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01.12.15 11:06
FED: Ready for "Liftoff", EZB mit weiterem Ankaufprogramm?

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Das Protokoll der zurückliegenden Zinssitzung der amerikanischen Notenbank FED gab weitere klare Signale, dass es im Dezember nun offenbar (endlich) soweit sein sollte, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Damit verliere die US-Leitzinswende wohl in Kürze den Status einer unbekannten Größe. Vor allem sei nicht nur die Unsicherheit über den Zeitpunkt des sogenannten "Liftoff" geschwunden. Zudem sei aus dem Dokument hervorgegangen, dass die US-Währungshüter für den kommenden Erhöhungszyklus nur einen geringen Spielraum für das Ausmaß der gesamten Anhebung gesehen hätten.

Die Zinswende in den USA, die man besser als eine teilweise Normalisierung des Leitzinsniveaus beschreiben sollte, sollte daher möglicherweise weniger abträgliche Wirkungen auf die Aktien- und Rentenmärkte haben, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. So sei sie sicher nicht mit dem Anfang 1994 eingeleiteten Zinserhöhungszyklus der FED zu vergleichen, der an den Bondmärkten für Turbulenzen gesorgt habe und den Aktienmärkten herbe Verluste beschert habe. Damals seien die Marktteilnehmer völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden.

Seinerzeit hätten sich die Bondmärkte in einer Euphoriephase befunden. Die Akteure seien davon ausgegangen, dass sich die Aufwärtsbewegung der Kurse immer weiter fortsetzen werden würde. Denn diesmal sei alles anders. Die erwartete Zinswende sei jedoch - wie es ein Investmentstratege formuliert habe - die am besten kommunizierte Leitzinserhöhung der Geschichte.

Hinzu komme, dass der Anleihemarkt alles andere als euphorisch sei. Angesichts der etwa in Deutschland bis zur siebenjährigen Laufzeit negativen Renditen und einer Verzinsung von unter 0,5% im zehnjährigen Bereich gehe niemand ernsthaft davon aus, dass die Anleihekurse im Falle der erwarteten moderaten US-Leitzinserhöhung dramatisch anziehen würden. Zudem bleibe die globale Geldpolitik insgesamt akkommodierend.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe zuletzt klare Signale gegeben, dass sie entschlossen sei, alle verfügbaren Hebel zu nutzen, um höhere Inflationsraten zu erreichen. Das habe nicht nur für ein Renditerekordtief von -0,39% bei den zweijährigen Schuldtiteln des Bundes gesorgt, sondern habe dem DAX 30 auch wieder in die Erfolgsspur geholfen. Die Experten würden aber davon ausgehen, dass nach dem jüngsten starken Kursanstieg, der schon vieles vorweggenommen habe, in den kommenden Wochen zunächst eher mit einer verhaltenen Entwicklung denn mit einer fulminanten Jahresendrally zu rechnen sei.

Die Investorenstimmung habe sich zwar deutlich verbessert. Der Anteil der im Aktienmarkt übergewichteten Fonds habe sich wieder deutlich erhöht, die Liquiditätsquoten seien wieder deutlich abgebaut worden. Eine Umfrage unter Fondsmanagern zufolge lasse jedoch eher die Erwartung aufkommen, dass an den Aktienmärkten der Rückenwind einer zurückkehrenden Risikoneigung kurzfristig nachlassen dürfte, es sei denn, die EZB überrasche erneut und übererfülle die Markterwartungen. Für das kommende Jahr stünden bei Ausbleiben bislang derzeit noch nicht bekannter Risikofaktoren die Aussichten gut, dass der DAX wieder in Richtung seines bislang erreichten Allzeithochs aus dem April diesen Jahres bei 12.390 Zählern steige.

Gemessen an den Wachstumsraten in der Eurozone habe sich wieder Normalität eingestellt. Die Ungleichgewichte der konjunkturellen Entwicklung würden jedoch bestehen bleiben. Wesentliches Standbein der positiven Entwicklung seien die fortgesetzt extrem niedrigen Preissteigerungsraten. Positiv würden sich die Exporte in die Länder außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes entwickeln, wie in die USA oder Großbritannien. Der schwache Euro habe sicher dazu beigetragen, die negativen Auswirkungen der Krisen in den so genannten Schwellenländern abzumildern.

