London (www.anleihencheck.de) - Wie wirkt sich Donald Trumps Politik auf den Aktienmarkt aus? Was bedeutet der Brexit für Europa? Und was ist eigentlich mit China? Das noch junge Jahr 2017 hält viele Fragen für Anleger bereit. Experten von Legal & General Investment Management (LGIM) geben Antworten.
USA: Rezession bleibe 2017 wahrscheinlich aus
"Das Risiko einer Rezession bleibt kurzfristig niedrig, obwohl sich die Konjunktur in der späten Expansionsphase des Zyklus befindet. Im Jahr 2017 scheint das Wachstum sogar anzuziehen", sage Tim Drayson, Head of Economics bei LGIM. Anfang des Jahres sei die amerikanische Wirtschaft zwar nur schleppend gewachsen, doch nun befinde sie sich auf dem besten Weg zur Erholung.
"Ein robuster Arbeitsmarkt und steigende Konsumausgaben erhöhen die Wachstumsaussichten für 2017. Falls Trump sein Steuer- und Ausgabenprogramm umsetzt, besteht das Risiko eher darin, dass die amerikanische Wirtschaft zu schnell wächst, statt zu langsam. Sollte dies neben rascheren Zinsanhebungen geschehen, könnten die Märkte auf dem besten Wege sein, die nächste Rezession - die wir für 2019 erwarten - zum Jahresende vorwegzunehmen", sage Drayson.
Fiskalpolitik Trumps könnte US-Aktien belasten
"Die Unsicherheit am Aktienmarkt geht in beide Richtungen, sodass wir für 2017 mit einem Plus von 15 Prozent, einem Minus von 15 Prozent oder sogar beidem rechnen", sage Lars Kreckel, Global Equity Strategist bei LGIM. Das überraschende Wahlergebnis in den USA sei von den US-Aktienmärkten bisher positiv aufgenommen worden. Noch würden das wirtschaftsfreundliche Programm von Trump, die Aussichten auf eine Deregulierung und die Erhöhung der Ausgaben die Bedenken im Hinblick auf zunehmenden Protektionismus und eine unsichere Auslandspolitik überwiegen.
"Signifikante Erhöhungen der Staatsausgaben oder Steuersenkungen könnten zu einem zweistelligen Ergebniswachstum führen und die Aktienkurse - wenn auch nur vorübergehend - deutlich nach oben drücken. Alle Handlungen Trumps, die dem Welthandel Schaden zufügen oder geopolitische Spannungen verursachen könnten, werden sich voraussichtlich negativ auf die Aktien auswirken", sage Kreckel.
Was Trump für den US-Dollar und die Zinssätze bedeute
"Der Konsens spricht für einen starken US-Dollar, besonders im Vergleich zu asiatischen Währungen. Dennoch sehen wir einige Rückschläge voraus. Viel wird davon abhängen, ob die FED als Reaktion auf die Stärke des US-Dollars ihr Zinserhöhungstempo drosseln könnte", sage Willem Klijnstra, Währungsexperte bei LGIM. Der US-Dollar habe Ende 2016 unter Druck gestanden, da der Markt von höheren US-Zinssätzen und einer ausgabefreudigen Trump-Regierung ausgegangen sei.
Die USA würden 2017 voraussichtlich das wirtschaftlich am schnellsten wachsende Industrieland sein. Mögliche Steueränderungen, die amerikanische Unternehmen dazu bewegen sollten, im Ausland erwirtschaftete Gewinne nach Hause zu bringen, würden das Risiko erhöhen, dass der US-Dollar weiter steige. "Wir raten zur Vorsicht. Jegliche Maßnahmen, die das Vertrauen in das Wachstum der USA schwächen sowie fortwährende Zinserhöhungen könnten zu einem starken Nachgeben des Dollars führen", sage Willem Klijnstra.
"Während die britische Wirtschaft unmittelbar nach dem Referendum eine bemerkenswerte Widerstandskraft demonstrierte, wird die starke Abwertung des Pfund eine höhere Inflation im Jahr 2017 befeuern", sage Hetal Mehta, Senior European Economist bei LGIM. Nach dem Referendum sei die britische Wirtschaft durch einen schwungvollen Arbeitsmarkt und eine niedrige Inflation gestützt worden. Konjunkturerhebungen würden jedoch nahelegen, dass Unternehmen bei ihren Einstellungsplänen zurückhaltend seien und die Stimmung bezüglich Investitionen mehr als gedämpft sei.
