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11.12.17 11:15
URA-Beurteilung: "Verbesserte Qualität am KMU-Anleihen-Markt" - Anleihenews

Brechen (www.anleihencheck.de) - Neues von den URA-Analysten - von den momentan von URA beobachteten Anleihen haben nur noch 12% keinen "URA-Haken", verglichen mit 25% im Dezember vor zwei Jahren sowie mit 33% vor drei Jahren, berichtet die Anleihen Finder Redaktion.

Diese Entwicklung zeige die verbesserte Qualität der nach der Refinanzierung ihrer Anleihe bzw. nach einer Insolvenz "übriggebliebenen" Emittenten bzw. der neuen Emittenten am KMU-Anleihen-Markt. Es hätten sich laut Beobachtungen der Analysten zudem bei den Folge- und Neuemissionen in den letzten zwei Jahren auch die Anleihebedingungen verbessert. Neben inzwischen weit verbreiteten Ausschüttungssperren gebe es z.B. jetzt auch in Einzelfällen "Zins-Step-ups" beim Verstoß gegen bestimmte Schutzklauseln.

Neu in der URA-Beobachtung: NZWL, Photon Energy und VEDES

Die der Folgeanleihen Neue ZWL III, Photon Energy II und VEDES III seien neu in die URA-Beobachtung aufgenommen worden. Alle Bonds seien dabei mit einem URA-Haken bewertet worden.

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH III (NZWL-Anleihe 2017/23 (ISIN DE000A2GSNF5 / WKN A2GSNF):

Neu in der URA-Beobachtung sei die dritte Anleihe der ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH, ein Lieferant von kompletten Getrieben bzw. Getriebeteilen für die Automobilindustrie. NZWL III (geplantes Volumen von 15 Millionen Euro, bisher platziert 8,2 Millionen Euro) diene dem teilweisen Umtausch der NZWL-Anleihe I. Die Tilgung der so prolongierten 8,2 Millionen Euro werde nach hinten geschoben. Die zunächst gesparten Mittel sollten für den weiteren Werksausbau in China verwendet werden. Die NZWL-Anleihe III habe einen "URA-Haken" erhalten.

Mindestens 34 Millionen Euro der insgesamt 50 Millionen Euro Emissionserlöse der Anleihen I und II seien bisher als Darlehen an die (nicht konsolidierte) Schwestergesellschaft NZWL International weitergereicht worden. Diese habe die Darlehen als Eigenkapital für deren chinesische Tochter (für ein seit 2016 lieferfähiges neues Werk) verwendet. Zins und Tilgung dieser Darlehen sollten an die Emittentin zurückfließen und zur Rückzahlung der Anleihen beitragen.

Stärken: etabliertes Geschäftsmodell; weltweiter Hauptlieferant sog. Synchronisierungen für Doppelkupplungsgetriebe; bei 90% der Aufträge Alleinlieferant. Relative Planungssicherheit durch langfristige Verträge mit VW über Lieferungen aus dem chinesischen Werk (die Verträge könnten allerdings "grundsätzlich" mit 6-monatiger Kündigungsfrist gekündigt werden; NZWL könne andererseits auch andere Kunden als VW beliefern und habe bereits einen chinesischen Großkunden gewonnen).

Schwächen: Bondspezifische Kennzahlen kaum ausreichend. Creditreform-Emittentenrating (B) deutlich vom "Investmentgrade" entfernt. Große Teile des Vermögens für Bankkredite verpfändet. Anleihe sei strukturell nachrangig gegenüber Bankverbindlichkeiten der Schwester NZWL International und deren Tochter in China. Abhängig vom VW-Konzern (78% des NZWL-Umsatzes). Free Cashflow in den letzten vier Jahren deutlich negativ (dies könnte sich nach Auslaufen der aktuellen Investitionsphase ändern). Eigene Prognosen in der Vergangenheit mehrfach verfehlt (auch hinsichtlich des Produktionsstarts in China).

Photon Energy II (PE-Anleihe 2017/22 (ISIN DE000A19MFH4 / WKN A19MFH):

Neu in der URA-Beobachtung sei auch die zweite Anleihe der Photon Energy N.V., eine Finanzholdung für Projektgesellschaften (SPVs). Die SPVs würden Solarkraftwerke bisher v.a. in Tschechien und in der Slowakei betreiben. Das Neugeschäft sei in Australien und Ungarn geplant. Die Photon Energy-Anleihe II habe einen "URA-Haken" erhalten.

Stärken: als Betreiber von Kraftwerken ein stabiler Cashflow mit bisher staatlich garantierten Laufzeiten deutlich über das Anleiheende hinaus (in den letzten sechs Jahren im Konzern stets ein positiver Free Cashflow). Überdurchschnittlich gläubigerfreundliche Anleihebedingungen (z.B. quartalsweise Zinszahlung). Sehr ausführliche Quartals-Finanzberichte.

