Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
15.03.16 11:04
Inflation - wer da suchet, der findet

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Finanzmärkte haben sich seit Mitte Februar von dem unerquicklichen Jahresstart wieder ein Stückweit erholt, so die Analysten der DekaBank.

Die Hauptursache für die ersehnte Beruhigung dürfte die Bodenbildung bei den Rohstoffpreisen gewesen sein. So habe sich beispielsweise der Rohölpreis seither berappelt, weil ein paar wichtige Förderländer hätten durchblicken lassen, dass sie dem Angebotsüberhang begegnen wollten. So weit, so gut. Ansonsten habe es in den letzten Wochen erwartungsgemäß gemischte Konjunkturdaten gegeben. Damit sei der Blick auf die Weltkonjunktur nicht nennenswert klarer geworden.

So stünden wieder einmal die Notenbanken im Vordergrund. Sie würden ihre geldpolitischen Entscheidungen derzeit in Abhängigkeit von der aktuellen Datenlage treffen. Und hier lohne ein Blick auf die Inflationsentwicklung. Ja, es gebe sie wieder, die Inflation, auch wenn man sie noch mit der Lupe suchen müsse. In den USA robbe sich die Kerninflationsrate seit einem Jahr nach oben, und die Lohnindikatoren würden mittlerweile verlässlich darauf hinweisen, dass die Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von 4,9% allmählich aufkommenden Lohndruck mit sich bringe.

Die amerikanische Notenbank FED werde zwar wohl erst im Juni zum zweiten Zinserhöhungsschritt ansetzen, aber das makroökonomische Umfeld lege es ihr durchaus nahe, in den nächsten Quartalen die Zinstreppe weiter nach oben zu gehen. Langsam werde damit zumindest jenseits des Atlantiks der Weg in die Normalität der Geldpolitik beschritten.

Damit würden die FED und EZB weiter in unterschiedliche Richtungen gehen: Die jüngsten Inflationsdaten in der Eurozone seien ernüchternd gewesen. Vor diesem Hintergrund sei das auf der März-Sitzung beschlossene neuerliche expansive Maßnahmenbündel der EZB zu sehen: Zinssenkungen, Ausweitung des Wertpapierkaufprogramms und neue Langfristtender. Um hierzulande Inflation zu finden, brauche es sowohl eine gute Lupe als auch ein Fernglas.

Nur sehr allmählich wachse Europa aus der wirtschaftlichen Malaise heraus. Bis auf weiteres müsse man von einer anhaltenden Zielverfehlung der EZB hinsichtlich der Inflationsrate ausgehen. Erst in etwa zwei Jahren werde sich die Lage am Arbeitsmarkt soweit verbessert haben, dass jegliche Deflationssorgen vom Tisch seien und auch die EZB sich dem Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik zuwenden könne. Eine erstmalige Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes würden die Analysten im Jahr 2019 erwarten.

Für die Anleger hierzulande bleibe es bei der herausfordernden Welt ohne Zinsen. Derzeit lägen viele schlechte Karten auf dem Tisch (schwache Dynamik der Weltwirtschaft, Sorgen um Finanzmarktstabilität, Flüchtlingsstrom in Europa, Wahltermine, britisches EU-Referendum, etc.). Dennoch würden die Analysten die Übernahme von Risiken als die erfolgversprechendste Anlagestrategie erachten. So stünden europäische Aktien und Hochzinsanleihen unter Renditegesichtspunkten oben. Die Schwankungsintensität dürfte indes über das gesamte Jahr 2016 nennenswert hoch bleiben. (Ausgabe März/April 2016) (15.03.2016/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de