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20.08.14 16:57
Rentenmärkte: Inflation wird wohl noch länger (zu) niedrig bleiben, Renditen in Eurozone weiter im Sinkflug

Hannover (www.anleihencheck.de) - Als im letzten Jahr im Oktober die Inflationsrate in der Eurozone auf 0,7% gesunken war, beeilte sich die EZB mit einer hastigen Zinssenkung, aufkommende Deflationssorgen im Keim zu ersticken, so die Analysten der Nord LB.

Die Strategie habe vor allem darin gelegen, auf die hohe Glaubwürdigkeit, die die EZB hinsichtlich der Verteidigung des mittelfristigen Inflationsziels bei den Marktteilnehmern genieße, zu vertrauen. In der Tat hätten sich die langfristigen Inflationserwartungen trotz des deutlichen Inflationsrückgangs nicht dramatisch verändert - zumindest nach Meinung der EZB bzw. gemäß der von ihr verwendeten Indikatoren. Doch diese Strategie dürfte bei einer langen Phase sehr geringen Preisdrucks und ohne ernstzunehmende Maßnahmen der EZB zur Erhöhung der Inflation zunehmend in Frage gestellt werden.

Die bisherigen Zinsschritte sowie die neuen TLTROs dürften auch im kommenden Jahr keinen spürbaren Effekt auf die Entwicklung des Preisniveaus haben. Und der Inflationsdruck bleibe - abgesehen von nicht auszuschließenden externen Preisschocks - für eine längere Frist sehr niedrig. Selbst in den nord- und mitteleuropäischen Staaten der Eurozone werde das Inflationsziel der EZB schon längere Zeit verfehlt, obwohl diese Staaten im Regelfall nicht den hohen Anpassungserfordernissen Südeuropas zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Währungsunion unterlägen.

Entsprechend seien die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten in Südeuropa erheblich stärker unterausgelastet, was dazu beigetragen habe, dass in diesen Ländern die Inflationsrate inzwischen überwiegend negativ sei. Allerdings gebe es einige erste zaghafte Anzeichen, dass der Abwärtstrend bei der Inflation schon bald gestoppt werden könne. So hätten sich auf den vorgelagerten Preisstufen zuletzt wieder leicht steigende Jahresraten ergeben. Zwar würden die Produzentenpreise noch immer in den meisten Ländern unter dem Niveau des Vorjahres notieren.

Den Tiefpunkt im Vorjahresvergleich hätten die meisten Länder jedoch offensichtlich in der ersten Jahreshälfte durchschritten. Hierfür spreche auch, dass der Euro seinen Höhenflug inzwischen beendet habe und gegenüber dem US-Dollar deutlich unter Druck geraten sei. Allerdings sei eine Quelle der Euroabwertung die konjunkturelle Schwäche in der Eurozone, was wiederum für eine allenfalls langsam anziehende Nachfrage und damit vorerst nur geringen binnenwirtschaftlichen Preisdruck spreche.

Auch könnte gerade bei den Nahrungsmitteln durch die Sanktionen Russlands ein Überangebot in der Eurozone entstehen und zusätzlich preisdämpfend wirken. Und auch die monetäre Dynamik - sowohl Geldmengenentwicklung als auch Kreditvolumenwachstum - bleibe vorerst zu schwach, um eine baldige Rückkehr der Verbraucherpreisinflationsrate auch nur in die Nähe von 2% Y/Y zu bewirken.

Wie lang werde die EZB also noch warten, um schärfere Geschütze aufzufahren? Letztlich bleibe ihr nur eine Form von quantitativer Lockerung, was bisher jedoch gescheut werde, gerade auch wegen rechtlicher Bedenken hinsichtlich des Ankaufs von europäischen Staatsanleihen. Letztlich werde die EZB hieran aber wohl nicht vorbeikommen, wenn sie es denn ernst meine mit einem symmetrischen mittelfristigen Inflationsziel von unter aber nahe bei 2% Y/Y. Eine Wunderwaffe stelle der Ankauf von Vermögenswerten sicher nicht dar, es sei aber wohl das effektivste Instrument, das der EZB noch zur Verfügung stehe.

Die Renditen europäischer Staatsanleihen würden neue Tiefstände markieren. Selbst die Papiere südeuropäischer Staaten würden inzwischen am Markt gierig aufgesogen. Italienische Staatsanleihen (10J) hätten sich heute bis auf wenige Basispunkte der Marke von 2,50% genähert, spanische Anleihen würden im gleichen Laufzeitensegment sogar nur mit einer Durchschnittsrendite von 2,38% gehandelt. Selbst Portugal, gerade gebeutelt von der Schieflage der Banco Espírito Santo, könne sich nach einem kurzzeitigen Renditeanstieg zur Jahresmitte aktuell wieder zu sehr niedrigen Konditionen refinanzieren.

Am langen Ende würden die Papiere bei 3,34% notieren, während die Emission von drei- und zwölfmonatigen Geldmarktpapieren heute zu 0,097% bzw. 0,216% gelungen sei. Hierbei würden offenbar Wirtschaftsdaten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen: Während die konjunkturelle Entwicklung auf der iberischen Halbinsel recht ordentlich verlaufen sei, sei Italien im ersten Halbjahr wieder in die Rezession gerutscht. Vielmehr würden den europäischen Staaten derzeit mehrere Faktoren in die Hände spielen: Neben dem Ausblick auf langfristig niedrige Zinsen der EZB würden die geopolitischen Konflikte die Anleger in Assets treiben, die ein höheres Maß an Sicherheit versprechen würden.

Zudem bleibe vielen Investoren angesichts eines ultraniedrigen Renditeniveaus in Deutschland - 10J Bunds würden heute erneut unter 1% rentieren! - nichts anderes übrig, als auf der Suche nach einem Rendite-Pickup auf die übrige Eurozone sowie auf andere Assets auszuweichen. Nehme man den schwachen Wirtschaftsausblick und den geringen Preisdruck hinzu, ergebe dies beste Voraussetzungen für ein anhaltend niedriges Zinsniveau.

Die deutsche Finanzagentur habe heute erneut ein sehr erfolgreiches Auktionsergebnis feiern können. Dabei seien die Bundesschatzanweisungen mit einem Kupon von 0,00% (!) ausgestattet gewesen. Die Nachfrage sei dennoch so groß gewesen, dass mühelos gut EUR 4 Mrd. am Primärmarkt hätten eingesammelt werden können. Bei einer zweifachen Überzeichnung seien die Papiere mit einer Laufzeit bis zum 16. September 2016 zu einem gewogenen Durchschnittskurs von 100,009% platziert worden, die durchschnittliche Rendite habe somit bei 0,00% gelegen. Der sichere Hafen Bundeswertpapiere bleibe gerade in dem aktuellen Umfeld hochattraktiv! (20.08.2014/alc/a/a)


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