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09.03.16 10:06
Der Weltwirtschaft droht eine Rezession, niedrige Rohstoffpreise führen zu zunehmenden Kreditausfällen

London (www.anleihencheck.de) - Die niedrigen Rohstoffpreise führen nach Ansicht der Experten des britischen Vermögensverwalters Legal & General Investment Management zu zunehmenden Kreditausfällen.

Währungsabwertungen und zunehmende Kreditausfälle im Zuge von Insolvenzen würden neben Deflation und einer weiter wachsenden Verschuldung im laufenden Jahr das wirtschaftliche Geschehen rund um den Globus bestimmen. Als Folge davon drohe die Weltwirtwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ausgeprägte Wachstumsschwäche, eventuell könnte sie sogar in eine Rezession rutschen. Die Experten würden in ihrem Anleihenausblick darauf eingehen, dass Japan und die Eurozone ihre geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen (quantitative easing) dazu nutzen würden, um den JPY beziehungsweise Euro abzuwerten. Auch viele Schwellenländer hätten in den vergangenen Monaten den Außenwert ihrer Währungen sinken lassen. "Es ist eine vergleichsweise billige Methode, um die Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten zu verbessern", so die LGIM-Analysten. "Aber am Ende ist das ein Nullsummenspiel, weil Volkswirtschaften, deren Währungen an den US-Dollar gekoppelt ist, die Verlierer sind."

Dennoch würden die Experten im laufenden Jahr vor allem den Renminbi als Abwertungskandidaten sehen, da die chinesische Landeswährung gegenüber dem USD in den vergangenen Monaten per saldo sogar leicht aufgewertet sei, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit Chinas verschlechtert habe. Gleichzeitig erschwere es die Wachstumsschwäche Chinas sowohl dem Staat als auch privaten Unternehmen, die hohen Kredite zu bedienen, mit denen der wirtschaftliche Aufschwung des Landes in der vergangenen Jahre finanziert worden sei. "Die politischen Entscheidungsträger stehen daher vor einem Balanceakt", so die LGIM-Experten.

"Auf der einen Seite müssen sie die Zinsen und Kapitalanforderungen für Unternehmen senken, um die Kreditbedingungen für die Binnenwirtschaft zu verbessern - was zwangsläufig zu einer schwächeren Währung führt. Auf der anderen Seite wollen die politisch Verantwortlichen keine Spekulationen über eine Abwertung schüren. Denn dies könnte zu einer Kapitalflucht führen, was den noch sehr fragilen, aber gleichzeitig wichtigen Immobilienmarkt treffen würde." Ein einmaliger, starker Abwertungsschritt wie er im vergangenen Sommer vollzogen worden sei, scheide nach Ansicht der LGIM-Strategen aus politischen Gründen aus.

In Erwartung einer Renminbi-Schwäche könnten jedoch andere Schwellenländer damit beginnen, ihre Währung abzuwerten, weil sie Wettbewerbsnachteile gegenüber den chinesischen Exporten fürchten würden. Die Folge wäre den LGIM-Experten zufolge eine neue Deflationswelle und eine Verschärfung der weltweiten Verschuldungssituation. "Und das ist das Letzte, was die Welt braucht", so das LGIM-Team. Denn schon jetzt drücke viele Unternehmen in den Emerging Markets, die sich in den vergangenen Jahren zunehmend Kredite im Ausland beziehungsweise an den internationalen Kapitalmärkten aufgenommen hätten, eine steigenden Schuldenlast, weil sie ihre Einnahmen überwiegend in inländischer Währung erzielen würden. Oder die Erlöse von dollarbasierten Auslandsgeschäften seien wegen der sinkenden Preise auf den Weltmärkten eingebrochen, so wie das vor allem bei Rohstoffunternehmen der Fall sei.

Mit dem Problem sinkender Rohstoffpreise hätten allerdings auch Unternehmen in den entwickelten Industrieländern zu kämpfen, die in rohstoffnahen Branchen tätig seien. Die LGIM-Experten würden darauf verweisen, dass Ende 2015 rund zehn Prozent der Anleiheemissionen im US-Hochzinsindex, zu Kursen von weniger als 60 Prozent gehandelt worden seien - der weit überwiegende Teil von Schuldnern aus dem Energiesektor oder Basisindustrien. Anfang 2014 habe dagegen der Preis nur von zwei Prozent aller Anleihen unter dieser Kursmarke gelegen. Das deute den LGIM-Experten zufolge darauf hin, dass sich die Schuldenfähigkeit vieler Emittenten verschlechtert habe und sich der Markt auf höhere Ausfälle einstelle. "Da mit einem Anziehen der Rohstoffpreise in den kommenden Monaten nicht zu rechnen ist, erwarten wir, dass die Ausfallraten am US-Hochzinsmarkt in den kommenden zwölf Monaten bei rund acht Prozent liegen wird."

Eine Schwäche der Schwellenländer, zunehmend verschlechterte Kreditbedingungen und steigende Ausfälle bei Unternehmensanleihen - dies zusammengenommen erhöhe für die LGIM-Experten das Risiko, dass die Weltwirtschaft 2016 weniger als zwei Prozent wachse - was nach ihrer Definition bereits einer Rezession gleichzusetzen sei. Dieses Basisszenario habe ihnen zufolge eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent.

"Die Annahme für eine Rezession mag auf den Blick recht drastisch erscheinen. Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass sich damit ein Wachstum verlangsamt, das in früheren Jahren nur bei 2,5 Prozent lag", so die LGIM-Analysten, "Und die Risiken wie höhere Ausfälle in Folge der schwachen Rohstoffpreise und einer möglicherweise von China ausgehenden Destabilisierung sind vorhanden." Ein alternatives Szenario der LGIM-Experten sehe vor, dass der Konsum in den Industrieländern steige. Dies könnte die Schwäche der Schwellenländer abfedern und gleichzeitig dazu führen, dass die Rohstoffpreise ihren Boden finden würden. Diesem Szenario gebe LGIM jedoch nur eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent. (09.03.2016/alc/a/a)


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