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2019 steht die FED im Fokus


10.01.19 11:45
Jupiter AM

London (www.anleihencheck.de) - Bis vor kurzem fürchtete Guy de Blonay, Fondsmanager des Jupiter Financial Innovation SICAV bei Jupiter Asset Management, dass es die US-Notenbank 2019 übertreiben und das globale Wachstum durch zu aggressive Zinserhöhungen abwürgen könnte.

Nach den jüngsten Äußerungen mehrerer FED-Vertreter halte Guy de Blonay das jetzt aber nicht mehr für wahrscheinlich. Unter Jerome Powell habe die FED bislang eine sehr US-zentrierte Geldpolitik verfolgt. Natürlich sollte die Zentralbank bei ihren Entscheidungen zuallererst das Wohl der US-Wirtschaft im Blick haben. Frühere FED-Vorsitzende wie Ben Bernanke und Janet Yellen hätten jedoch stets auch auf die globalen Auswirkungen ihres Handelns geachtet. Sie hätten abgewogen zwischen der Notwendigkeit von Zinserhöhungen und deren Folgen für das globale Wachstum sowie den entsprechenden potenziellen Rückwirkungen auf die US-Wirtschaft. Denn wenn die Weltwirtschaft langsamer wachse, bremse das auch das Wachstum in den USA.

Die US-Zinsen seien 2018 vier Mal erhöht worden, mit spürbaren Folgen. Die globalen Aktienmärkte seien auf Talfahrt gegangen, wobei die Schwellenländer am deutlichsten abgestraft worden seien. Es werde befürchtet, dass zu viele Unternehmen in der Region Schwierigkeiten haben würden, ihre auf US-Dollar laufenden Schulden zurückzuzahlen, wenn der US-Dollar steige. Bei der US-Notenbank scheine die jüngste Marktschwäche zu einem gewissen Umdenken geführt zu haben: So habe FED-Vize Richard Clarida unlängst eingeräumt, dass "die Weltwirtschaft ein Faktor sei, den die FED im Blick haben müsse." Und der Präsident des FED-Ablegers in Atlanta, Raphael Bostic, habe festgestellt, dass die FED "nicht sehr weit entfernt von einem neutralen Zinsniveau sei und neutral dort ist, wo wir sein wollen". Das sei als Andeutung verstanden worden, dass die FED bei ihren Zinserhöhungen bald eine Pause einlegen könnte. Auch der FED-Vorsitzende Jerome Powell selbst habe sich eingeschaltet. In einer Rede habe er vor kurzem erklärt, die Bank müsse "darüber nachdenken, wie viel weiter die Zinsen noch steigen sollten und wie schnell."

Nach diesen Äußerungen scheine zunehmend klar, dass die Notenbank den Druck, unter dem die globale Wirtschaft stehe, nicht ignorieren und ihre geplanten Zinsschritte reduzieren werde. Wahrscheinlich erscheinen jetzt, nach einer bereits erfolgten Zinserhöhung im Dezember, zwei weitere Zinsschritte im Jahr 2019, bevor die Bank pausiert, so die Experten von Jupiter Asset Management. Sollte die FED aber aus Sorge über den zunehmenden, vom engen US-Arbeitsmarkt ausgehenden Inflationsdruck doch an ihrer US-zentrierten Haltung festhalten, könnte das Szenario einer aggressiveren Zinsstraffung eintreten - mit entsprechend negativen Folgen für das globale Wachstum. (10.01.2019/alc/a/a)