Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Markt für Euro-Staatsanleihen zeigte im dritten Quartal verschiedene Gesichter, so Martin Mayer, Senior Portfolio Manager Multi Asset, Christian Bettinger, Leiter Fixed Income und Robert Reichle, Leiter Emerging Markets Selection bei Berenberg.
Auf der einen Seite hätten die "sicheren Häfen" von anhaltenden Risiken profitiert, zu denen u.a. die Handelskonflikte mit den USA, die Brexit-Verhandlungen und die Ungewissheit über die künftige italienische Budgetpolitik zählen würden. In diesem Zusammenhang seien kerneuropäische Papiere gesucht geblieben, und die "Zinswende" bei Bundesanleihen habe erneut auf sich warten lassen. Dreimal habe die zehnjährige Bund-Rendite die Marke von 0,5% in Angriff genommen, sei jedoch ebenfalls zweimal auf weniger als 0,3% herabgedrückt worden. Andererseits hätten insbesondere italienische Staatspapiere unter der Furcht der Anleger vor fiskalischen Kapriolen der dortigen Regierung gelitten. Schwankungen zwischen rund 2,5% und 3,2% in der Zehn-Jahres-Rendite seien die Folge gewesen, womit zwischenzeitlich das höchste Niveau seit Mai 2014 erreicht worden sei. Ebenfalls steigende Renditen hätten britische Gilts verzeichnet. US-Treasuries hätten ihren charttechnischen Widerstand überwunden und zuletzt über 3,0% rentiert.
Seien die Analysten nun angesichts der genannten Unsicherheiten optimistischer für sichere Staatsanleihen hoher Bonitätsstufen geworden? Grundsätzlich laute die Antwort "nein", denn sobald ihren Einschätzungen gemäß die einzelnen Brandherde nach und nach gelöscht würden, dürfte die "Zinswende" an den Märkten wieder Fahrt aufnehmen. Als Diversifikator in einem Multi-Asset-Kontext allerdings würden sich US-Staatsanleihen eignen. Nicht nur seien sie in Phasen wirtschaftlicher oder politischer Turbulenzen gesucht, sondern sie würden im Gegensatz zu deutschen Bunds und britischen Gilts inzwischen wieder eine Verzinsung bieten, die hoch genug sei, um selbst ohne eintretende Risikoszenarien einen Schutz bei steigenden Renditen darzustellen.
Wenngleich die Gewinnentwicklungen der Unternehmen zufriedenstellend seien, die Ratingtrends stabil verlaufen würden und die Ausfallraten niedrig bleiben würden, würden die Analysten für das vierte Quartal eine volatile Entwicklung an den Kreditmärkten erwarten. Sie würden sich mit vergleichsweise hoher Kassequote defensiv positionieren, um bei Marktverwerfungen Opportunitäten nutzen zu können. Zudem würden die Analysten angesichts anhaltender Mittelabflüsse Emittenten aus dem BB-Bereich meiden, während sie Nachranganleihen von Versicherungen nach deutlicher Underperformance gegenüber Nachrängen von Banken selektiv beimischen würden.
Stark begonnen, schwach geendet - so könnte das dritte Quartal für Schwellenländeranleihen bis dato beschrieben werden. Während im Juli noch Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung genährt worden sei, habe eine Vielzahl von negativen Ereignissen im August dafür gesorgt, dass nun viele Schwellenländeranleihen auf oder nahe ihren Jahreshöchstständen rentieren würden. Aufkeimende Zweifel an der Solvabilität einzelner Schwergewichte, wie beispielsweise der Türkei und Argentiniens, seien durch stark ansteigende Leistungsbilanzdefizite und drastisch abwertende Währungen auf fruchtbaren Boden gefallen. Und so hätten sich Schwellenländer wieder einmal von ihrer volatilen Seite gezeigt.
Zwei Faktoren würden bei näherer Betrachtung allerdings hervorstechen. Zum ersten habe das Investmentgrade-Segment im Verlauf der vergangenen zwei Monate die risikoreicheren Hochzinspapiere klar outperformen können. Insbesondere seien dabei Länder aus dem Mittleren Osten, wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar, positiv aufgefallen, die sich phasenweise komplett der negativen Marktentwicklung hätten entziehen können. Der zweite Faktor finde sich in der Tatsache, dass sich die teils extrem negative Marktstimmung kaum in Kapitalabflüssen widergespiegelt habe. Während sich noch zum Ende des zweiten Quartals die negative Marktentwicklung in starken Kapitalabflüssen manifestiert habe, seien die Kapitalflüsse im Monat August nahezu stabil geblieben. Für das vierte Quartal sei abzuwarten, ob sich insbesondere die Währungskomponente der Schwellenländer beruhige. Dafür seien zum einen schnell greifende Wirtschaftsreformen und in schwerwiegenderen Fällen konstruktive Kooperationen mit dem IWF nötig. Zum anderen gelte es, das Risiko eines starken US-Dollars, gepaart mit eventuell wieder steigenden US-Renditen, nicht aus den Augen zu verlieren.
Strategisch würden die Analysten in Erwartung vorteilhafter wirtschaftspolitischer Entwicklungen, des Abebbens von Risiken und des Auslaufens der US-Dollar-Stärke Anleihen aus den Schwellenländern präferieren. Unternehmensanleihen dagegen dürften es angesichts des endenden Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank in der Breite ähnlich schwer haben wie sichere Staatspapiere, von denen einzig US-Treasuries bereits wieder interessantere Parameter aufweisen würden und sich darüber hinaus zur Absicherung gegen temporäre (geo-)politische Risiken eignen würden. (Ausgabe Q4/2018) (27.09.2018/alc/a/a)
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