Oberursel (www.anleihencheck.de) - Deutschland bleibt das konjunkturelle Zugpferd in der Eurozone, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Alle Komponenten des Bruttoinlandsprodukts dürften 2014 zum Wachstum von rund 2% beitragen, während die Eurozone insgesamt voraussichtlich lediglich 1,2% erreichen dürfte. Der deutsche Konsum profitiere von steigenden Löhnen und Gehältern, einem wieder an Fahrt gewinnenden Arbeitsmarkt und der niedrigen Spartätigkeit. Die Investitionen seien - wenn auch bislang wenig dynamisch - angesprungen und der Wohnungsbau in Deutschland erlebe eine Sonderkonjunktur.
Trotz Schwierigkeiten in einzelnen Schwellenländern dürfte auch von den Nettoexporten ein leichter Wachstumsbeitrag ausgehen. Deutschland profitiere 2014 von der Belebung in der Eurozone sowie dem Wachstum in den USA und in China. In diesem Umfeld würden deutsche Unternehmen trotz der Krise in der Ukraine weiterhin sehr optimistisch in die Zukunft blicken.
Das ifo-Geschäftsklima zeige für den April eine Verbesserung der Konjunkturerwartungen an, der Rückgang aus dem Vormonat habe allerdings noch nicht ausgeglichen werden können. Die aktuelle wirtschaftliche Lage werde von den Umfrageteilnehmern sogar noch einmal besser eingeschätzt als in den Vormonaten. Neben dem ifo-Geschäftsklima würden auch die Einkaufsmanagerindices für die deutsche Wirtschaft eine Fortsetzung des eingeschlagenen Wachstumskurses andeuten.
Für die Eurozone würden die Einkaufsmanagerindices ebenfalls eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums anzeigen. Die Inflationsrate für die Eurozone habe sich im April auf 0,7% erhöht. Hierdurch dürfte der Handlungsdruck der EZB kurzfristig abgemildert werden.
Die Inflation im Euroraum habe im April wieder angezogen - allerdings nicht ganz so stark wie von Analysten und wohl auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet.
Das habe die Debatte geschürt, inwieweit die EZB ihre Geldpolitik weiter lockern werde. Wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitgeteilt habe, hätten die Verbraucherpreise im April laut einer Schätzung um 0,7% höher als im gleichen Monat des Vorjahres gelegen. Erwartet worden sei ein Anstieg von 0,8%.
Vor allem die Entwicklungen in der Ost-Ukraine hätten die 10-jährige Bundrendite auf ein neues Jahrestief bei 1,47 Prozent gedrückt, wodurch der bisherige Seitwärtstrend nach unten verlassen worden sei. Solange die Krise in der Ukraine anhalte, dürften deutsche Staatsanleihen als sicherer Hafen weiterhin stark nachgefragt bleiben. Eine nachhaltige Aufwärtsbewegung der Renditen sei nicht in Sicht.
US-amerikanische Treasuries mit 10-jähriger Laufzeit würden sich am unteren Rand eines charttechnischen Seitwärtsbandes bewegen. Das durchaus wahrscheinliche Szenario einer militärischen Eskalation in der Ukraine dürfte aber auch deren Renditen negativ beeinflussen.
Im April seien erneut überwiegend gute Konjunkturnachrichten aus den USA gekommen. Der Bericht vom Arbeitsmarkt habe mit einem Stellenwachstum von 192.000 zwar die Erwartungen leicht verfehlt, allerdings seien die Daten der Vormonate um insgesamt 37.000 Stellen nach oben revidiert worden. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe könne seine Erholung von dem Einbruch zu Beginn des Jahres fortsetzen, und auch der Auftragseingang für langlebige Güter habe sich mit einem Zuwachs um 2,6% vom schwachen Jahresstart erholen können.
Das Bruttoinlandsprodukt der US-Wirtschaft sei im 1. Quartal 2014 nur mit einer annualisierten Rate von 0,1% gewachsen. Damit sei das Wachstum der US-Wirtschaft zum Jahresauftakt zum Stillstand gekommen. Die positiven Konjunkturdaten der letzten Wochen würden die These unterstützen, dass das schwache Wachstum zu Jahresbeginn zu einem Großteil auf das schlechte Wetter zurückgeführt werden könne.
In den nächsten Monaten dürfte die US-Wirtschaft somit wieder auf einen moderaten Wachstumspfad einschwenken. Die FED habe im April ihr Tapering, also die Rückführung ihrer Wertpapierkäufe, fortgesetzt. Ab Mai würden monatlich noch Wertpapiere im Volumen von 45 Milliarden US-Dollar gekauft. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei im April rückläufig gewesen, zuletzt habe sie 2,65% betragen. Die Zinskurve in den USA habe sich ebenso wie in Deutschland verflacht.
In den kommenden Monaten würden die Experten - bei einer Deeskalation der Krise in der Ukraine - durchaus mit leicht steigenden Renditen rechnen. Langlaufende deutsche Staatsanleihen könnten in dieser Phase wieder Richtung zwei Prozent notieren, wodurch eine Normalisierung an den Rentenmärkten eingeläutet werden würde.
Im Zuge der Eurokrise sei viel Geld in Bundesanleihen als Hort der Stabilität geflossen. Wahrscheinlich sei, dass sich die Renditen dem Nominalwachstum annähern würden. Die negativen Realzinsen bei kürzeren Laufzeiten deutscher Staatsanleihen seien im Vergleich zu anderen Ländern hoch. Bei einer Normalisierung würden die Experten einen im Vergleich zu den USA stärkeren Anstieg der Renditen bei Bundesanleihen erwarten, von einer generellen Trendwende am Rentenmarkt könne selbst in diesem Fall aber immer noch nicht gesprochen werden. (Ausgabe Mai 2014) (07.05.2014/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de