Berlin (www.anleihencheck.de) - Nachdem der Kapitalmarkt in diesem Jahr zahlreiche Ereignisse, wie zum Beispiel das Brexit-Referendum und die US-Wahlen, verkraften musste, können wir uns im Dezember endlich entspannt zurücklehnen und uns auf die ruhigen und besinnlichen Feiertage freuen, so Sascha Rehbein, CFA bei der Weberbank.
Weit gefehlt! Es bleibe weiterhin spannend an den Kapitalmärkten! Am Wochenende stünden das Referendum in Italien und die Präsidentschaftswahlen in Österreich an. Das Referendum werde nicht nur über die künftige Reformfähigkeit des wachstumsschwachen Italien entscheiden, sondern gegebenenfalls auch die politische Spitze durchrütteln. Österreich hingegen laufe Gefahr, dem Nationalismus in Europa neuen politischen Einfluss zu geben und den Populismus weiter zu stärken.
Aber auch über das kommende Wochenende hinaus werde es nicht langweilig. Denn von den altbekannten Impulsgebern, den Notenbanken, dürfe man zum Jahresendspurt noch hohe Aktivität erwarten. So sollte die EZB am kommenden Donnerstag endlich eine Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms verkünden und möglicherweise an der einen oder anderen Stellschraube des Kaufprogramms drehen.
In der darauf folgenden Woche erwarte man von der US-Notenbank den zweiten Zinsschritt. Nachdem die FED im vergangenen Jahr die erste Zinserhöhung durchgeführt habe, habe sie sich in diesem Jahr sehr vorsichtig aufgrund der diversen Kapitalmarktverwerfungen gezeigt. Doch die wirtschaftliche Entwicklung der USA setze Frau Yellen zunehmend unter Druck. Das Wachstum ziehe an, der Arbeitsmarkt befinde sich kurz vor der Vollbeschäftigung und selbst die Inflation werde voraussichtlich in den kommenden Monaten die 2%-Zielmarke durchschreiten.
Optimistischer seien die Analysten für US-Unternehmensanleihen geworden. Mit dem Wahlsieg von Donald Trump sollten US-Unternehmen von erhöhten heimischen Infrastrukturausgaben, einer geringeren Steuerlast und Deregulierung in den Sektoren Finanzen und Energie profitieren. Somit empfehlen die Analysten der Weberbank, die Investitionsquote von bonitätsschwächeren Unternehmensanleihen aus den USA zu erhöhen. Gleichzeitig würden sie empfehlen, dieses Segment mit einer niedrigen Laufzeit einzusetzen. Dies habe den Hintergrund, dass man ein Umfeld von gutem Wirtschaftswachstum gepaart mit einer anziehenden Inflation in den USA erwarte, was wiederum für eine restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank spreche.
Vorsichtiger sind die Analysten der Weberbank hingegen gegenüber Schwellenländeranleihen geworden. Der erwartete Protektionismus der Trump-Administration habe das Wachstumsbild diverser Schwellenländer eingetrübt. Gleichzeitig sollte ein erhöhtes Zinsniveau in den USA die relative Attraktivität der Schwellenländeranleihen mindern. Somit stehe dieses Segment im Moment unter einer verstärkten Beobachtung in den Portfolios der Analysten.
Auch an den Aktienmärkten helfe es momentan zu differenzieren. Während die großen US-Indices von einem neuen Allzeithoch zum nächsten eilen würden, würden sich die europäischen Aktienmärkte etwas zurückhaltend verhalten. Ein Blick auf den DAX beispielsweise verrate, dass sich die deutschen Aktien seit dem Spätsommer in einem Seitwärtsmarkt befänden und es nicht schaffen würden, nachhaltig die 10.800er Marke zu durchbrechen. Dementsprechend bleiben die Analysten der Weberbank weiterhin in US-Titeln übergewichtet und werden auch hier von den positiven Impulsen der zukünftigen Trump-Politik in ihrer Meinung unterstützt. Analog zu den bereits getätigten Ausführungen zu Schwellenländeranleihen seien sie auch für die Aktienmärkte aus diesen Regionen skeptischer geworden und würden hier zur Vorsicht raten.
Für ein Übergewicht der US-Aktienmärkte spreche im Übrigen auch unsere Währungsmeinung, so die Analysten der Weberbank. Analog zu ihrem positiven Wachstumsbild der USA, einer restriktiveren FED und diversen Unsicherheiten in der Eurozone - hierzu würden unter anderem zahlreiche Wahlen im kommenden Jahr sowie der angeschlagene Bankenmarkt in Italien gehören - würden die Analysten von einem starken US-Dollar ausgehen. Hierbei könne man sich einen Test der Parität durchaus vorstellen, was Investitionen in US-Aktien zusätzlich unterstütze. (02.12.2016/alc/a/a)
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