Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die US-Wirtschaft wird nach der schwachen Entwicklung im ersten Quartal zu ihrem Wachstumskurs zurückkehren und damit den Weg für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im Herbst ebnen. Zu diesem Schluss kommt der neueste Konjunkturausblick der Candriam Investors Group, den das Unternehmen im Rahmen seiner jährlichen Macro-Economic-Roadshow in mehreren Städten Europas und des Nahen Ostens präsentiert, so die Experten von Candriam.
Die USA würden zurzeit deutlich mehr und deutlich besser bezahlte Stellen als noch vor 18 Monaten schaffen. Geringverdiener würden von Lohninitiativen durch Unternehmen wie Walmart profitieren, die viele ungelernte Kräfte beschäftigen würden. Da die US-Wirtschaft auf Vollbeschäftigung zusteuere, könne auch die vielfach belastete Mittelschicht auf mehr Geld hoffen. Sie profitiere von Fachkräftemangel und der damit einhergehenden Lohninflation.
Candriam prognostiziere, dass sich der Ölpreis in den nächsten zwei Jahren auf seinem derzeitigen Niveau von etwa 65 Dollar je Barrel halten werde. Davon würden die großen amerikanischen Schieferöl- und Gasbecken profitieren, die den weltweiten Produktionsanstieg der vergangenen Jahre befeuert hätten. Sie könnten in den kommenden Monaten wieder mit mehr Investitionen rechnen. Selbst wenn der Ölpreis um weitere 20 bis 30 Dollar fallen sollte, würde ein wachsender Druck auf die OPEC die Preise bald wieder steigen lassen.
Im Euroraum werde das Wirtschaftswachstum endlich an den starken Konsum anknüpfen können. Die Wirtschaft profitiere vom niedrigen Ölpreis und dem unerwartet hohen Anleihekaufprogramm der EZB. Trotzdem sei der Euroraum noch nicht über den Berg: In Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor gehe der Schuldenabbau weiter und die Arbeitslosigkeit sei noch immer viel zu hoch. Europa werde langfristig mit niedrigen Zinsen leben müssen.
Die EZB eröffne mit den niedrigen Langfristrenditen auch der FED-Chefin Janet Yellen neue Möglichkeiten, meine Florence Pisani, Volkswirtin bei Candriam: "Die FED will den Leitzins erhöhen, ohne die Märkte zu verunsichern oder die Wirtschaft zu bremsen. Eine Situation wie der "taper-tantrum" vom Sommer 2013 soll sich nicht wiederholen. Yellen signalisiert daher, dass sie die Zinsen nicht regelmäßig über mehrere Quartale erhöhen wird. Das entspräche zwar dem üblichen Muster, hätte aber nach wenigen Quartalen einen deutlichen Zinsanstieg zur Folge. Stattdessen werden die Zinsen nur sehr moderat und langsam steigen. Die EZB hilft dabei: Wenn der Abstand zwischen europäischen und amerikanischen Staatsanleiherenditen wächst, werden viele Euroraum-Anleger in die USA umschichten und den Renditeanstieg begrenzen." (08.06.2015/alc/a/a)
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