Schwächen: Ein nur sehr kleiner Betreiber. Bestenfalls ausreichende Bondspezifische Kennzahlen, positives bilanzielles Eigenkapital nur aufgrund einer hohen Neubewertungsrücklage (IFRS). Vermögen fast vollständig an die Banken der SPVs verpfändet. Anleihe sei strukturell nachrangig gegenüber den vorwiegend bei den SPVs liegenden Bankverbindlichkeiten (reine Holding). Bis Anfang November 2017 seien von den maximal 30 Millionen Euro Emissionserlösen nur 5,4 Millionen Euro platziert gewesen, davon 2,7 Millionen Euro für Umtausch in Anleihe I (restliche 8 Millionen Euro fällig im März 2018); dies erschwere die geplante Expansion in Ungarn, für die nur ein enges "Opportunitätenfenster" bestehe.

VEDES III (VEDES-Anleihe 2017/22 (ISIN DE000A2GSTP1 / WKN A2GSTP):

Neu in der URA-Beobachtung sei auch die dritte Unternehmensanleihe der VEDES AG (Stückelung 100.000 EUR), die führende europäische Verbundgruppe für Spielwaren-Fachhändler. Die VEDES-Anleihe III habe ebenfalls einen "URA-Haken" erhalten.

Stärken: Etabliertes Geschäftsmodell und hohe Markenbekanntheit bei stabiler Endkundennachfrage. Keine Bankverbindlichkeiten. Zinsersparnis durch vorzeitige Rückzahlung der Anleihe II Ende Dezember 2017. Free Cashflow in 2016 positiv, nach 2 deutlich negativen Jahren. Überdurchschnittlich gläubigerfreundliche Anleihebedingungen (z.B. Zins-Step-up bei Verstoß gegen Transparenzverpflichtungen).

Schwächen: Preisdruck und Verdrängungsprozess innerhalb der bei VEDES organisierten stationären Spielwaren-Fachhändler durch Internetanbieter. Nur ausreichende Bondspezifische Kennzahlen; das um Sonderfaktoren bereinigte Renditeniveau der Jahre vor der Hoffmann-Großakquisition sei noch nicht wieder erreicht worden; negatives ratingorientiertes Eigenkapital (hoher Goodwill). Scope-Emittentenrating (B+) bis zur Beendigung des Ratingauftrags deutlich vom "Investmentgrade" entfernt. Das Ergebnis komme v.a. aus Finanzdienstleistungen und kaum aus dem Kerngeschäft Großhandel & Logistik. Eigene EBIT-Prognose in den beiden letzten Jahren verfehlt.

Weitere URA-Beurteilungen

Verbesserung: Die zweite Anleihe der börsennotierten Aurelius-Tochter HanseYachts AG habe sich nach den aktuellen Zahlen von zwei auf drei "URA-Haken" verbessert, was vor allem auf die Verbesserung der bondspezifische Kennzahlen zurückzuführen sei, so die Analysten. Erstmals seit neun Jahren habe ein positiver Jahresüberschuss und ein positiver Free Cashflow erwirtschaftet werden können. Außerdem seien in den letzten beiden Geschäftsjahren - im Gegensatz zu früher - die eigenen Planungen erfüllt und im letzten Geschäftsjahr in den Kreditverträgen keine "Covenants" mehr verletzt worden.

Auf "watch" gesetzt: Die noch mit ganz knapp 3 "URA-Haken" bewertete zweite Anleihe der PORR AG, des zweitgrößten österreichischen Baukonzerns, werde von URA auf "watch" gesetzt, da in jedem der bisherigen drei Quartalen eine deutliche Verschlechterung des EBIT, trotz einer zweistelligen prozentualen Zunahme der Produktionsleistung, erfolgt sei. Begründet werde dies mit akquisitionsbedingten Anlaufkosten v.a. im zweitwichtigsten Markt Deutschland (PORR erwarte dort künftig überdurchschnittliche Renditen) sowie mit höheren Logistik- und Beschaffungskosten in Katar wegen des Embargos durch Nachbarstaaten.

Bestätigt worden seien zuletzt nach neuen Finanzberichten die URA-Beurteilungen für folgende 15 Anleihen:

3 "URA-Haken" für Hörmann II und S&T,

2 "URA-Haken" für FC Schalke 04 II+III, Joh. Friedrich Behrens II, Katjes II, paragon I+II und Textilkontor Seidensticker,

1 "URA-Haken" für eterna II, Homann II, Neue ZWL I+II und VEDES II

Keinen Haken für VST

Hinweis: Nicht mehr von URA beobachtet würden die Anleihen folgender Emittenten: Alfmeier (vorzeitige Tilgung), BDT I, Berentzen, Jacob Stauder I und travel24.com (jeweils planmäßige Tilgung).

Den kompletten Beitrag zusammen mit der Liste der durch URA geprüften Emissionen von Mittelstandsanleihen finden Sie hier. (11.12.2017/alc/n/a)


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