Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf die Zweifel hinsichtlich der Umsetzbarkeit von Donald Trumps geplanten Konjunkturspritzen und einer damit einhergehenden Schwäche am US-Aktienmarkt reagieren Anleger mit Zuspruch zu Staatsanleihen der Euroländer, so die Deutsche Börse AG.
Die größere Nachfrage nach zehnjährigen Bundesanleihen habe den Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) beflügelt, der zwischenzeitlich die Marke von 160 Prozent geknackt habe. Aktuell notiere das hiesige Rentenbarometer knapp darunter. "Manche reden schon von einem Ende der Trump-Rally", beobachte Klaus Stopp von der Baader Bank, der einen Grund in möglicherweise langwierigen Grabenkämpfen um die Rückabwicklung der unter Obama verabschiedeten Gesundheitsreform sehe. "Auch fallende Ölpreise trugen zu einem höheren Sicherheitsbedürfnis bei", bemerke Arthur Brunner von der ICF Bank.
Zehnjährige Bonds anderer europäischer Länder seien ebenfalls gefragt gewesen, was den Renditeabstand zu Bundesanleihen gleicher Laufzeit verringert habe, wie Ulrich Wortberg berichte. Beispielhaft nenne der Helaba-Analyst portugiesische Werte mit einer Einengung der Spreads um knapp 15 Basispunkte im Wochenverlauf. Aktuell hätten die portugiesischen Bonds rund 4,1 Prozent Rendite erwirtschaftet.
Nicht nur portugiesische Staatsanleihen hätten unter anderem vom gestern zugeteilten, vierten und letzten längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, den TLTROs, der zweiten Serie profitiert. "Da EZB-Präsident Draghi keine Verlängerung der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte in Aussicht gestellt hatte, fiel die Nachfrage nach der günstigen vierjährigen Liquidität äußerst hoch aus", meine Wortberg. Gebote von 474 Instituten in Höhe von insgesamt 233,5 Milliarden Euro habe die Europäische Zentralbank vollumfänglich bedient. Beim dritten TLTRO im Dezember hätten 200 Bieter einen Zuteilungsbetrag von 62,2 Milliarden Euro erhalten. "Besonders Kreditinstitute der EWU-Peripherie nutzen die Langfristtender als Liquiditätsquelle."
Dass die EZB mit ihrer ultralockeren Geldpolitik ihrem Ziel größerer Reformen in schwächelnden Euroländern nicht überall näher komme, bestätige der jüngste Euro-Monitor, den der Versicherungskonzern Allianz jährlich veröffentliche. Dabei handele es sich um einen Indikator, der auf Basis von 20 Komponenten messe, wie gut die Länder im Euroraum aufgestellt seien. Neben dem aktuellen Wirtschaftswachstum würden Faktoren wie die Arbeitsproduktivität, die staatliche sowie private Schuldenlast, die Exportstärke und die Leistungsbilanz in die Bewertung mit einfließen, um die Stabilität der Expansion zu messen.
Gute Fortschritte habe Irland gemacht, das Land belege nach Rang 18 im Jahr 2011 mittlerweile den zehnten Platz. Deutschland setze sich abermals an die Spitze, gefolgt von den Niederlanden, die sich nach einer mittleren Position im Jahr 2011 insbesondere dank Haushaltsstabilisierung, Lohnzurückhaltung und Entschuldung im Privatsektor nach oben gearbeitet hätten.
Bei den Neuemissionen mache Arthur Brunner zufolge insbesondere VW in dieser Woche von sich reden. Das Unternehmen sei seit Bekanntwerden der Dieselaffäre zum ersten Mal wieder am europäischen Anleihe-Markt aktiv. "Die Wolfsburger sammelten mittels vier Anleihen verschiedener Laufzeiten rund 8 Milliarden Euro ein", berichte der Händler der ICF Bank. "Die Nachfrage war enorm, Anleger wollten insgesamt für über 25 Milliarden Euro zeichnen." Für Brunner sei das Anlegervertrauen ein Indiz dafür, dass zumindest für den Kapitalmarkt die Dieselaffäre mittlerweile abgearbeitet sei.
Ein METRO-Bond (ISIN XS1203941775 / WKN A14J83) mit Fälligkeit im März 2025 und einem jährlichen Zins von 1,5 Prozent lande ebenfalls verstärkt in den Depots. Bei dem derzeitighen Preis von über 101 Prozent komme die Anleihe auf eine Rendite von 1,36 Prozent. "Selbst auf diesem Niveau engagieren sich Anleger."
Im Handel mit Unternehmensanleihen stehe laut Gregor Daniel eine Anleihe (ISIN XS0201306288 / WKN A0DC0M) der ÖVAG bei Investoren hoch im Kurs. "Der Wert hat am Dienstag einen Sprung nach oben gemacht", registriere der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank, der den Grund in einer Ad-hoc-Mitteilung der immigon portfolioabbau AG als Bad Bank der einstigen ÖVAG vermute. Demnach sei der angekündigte Verkauf der insgesamt 9,92 Millionen Anteile an der Raiffeisen Bank International zu je 21 Euro abgeschlossen. Aktuell notiere der Wert um 93 Prozent.
Rege gehandelt und überwiegend gekauft werde Daniel zufolge auch eine Mitte des Monats aufgelegte fünfjährige Fremdwährungsanleihe (ISIN XS1574041999 / WKN A19D5F) in Türkische Lira der Europäischen Investment Bank mit einem Kupon von 10 Prozent. Bei einem Stand von 97,40 Prozent betrage die Rendite derzeit gut 14 Prozent. (Ausgabe vom 24.03.2017) (27.03.2017/alc/a/a)
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