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17.10.16 11:36
Mittelstandsanleihen: Grauer Oktober mit vielen Gläubigerversammlungen

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die letzte Septemberwoche hatte es in sich, so das Team des Steubing German Mittelstand Fund I (SGMF), das sich im "Standpunkt German Mittelstand" regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen äußert.

Die Analysten der Wolfgang Steubing AG waren so mutig, seine Insolvenz-Prognose im letzten Standpunkt zu KTG Energie aufrecht zu halten, obwohl das Unternehmen kurz vorher vom Insolvenzverwalter der KTG Agrar an die Gustav-Zech-Stiftung verkauft wurde. Am 27. September sei es dann soweit gewesen: Einen Tag bevor der Kupon von 7,25 Prozent der 50 Millionen Euro Anleihe habe bezahlt werden müssen, habe das Unternehmen beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung eingereicht.

Einen Tag vorher habe es die Versicherungsholding Enterprise erwischt, die eine Anleihe in Höhe von rund 40 Millionen Euro emittiert hätten. Das Rating von Creditreform für die Versicherungsholding "A-" sei Top gewesen. Warum? Man habe sich einen besonderen Gag für den deutschen Markt einfallen lassen. "Jahrelang warb die Versicherungsholding Enterprise für ihre Anleihen damit, dass sie Geld für Zins und Tilgung auf einem Extrakonto anspare. Nach der Insolvenz stellt sich heraus: April, April" ("FAZ" vom 04.10.2016). Extrakonto sei eben kein notarielles Anderkonto. Somit würden die hier eingezahlten Gelder direkt in die Masse und nicht an die Gläubiger fließen. Im Nachhinein müssten sich die Investoren in diese Anleihe deutlich hinterfragen: Sei man nicht auf einen Marketinggag mit dem Extrakonto hereingefallen, ohne das zumindest bilanziell fragwürdige Versicherungsgeschäft intensiver zu betrachten und zu hinterfragen.

Am 29. September habe es auch den Bettwarenhersteller Gebr. Sanders erwischt. Man habe einen Antrag auf ein Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht eingereicht. Das Unternehmen habe als Grund die fehlende Prolongation einer Borrowing Base Finanzierung in Höhe von 5,2 Millionen Euro durch eine deutsche Großbank genannt. Damit hätten die Gebr. Sanders zuerst einmal bis zu drei Monate Zeit gewonnen: Der Schutzschirm schütze vor den Gläubigern. Somit auch vor den Anleihegläubigern - im Jahr 2013 habe das Unternehmen 22 Millionen Euro emittiert. Konsequenz: Der hälftige Kupon der mit 8,75 Prozent verzinsten Anleihe, der am 22. Oktober 2016 fällig würde, sei ausgesetzt worden. Wenn die Gebr. Sanders keine Insolvenz anmelden müssten und das Schutzschirmverfahren verlassen könnten, müssten sich die Anleger sehr wahrscheinlich zumindest mit deutlichen Einschnitten vertraut machen.

Genauso hätten die beiden Modeunternehmen René Lazard (15 Millionen Euro Anleihe) und Laurèl (20 Millionen Euro Anleihe) Gläubigerversammlungen einberufen, mit dem Ziel von ihren Anlegern Schuldenschnitte zu erhalten.

Die Analysten der Wolfgang Steubing AG haben mittlerweile den Eindruck, dass viele Unternehmen versuchen, über eine Insolvenz in Eigenverwaltung ihre Schuldenlast massiv zu reduzieren. Frei nach dem Motto: Lieber Anleger, wenn du dazu nicht bereit seist, dann würden wir in die Insolvenz gehen und die Quote werde dann noch deutlich schlechter sein. Gleichzeitig möchten viele dieser Unternehmen die Laufzeit ihrer reduzierten Anleihe nach oben anpassen und würden sich wünschen, dass die Anleger ihre Gelder nicht abziehen würden.

Ziel des seit dem Jahr 2012 in Kraft getretenen ESUG sollte eigentlich sein, dass die Gläubiger mehr Einfluss auf das sich in der Krise befindende Unternehmen haben sollten und gleichzeitig dem Unternehmen eine Fortführungsoption gegeben werde. Nach Meinung der Analysten der Wolfgang Steubing AG ist das ESUG nicht ausgereift und wird mittlerweile zum Nachteil der Gläubiger instrumentalisiert. Die Entwicklungen der letzten Monate würden weit über das Risiko von Hochzinsanleihen hinausgehen. Es dürfe nicht sein, dass das Nutzen des ESUG zu einem strategischen Geschäftsmodell "verkomme".

Insofern erwarten die Analysten der Wolfgang Steubing AG einen grauen Oktober mit vielen Gläubigerversammlungen, die alle nur einen Sinn und Zweck haben: Die Damen und Herren Anleger werden zur Kasse gebeten. (17.10.2016/alc/a/a)



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