Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
10.04.17 09:38
Anleihen-Handel: Zinsen im Rückwärtsgang

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Vorösterlich ruhig beschreiben Händler das derzeitige Bond-Geschäft, so die Deutsche Börse AG.

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spreche von verhaltenen Umsätzen bei tendenziell mehr Verkäufen als Käufen. An den Rentenmärkten hätten sich politische Unwägbarkeiten bemerkbar gemacht. Neben dem anstehenden Referendum in der Türkei und der nahenden Präsidentschaftswahl in Frankreich drücke der Terroranschlag in St. Petersburg auf die Anlegerstimmung. Abzulesen sei dies nach Ansicht von Daniel an der Entwicklung des Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264), der im Verlauf der letzten Woche von 161,44 auf 162,59 Prozent zugelegt habe. "Am Freitagmorgen kam die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf 0,247 Prozent."

Angesichts rekordhoher Bewertungen von Wertpapieren und Zinstiteln stelle sich Folker Hellmeyer die Frage, in welche Richtung die globale Wirtschaft steuern werde. Nach und nach würden wirtschaftliche Vorschusslorbeeren für die neue US-Regierung wieder einkassiert, Marktteilnehmer zweifelten zunehmend an der Durchsetzungskraft der Federal Reserve. "Das Zinsniveau der 10-Jahres-Treasuries ist inzwischen wieder deutlich auf 2,34 Prozent zurückgefallen", bemerke der Analyst der Bremer Landesbank.

Für gewisse Brisanz hätten Ankündigungen der US-Notenbank gesorgt, Mittel von fällig werdenden Anleihen im Portfolio auf absehbare Zeit nicht mehr zu refinanzieren. So beabsichtige Notenbankchefin Janet Yellen, die aufgeblähte Bilanz nach und nach zurückzufahren. Anders als bislang erwartet starte dieser Prozess womöglich bereits in diesem Jahr. Das Ganze werde allerdings einer abgestimmten Strategie folgen, um große Schwankungen am Kapitalmarkt abzufedern. Einfach werde dies nach Meinung von Hellmeyer nicht. "Die Bondmärkte sind durch die jahrelangen Verzerrungen extrem anfällig für Korrekturen."

Wer sich in Deutschland Geld leihe, könne sich unter Umständen über einen zusätzlichen Bonus freuen. Mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank in Frankfurt sei laut Klaus Stopp von der Baader Bank erstmals ein Geldinstitut dazu übergegangen, ihren Kunden einen Zuschuss zu zahlen, wenn sie bei der Bank einen bestimmten Kredit aufnehmen würden. "Zur Einführung beträgt dieser so genannte Förderzuschuss 1 Prozent der Darlehenssumme." Die Höhe und Ausgestaltung der Zuwendung wolle die Rentenbank künftig an die Zinsentwicklung an den Kapitalmärkten anpassen.

Vor diesem Hintergrund hätten die wissenschaftlichen Berater von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries einmal mehr vor den gravierenden Risiken der anhaltenden Null-Zins-Politik gewarnt, die insbesondere für das Finanzsystem überaus problematisch seien. Etwa hätten europäische Banken vergangenes Jahr rund 4 Milliarden Euro in Form von Negativzinsen an die europäischen Währungshüter überwiesen. Das Geld fehle bei der nötigen Sanierung der Branche. Viele Institutionen wie Versicherungen hätten keine ausreichenden Gewinne mehr zur Deckung ihrer Kosten erzielt. Wenn es schließlich zu einer Zinswende komme, kämen neue Risiken für Unternehmen hinzu.

Mit der Forderung, so schnell wie möglich das Anleihen-Kaufprogramm herunterzufahren, habe sich mit Klaas Knot erstmals ein EZB-Ratsmitglied deutlich für den Beginn des so genannten Taperings im Januar 2018 ausgesprochen. Von da an könnten die Transaktionen um monatlich 10 Milliarden Euro reduziert werden und Mitte kommenden Jahres ganz auslaufen. Einen Zinsanstieg werde es nach Meinung von Stopp vermutlich erst nach Beendigung des Programms geben. "Betrachtet man das niedrige Zinsniveau in kurzen Bund-Laufzeiten, so deutet derzeit ohnehin nichts auf eine baldige Erhöhung." Mit minus 0,80 Prozent und damit 40 Basispunkte unter dem EZB-Einlagenzins verharre die Rendite für zweijährige Bundesanleihen auf extrem niedrigem Niveau.

Nach Inkrafttreten des Abwicklungsmechanismusgesetz (AbwMechG) in Deutschland habe Standard & Poor's für erstrangige, unbesicherte Anleihen einiger hiesiger Banken den Daumen gesenkt, wie Stopp registriere. Bonds der Deutschen Bank im Volumen von über 58 Milliarden Euro seien mit einer Bonität von nun "BBB-" gerade noch investitionswürdig. Eine schlechtere Kreditwürdigkeit bescheinige die US-Ratingagentur auch Anleihen der Commerzbank und der UniCredit. "Das Downgrade der erstrangigen Anleihen war in der S&P-Mitteilung zunächst leicht zu übersehen, weil gleichzeitig die Ratings der Emittenten angehoben wurden." Diese hätten durch die Haftung erstrangiger Anleihen im Abwicklungsfall einen höheren Verlustpuffer, während das Risiko dieser Wertpapiere für Anleger naturgemäß steige.

Laut EU-Regeln für die Bankenabwicklung kämen künftig zunächst Eigentümer, Anleihegläubiger und Kundeneinlagen über der gesetzlichen Sicherungsgrenze von 100.000 Euro für 8 Prozent der Bilanzsummenverluste auf, wie Stopp erkläre. "Danach kann der von den Banken gespeiste Abwicklungsfonds herangezogen werden."

Rund sechs Monate nach dem Börsendebut habe sich Innogy in der vergangenen Woche erfolgreich über den Kapitalmarkt refinanziert, wie Daniel berichte. Die achtjährige Anleihe (ISIN XS1595704872 / WKN A19FW2) im Volumen von 750 Millionen Euro in einer Stückelung von 1.000 Euro und einem jährlichen Kupon von 1 Prozent sei von Anlegern gern angenommen worden.

Ebenso hätten sich Investoren für eine 400 Millionen Euro schwere K+S-Anleihe (ISIN XS1591416679 / WKN A2E4U9) mit einer jährlichen Verzinsung von 2,625 Prozent interessiert. Für den bis 6. April 20 laufenden Bond habe sich das Bergbauunternehmen mittels einer Make-Whole-Option ein vorzeitiges Kündigungsrecht gesichert. (Ausgabe vom 07.04.2017) (10.04.2017/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de