"Vieles wird davon abhängen, wie sich die Verhandlungen mit der EU gestalten und ob Übergangsregelungen helfen können, einen "Klippeneffekt" zu vermeiden. Trotz des kommenden, über das 2-Prozent-Ziel hinausschießenden Inflationsanstiegs gehen wir nicht davon aus, dass die Bank of England die Zinssätze anheben wird. Auch sie will ihr Pulver trocken halten, daher erwarten wir für 2017 keine Zinssenkungen."
Anstehende Wahlen: Europa in Aufruhr?
"Protektionismus, Populismus und Preise. Es bleibt offen, ob der Boomerang der politischen Risiken aus den USA 2017 auch Europa treffen wird. Eines ist sicher: Umfragen und Meinungen von Politikexperten sollten mit Vorsicht genossen werden", sage Chris Jeffery, Fixed Income Strategist bei LGIM, im Hinblick auf die anstehenden Wahlen in Europa. Das Hauptaugenmerk der Märkte richte sich auf das Risiko eines Sieges von Marine Le Pen, der Kandidatin der rechtsextremen Front National.
Aufgrund des hohen Verschuldungsgrades der europäischen Staaten und des stark miteinander verbundenen europäischen Finanzsystems spiele die Politik für die Märkte eine ausschlaggebende Rolle. "Zum Glück wird dieses politische Risiko durch den Umstand ausgeglichen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen kauft, um zu verhindern, dass aus einer niedrigen Inflation eine echte Deflation wird. Aufgrund des durch die EZB-Politik gestützten Wachstums in der Eurozone sind wir optimistisch gestimmt. Dennoch bleibt die Politik ein Risikofaktor, den wir im Auge behalten werden", sage Jeffery.
Schwellenmärkte - Freund oder Feind?
"Das US-Zinsniveau und das globale Risiko-Sentiment bleiben Schlüsselfaktoren für die Performance der globalen Schwellenländer. Für einige Länder wird die Fähigkeit, externe Schocks zu überstehen, ein wichtiger Differenzierungsfaktor sein", sage Madgalena Polan, Global Emerging Market Economist bei LGIM. Die Schwellenländer würden 2017 mit Gegenwind zu kämpfen haben, wenn die USA die Zinssätze anheben würden: Für Emerging Markets werde es zunehmend schwerer werden, Gelder von Investoren für sich zu gewinnen.
Die Expertin halte jedoch auch eine gute Nachricht bereit: "Die Rohstoffpreise haben in ihrem Fall seit 2011 die Talsohle erreicht. Dies sollte der rohstoffintensiven Region Lateinamerika zu einem Aufschwung verhelfen. Auch der globale Produktionszyklus verbessert sich. Davon dürfte vor allem die produktionslastige Wirtschaft Asiens profitieren. Nach schweren Konjunkturflauten wird das Wachstum in Brasilien und Argentinien voraussichtlich anziehen", sage Polan. In Indien dagegen werde das Wachstum angesichts des Geldentwertungsprogramms und des zugrundeliegenden schwachen Investitionszyklus verlangsamt.
China: Schwache Währung könnte zur Abschwächung der Aktienmärkte führen
"China befindet sich auf lange Sicht eindeutig auf einem wenig nachhaltigen Pfad. Dies ist dem hohen Kreditwachstum geschuldet. Im Hinblick auf die anstehende Machtübergabe erwarten wir keine größere Korrektur im Jahr 2017", sage Erik Lueth, Global Emerging Market Economist bei LGM. Ein wesentliches Risiko für das Jahr 2017 sei eine deutlich schwächere chinesische Währung, getrieben von aus dem Land strömenden Kapital.
"Wir gehen davon aus, dass die Chinesen einen realen Währungsrückgang von 5 Prozent auf Kosten geringerer Devisenreserven und schärferer Kapitalverkehrskontrollen bewältigen werden, insbesondere angesichts der Machtübergabe innerhalb der kommunistischen Partei Ende des Jahres 2017", fahre Lueth fort. Eine starke Verlangsamung des Wachstums sei nicht zu erwarten. Allerdings sei das Risiko einer schnelleren Abwertung, wie bereits 2016 geschehen, nicht unerheblich. Sollte dies eintreten, sei mit weltweit schwächeren Aktienmärkten zu rechnen. (14.02.2017/alc/a/a)
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