Hannover (www.anleihencheck.de) - Nachdem sich EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz im Nachgang der Ratssitzung am 6. März betont unaufgeregt gegeben hatte, gingen einige Marktteilnehmer davon aus, dass die Notenbank womöglich keine weiteren noch expansiveren Maßnahmen ergreifen werde, so die Analysten der Nord LB.
Entsprechend seien sowohl die Geldmarktsätze als auch die Renditen am kurzen Ende der Bundkurve um einige Basispunkte angestiegen. Allerdings sollte man daraus aus Sicht der Analysten noch keine geldpolitische Trendwende ableiten. Vielmehr dürfte vor allem die Deflationsdebatte in den kommenden Wochen weiter an Fahrt gewinnen und damit auch den Handlungsdruck auf die EZB erhöhen.
Die Verbraucherpreise seien im Februar im gemeinsamen Währungsraum lediglich um 0,7% gegenüber dem Vorjahresmonat angestiegen, wie Eurostat am Montag mitgeteilt habe. Dies sei - abgesehen vom Oktober 2013, wo die Teuerungsrate ebenfalls bei 0,7% Y/Y gelegen habe - der niedrigste Wert seit Ende 2009. Damals sei der Rohölpreis infolge der Finanzkrise und der sich abzeichnenden schweren Rezession in vielen Volkswirtschaften regelrecht eingebrochen und habe die Inflationsraten folgerichtig mit nach unten gezogen.
Nun aber befinde sich die Eurozone als Ganzes auf einem moderaten Erholungskurs und dennoch verbleibe der Verbraucherpreisanstieg auf niedrigem Niveau. Und daran werde sich zunächst auch nur wenig ändern. Im laufenden Monat März sei sogar noch einmal mit einem erheblichen Rücksetzer zu rechnen - wenn auch in erster Linie statistisch bzw. kalendarisch bedingt.
Die aufgrund des in diesem Jahr späten Osterfestes im März ausbleibenden und normalerweise preistreibenden Saisoneffekte würden stark entlastend wirken und würden die Inflation künstlich nach unten drücken. Dieser Umstand kehre sich dann zwar im April wieder um, zunächst einmal werde die reine Entwicklung der nackten Zahlen aber zu einer erhöhten Fokussierung auf das Deflationsthema sorgen.
Der derzeitige Höhenflug der europäischen Gemeinschaftswährung werde immer mehr zur Belastungsprobe für die Exportwirtschaft - wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Kurz gesagt: Je schwächer die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaft, desto schwieriger die Eurostärke für die entsprechende Exportindustrie. Mit knapp 1,40 USD handele der Euro so hoch wie seit circa 2,5 Jahren nicht mehr.
Auf einer Veranstaltung in Wien habe Draghi betont, dass der Wechselkurs für die geldpolitische Entscheidungen immer mehr an Bedeutung gewinne. "Jeglichem Risiko" für die Preisniveaustabilität - also auch über eine entsprechende Wechselkursentwicklung - werde man mit zusätzlichen konventionellen wie auch unkonventionellen Maßnahmen begegnen. Die Analysten würden zwar in diesen Worten noch keine Ankündigung einer weiteren Zinssenkung sehen, allerdings würden unkonventionelle Maßnahmen allmählich wieder ein Reichweite kommen. Denkbar wären hier sicherlich zunächst weitere längerfristige Refinanzierungsgeschäfte.
Einige Marktbeobachter würden mit einer Zinssenkung für den Fall rechnen, dass die europäische Gemeinschaftswährung auf über 1,40 USD klettere. Die Analysten würden diesen Schritt allerdings nicht erwarten. Aus Sicht der Analysten sei der derzeitige Wechselkurs kaum gerechtfertigt. Sowohl die konjunkturelle Gemengelage als auch die aktuelle geldpolitische Ausrichtung von EZB und FED würden in der Tendenz für den Greenback sprechen, was auch auf kurze Sicht bereits zu einer Euro-Abwertung führen sollte.
Bundesfinanzminister Schäuble habe in der vergangenen Woche Grund zur Freude gehabt. Die Deutsche Bundesbank habe ihr Jahresergebnis vorgelegt und mit einem Gewinn von etwa 4,6 Mrd. EUR ihr bestes Ergebnis seit 2008 erzielt. Wie im Gesetz verankert, fließe dieser Gewinn nun komplett in den Bundeshaushalt, wo man - gemäß Planung - lediglich von 2,5 Mrd. EUR ausgegangen sei.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe den Gewinnsprung zumindest teilweise auf die Entspannung der europäischen Schuldenkrise zurückgeführt. Die Bestände der riskanten Staatsanleihen in den Bilanzen der Notenbanken seien in diesem Zusammenhang zurückgegangen. Und weil die EZB bzw. die Bundesbank entsprechend ihrem Anteil innerhalb des ESZB diese Staatsanleihen kaum zu einem Kurswert von 100% erworben haben dürfte, würden sich nun entsprechende Kursgewinne ergeben.
Dennoch halte Weidmann die Krise noch nicht für überwunden. Insofern seien auch die Rückstellungen, die in den vergangenen Jahren auf immerhin knapp 15 Mrd. EUR angestiegen seien, nicht aufgelöst worden. "Um die Krise und ihre tiefer liegenden strukturellen Ursachen tatsächlich dauerhaft zu überwinden, sind weiterhin erhebliche Anstrengungen und ein langer Atem nötig", so Weidmann. (19.03.2014/alc/a/a)
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