Auch am Arbeitsmarkt zeichne sich eine Entspannung ab. Negativ zu bewerten sei jedoch, dass sich die Unternehmen bei den Investitionen tendenziell zurückhalten würden und der Erholungsprozess nur langsam voranschreite. Die Ausrüstungen würden per saldo nur mäßig expandieren und die europäische Bautätigkeit sei in einigen Ländern der EU weiter im Krisenmodus. Die öffentlichen Verbrauchsausgaben würden steigen und verdeutlichen, dass von einer restriktiven Fiskalpolitik für die gesamte Eurozone nicht gesprochen werden könne.

Festzuhalten bleibe jedoch, dass die Volkswirtschaften der Eurozone wachsen würden. Bedingt durch die anhaltende Migration in die Eurozone sollte der private Konsum weiterhin eine wesentliche Stütze der konjunkturellen Entwicklung bleiben. Dies gelte insbesondere für Deutschland, wo im laufenden Jahr ein Anstieg des Konsums um 2% zu beobachten gewesen sei. Möglich sei er auch durch eine starke Entlastung der Verbraucher infolge der gesunkenen Ölpreise geworden. Kalenderbereinigt liege das Wachstum in Deutschland 2015 nach den aktuellen Schätzungen bei 1,5%. Im kommenden Jahr sollte eine leichte Beschleunigung auf dann 1,7% möglich sein. Die Arbeitslosenquote stelle sich 2015 in Deutschland auf 6,4% und sei damit gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig.

Die Vereinigten Staaten hätten die Auswirkungen der durch die Finanzkrise ausgelösten Rezession endgültig überwunden. Gemessen an der Arbeitslosenquote und der Produktionslücke hätten sie wieder nahezu Normalbeschäftigung erreicht. Zwar seien die massiv ausgeweiteten Haushaltsdefizite, die zur Konjunkturverbesserung zuvor ausgeweitet worden seien, auf ein nachhaltiges Niveau zurückgeführt worden. Jedoch lägen die Schulden der öffentlichen Hand weiterhin auf Rekordniveau.

Getragen werde der aktuelle ökonomische Aufschwung wie in Europa vom Konsum. Neben einem langsam zunehmenden Lohndruck und einer deutlichen Verbesserung der Arbeitslosenquote trage in den USA insbesondere der Rückgang der Rohölpreise positiv zur Aufhellung der Konjunktur bei. Die fallenden Arbeitslosenquote und die Aussichten auf ein stärkeres Anziehen des Lohnwachstums sollten die FED dazu bewegen, die US-Leitzinswende im Dezember einzuleiten. Kontraproduktiv für die USA wirke sich der vor allem gegenüber dem Euro aufwertende US-Dollar aus. Die starke US-Währung bringe Gegenwind für die US-Exporte.

Nach einem Wachstum von 2,5% in diesem Jahr sollte das US-Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr dennoch weiter, auf dann 3,0%, zulegen können. Nachdem die Preise im laufenden Jahr - bedingt durch die fallende Entwicklung an den Rohstoffmärkten nahezu unverändert geblieben seien - sollten Basiseffekte die US-Inflation 2016 wieder etwas deutlicher anziehen lassen. Den Prognosen zufolge sollte die Inflation Richtung 1,5% laufen.

Die von den Experten erwartete Zinswende in den USA sollte die US-Renditen moderat steigen lassen. Die Treasury-Kurve dürfte in den kommenden Quartalen jedoch flacher werden, da die kurzfristigen Zinsen stärker anziehen sollten als die langfristigen. Da im gesamten Euroraum das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr weniger stark wachsen sollte, als von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet, spreche einiges dafür, dass die EZB ihre Anleihekäufe weiter ausweite. Vor dem Hintergrund eines etwas höheren Renditeniveaus in den USA sollten die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen mittelfristig leicht anziehen können, während Anleihen der Euro-Peripheriestaaten durch die erwartete aggressive Ausweitung der EZB-Anleihekäufe tendenziell weiter rückläufig sein sollten.

Der US-Dollar könnte im Zuge der Zinswende der FED gegenüber dem Euro weiter aufwerten, während den Euro die anhaltenden Sorgen um die niedrige Euro-Inflation belasten würden. Eine Entscheidung zugunsten weiterer Anleihekäufe durch die EZB sollte den US-Dollar weiter stärken und den Euro tendenziell gegenüber der Weltleitänderung schwächen. (Ausgabe Dezember 2015) (01.12.2015/alc/a/a)


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