf ausländische Finanzquellen angewiesen, damit sie ihre Infrastrukturlücken schließen und ihr Wachstumspotenzial voll ausschöpfen können. Unserer Ansicht nach können Eurobonds eine der Finanzquellen sein, sofern sie Teil eines nachhaltigen und verantwortungsvollen öffentlichen Finanzmanagements sind. Eurobonds werden für Investoren ein wichtiges Instrument bleiben, um Exposure auf dem Kontinent aufzubauen."

Auf dem ganzen Kontinent gebe es Bestrebungen, die finanzielle Förderung einer nachhaltigen Entwicklung zu verstärken. Dadurch entstehe ein wachsender Markt für grüne Anleihen. Die Afrikanische Entwicklungsbank habe vor kurzem ihr Green-Bond-Programm gestartet, und auch einzelne Länder würden sich an diesem im Entstehen begriffenen Markt beteiligen. Kenia habe 2019 seinen ersten Green Bond in Landeswährung aufgelegt. Im Jahr 2020 sei Ägypten das erste Land gewesen, das auf US-Dollar lautende grüne Anleihen verkauft habe - sie seien fünffach überzeichnet gewesen. Zuletzt habe Benin im Juli 2021 erstmals auf Euro lautende SDG-Anleihen (Sustainable Development Goals) emittiert. Auch Ghana prüfe Optionen, um in diesem Jahr bis zu 1 Mrd. US-Dollar durch den Verkauf sozialer und grüner Anleihen zur Refinanzierung bestehender Schulden für Projekte in den Bereichen Bildung und Umwelt aufzunehmen.

Adamczyk weiter: "Die Corona-Krise hat die bereits bestehenden Schwachstellen in den Bilanzen und der Zahlungsfähigkeit vieler Länder verstärkt. Die Frontier-Märkte bildeten dabei keine Ausnahme. Im März letzten Jahres kletterten die Spreads für Eurobonds, die von afrikanischen Regierungen emittiert wurden, auf ein bedenkliches Niveau, was durch den Einbruch der Risikobereitschaft der Investoren und einen Mangel an Marktliquidität noch verstärkt wurde. Die raschen politischen Reaktionen sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer - und die beispiellose Unterstützung durch multilaterale Institutionen wie den IWF und die Weltbank - trugen jedoch zur Stabilisierung der Märkte bei. Seitdem haben die kräftige globale Erholung und der Anstieg der Rohstoffpreise die Frontier-Märkte stabilisiert. Die schleppenden Impffortschritte in vielen dieser Länder sind jedoch nach wie vor eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt.

Unserer Ansicht nach bleibt der afrikanische Bondmarkt kurz- und längerfristig eine attraktive Gelegenheit für aktive Schwellenländerinvestoren, die von vorteilhaften säkularen Entwicklungen gestützt wird. Der sich abzeichnende Trend zu grünen und sozialen Finanzierungsmöglichkeiten in Afrika ist ein interessantes Thema für Investoren, um damit die nachhaltige Entwicklung des Kontinents zu unterstützen." (28.09.2021/alc/a/a)