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15.08.18 09:30
Erwartungen an die FED ungebrochen

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach einem dramatischen Wochenbeginn scheint sich die Aufregung um den massiven Wertverfall der Türkischen Lira gestern etwas gelegt zu haben, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Auch habe sich bei vielen Akteuren mittlerweile die Meinung durchgesetzt, dass die Gefahren einer Ansteckung der Türkei-Krise auf andere Emerging Markets anfangs wohl doch etwas überschätzt worden sei. Das sei insofern richtig, als die psychischen Reaktionsmuster der Marktteilnehmer unter dem Eindruck einer Panik immer die gleichen seien: Bei plötzlicher Unsicherheit würden nun einmal nicht nur Finanzmarktteilnehmer dazu neigen, sich an historischen Vergleichen zu orientieren. Im Fall der Lira-Krise sei dies eben die am schnellsten verfügbare Erinnerung an die Asienkrise im Jahr 1997 gewesen.

Bei Licht betrachtet sehe also alles nicht so dramatisch wie ursprünglich befürchtet aus. Indes: Dass sich die türkische Währung gestern nicht weiter im freien Fall abgeschwächt habe, sondern beim Sturz aufgehalten worden sei, dürfte vor allen Dingen markttechnischen Faktoren zuzuschreiben gewesen sein. Denn zum einen gebe es Akteure, die durch entsprechende Positionierung (in diesem Falle eine Spekulation gegen die Lira) irgendwann ihre Gewinne realisieren möchten. Und dann gebe es auf der anderen Seite die Schnäppchenjäger, die womöglich gestern für etwas Nachfrage gesorgt haben könnten. Aber nur kurzfristig. Denn genau genommen sei nicht viel passiert, was das Vertrauen internationaler Investoren schnell wiederherstellen könnte. Dies solle nun am morgigen Donnerstag geschehen, denn der türkische Finanzminister habe zu diesem Zweck eine Telefonkonferenz mit Investoren aus aller Welt einberufen, zu der man bis zu 1000 Teilnehmer erwarte. Was dort herauskommen werde, sei allerdings noch vollkommen unklar.

Dass sich die möglichen Ansteckungsgefahren aus der Türkei-Krise relativiert hätten, zeige sich auch daran, dass es kaum Zweifel bei den Händlern daran gebe, dass die FED ihren Kurs der graduellen Zinserhöhungen beibehalten werde. So liege die implizite Wahrscheinlichkeit mit 96 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September auf dem Niveau der Vorwoche (vgl. CME FedWatch Tool). Und auch die Wahrscheinlichkeit für zwei weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr sei mit 70 Prozent nicht niedriger als vor Wochenfrist. Dass sich der Euro gestern dennoch nicht richtig habe erholen können - immerhin habe es für die Wachstumszahlen der Eurozone in Q2 eine leichte Aufwärtsrevision gegeben -, möge auch schlicht darin begründet sein, dass die Nachfrage nach US-Dollar ungebrochen sei. Dafür spreche auch eine gestern publizierte Umfrage unter internationalen Fondsmanagern, die eine Übergewichtung in US-Aktien wie zuletzt im Januar 2015 zeige.

Und so sei der Euro auch gestern in seinem kurzfristigen Abwärtstrend, nunmehr zwischen 1,1605/10 und 1,1310/15 EUR/USD (ISIN EU0009652759/ WKN 965275) geblieben. (15.08.2018/alc/a/a)



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