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17.12.18 11:30
EZB: Knifflige Situation

Paris (www.anleihencheck.de) - Es ist eine knifflige Situation, in der sich die Europäische Zentralbank (EZB) befindet, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Schließlich habe Mario Draghi angekündigt, die Wertpapierkäufe am Jahresende auslaufen zu lassen und damit den Krisenmodus, in dem sich die Eurozone befinde, zu beenden. Zugleich aber schwäche sich gerade jetzt das konjunkturelle Umfeld ab. So würden die Forscher des ifo-Instituts in ihrem aktuelle Ausblick für 2019 feststellen, dass das ifo-Wirtschaftsklima, der Markit-Einkaufsmanagerindex und der Economic Sentiment Indicator der Europäischen Kommission den niedrigsten Stand seit Oktober 2016 erreicht hätten. Dazu kämen der anstehende Brexit, der Budgetstreit zwischen Italien und Brüssel sowie der Handelsstreit zwischen den USA und China, die das Wachstum in 2019 beeinträchtigen könnten.

Bis zu einem gewissen Grad hätten sich diese Risiken in der gestrigen EZB-Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid widergespiegelt. Zwar habe die EZB ihre Prognose für das Wachstum der Eurozone im kommenden Jahr nur leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent reduziert, jedoch habe Mario Draghi auch von einer allgemein gestiegenen Unsicherheit gesprochen. Zudem habe der Notenbankchef auch betont, dass das Geld aus fällig werdenden Staatsanleihen künftig reinvestiert werden solle - und das für längere Zeit auch über die erste Zinserhöhung hinaus und so lange wie nötig. Was heiße das für Anleger und Sparer? Letztere würden weiter mit extrem niedrigen Zinsen leben müssen, daran ändere sich nichts. Soweit es die Aktienmärkte betreffe, bleibe die Geldpolitik hingegen unterstützend, und das noch mindestens bis zum Herbst 2019, vermutlich aber noch weit darüber hinaus.

Die Frage sei nur, was mache die Konjunktur? Stürze sie stärker ab, als von der EZB erwartet, oder komme es zu einer Rezession, dann fehle es der Notenbank an Munition. Dann werde sich rächen, dass die EZB so lange mit dem Ende der Anleihekäufe und mit ersten Zinsschritten gewartet habe. Schließlich liege das Potenzialwachstum in der Eurozone bei 1,5%. Das habe man aber längst erreicht. Ein starker Konjunktureinbruch in 2019 wäre somit für Anleger eine sehr schlechte Nachricht, da die Notenbank dann kaum in der Lage wäre, gegenzusteuern und der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Die EZB müsse also hoffen, dass es genau dazu nicht komme. Insgesamt würden Aktien somit, solange sich die Konjunktur nicht stärker eintrübe, trotz der jüngsten Turbulenzen attraktiv bleiben. Investoren müssten die konjunkturelle Entwicklung aber genau im Auge behalten und sollten keine zu großen Risiken eingehen. (Ausgabe vom 14.12.2018) (17.12.2018/alc/a/a)


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