Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Wähler in Italien haben für neue Unsicherheit auf den Märkten und in der Politik des Landes gesorgt, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management
Das Referendum am 4. Dezember, bei dem die von Ministerpräsident Matteo Renzi vorgeschlagene Verfassungsreform abgelehnt worden sei, habe zum Rücktritt von Herrn Renzi geführt. Italien müsse nun seine 64. Regierung seit der Gründung der Republik im Jahr 1946 bilden. Die anfängliche Marktreaktion sei jedoch verhalten gewesen. Im Gegensatz zum Referendum im Vereinigten Königreich und der überraschenden Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten hätten die Umfragen den Ausgang dieses Referendums zum Großteil richtig vorhergesagt. Die Marktvolatilität habe sich daher auch in Grenzen gehalten. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management betrachten die Abstimmung in Italien nichtsdestotrotz als Erinnerung daran, dass politische Risiken für Anleger im Jahr 2017 eine große Rolle spielen werden.
Für die Märkte liege der kurzfristige Schwerpunkt auf den italienischen Banken, deren Aktien die größte Sektorgewichtung im FTSE MIB Index ausmachen würden. Die Aktien von drei Banken hätten bereits vor dem Referendum Kursrückgänge verzeichnet. Dies sei auch eine Folge des Anlegerfokus im Jahr 2016 auf die beträchtlichen Bestände an notleidenden Krediten gewesen. Banca Monte dei Paschi, die allgemein als schwächste der wichtigsten italienischen Banken betrachtet werde, befinde sich mitten in einer kritischen Rekapitalisierung, die durch das Abstimmungsergebnis erschwert werden könnte. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management sehen auch steigende Chancen für eine Restrukturierung durch den Staat.
Im Bereich festverzinslicher Anlagen sei es bei italienischen Staatsanleihen (BTPs) zunächst zu einem Ausverkauf gekommen, anschließend sei ein Kursanstieg auf Niveaus vor dem Referendum gefolgt. Der Spread der 10-jährigen italienischen Staatsanleihen zu spanischen Bonos und deutschen Bundesanleihen deute darauf hin, dass italienische BTPs aufgrund des Vorsprungs der Referendumgegner in den Umfragen der letzten Wochen das Ergebnis bereits eingepreist hätten. Einerseits erwarte man steigende Volatilität auf Anleihe- und Aktienmärkten. Andererseits seien die Experten der Ansicht, dass das potenzielle Risiko-Rendite-Versprechen von Relative-Value-Strategien eine Rückkehr der Anleger rechtfertigen könnte. Es handle sich schließlich um flexible Strategien, in der sowohl Long- als auch Short-Positionen eingegangen werden könnten.
Die Prognose für Italien und Europa halte insgesamt einige Überraschungen für Anleger bereit. In Italien müsse Staatspräsident Sergio Mattarella nun Gespräche für die Bildung einer neuen Regierung führen, entweder unter Leitung von Matteo Renzi oder eines anderen hochrangigen Mitglieds seiner Mitte-Links-Partei. Die Chancen für eine technokratische Regierung seien jedoch gering. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management gehen nicht davon aus, dass die Anti-Establishment-Fünf-Sterne-Bewegung an die Macht kommen und ein Referendum zum Italexit durchführen wird. Doch wie beim Brexit im Vereinigten Königreich und der Wahl von Donald Trump in den USA bedürften jegliche Überraschungen und Tail Risks genauer Beobachtung. (09.12.2016/alc/a/a)
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