Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Unruhen in der Ukraine schickten den Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) in dieser Woche zwar auf den höchsten Stand seit Mai vergangenen Jahres, von allgemeiner Krisenstimmung kann aber nicht die Rede sein, so die Deutsche Börse AG.
"Die Ukraine ist schon ein großes Thema", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Negativ auf die europäischen Peripherieländer habe sich das aber nicht ausgewirkt. "Im Gegenteil, die Renditen für Anleihen Italiens, Spaniens oder Portugals sind auf einem Rekordtief."
Nachdem zwischenzeitlich 145,33 Punkten erreicht worden seien, notiere der Euro-Bund-Future als Indikator für langfristige Zinserwartungen am Freitagmittag bei 144,39 Punkten, vor einer Woche seien es 143,72 Punkte gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen würden 1,57 Prozent abwerfen nach 1,69 Prozent am vergangenen Freitag.
"Schenkt man den Rating-Agenturen Glauben, so steuert die Ukraine möglicherweise auf eine Pleite zu und könnte somit zum Griechenland des Ostens werden", erkläre Klaus Stopp von der Baader Bank. Denn nach dem politischen Umsturz und dem damit zusammenhängenden Wegbrechen der Kredite aus Russland werde der Kapitalbedarf für die Ukraine auf rund 35 Milliarden US-Dollar beziffert.
Die Nervosität spiegle sich Brunner zufolge auch in den Kursen ukrainischer Staatsanleihen wider: Ein auf Euro lautendes Papier (ISIN XS0232329879 / WKN A0GGXG) mit Laufzeit bis 2015 sei bis auf unter 84 Prozent gefallen, mit dem Machtwechsel in Kiew wieder auf über 92 gestiegen und notiere aktuell bei 88 Prozent.
Während sich der Euro-Bund-Future in luftigen Höhen bewege, würden neue Bundesanleihen derzeit nicht mehr so gut ankommen: "Bei der neu begebenen 32-jährigen Anleihe (ISIN DE0001102341 / WKN 110234) wurde abermals eine technische Unterzeichnung registriert", berichte Stopp. Für die angepeilten 3 Milliarden Euro seien lediglich Gebote im Volumen von rund 2,8 Milliarden abgegeben worden, bei einer Durchschnittsrendite von 2,53 Prozent. "Im Rahmen der gefühlten Entspannung in den Krisenländern ist die Bereitschaft, Deutschland für lange Laufzeiten zu diesen Konditionen Geld zu leihen, deutlich geringer geworden."
Bereits in der vergangenen Woche sei die Nachfrage nach einer neuen zehnjährigen Anleihe hinter dem Angebot zurückgeblieben. "Das passt eigentlich nicht ins Bild", kommentiere Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. "Die Gesamttendenz, ausgedrückt durch den Euro-Bund-Future, spricht eher für eine hohe Nachfrage nach Bundesanleihen."
Noch deutlicher sei der Zinsrückgang im Übrigen bei Italien. Der Grund: der Hoffnungsträger Matteo Renzi. "Der neue Ministerpräsident strebt eine Reform des italienischen Steuersystems und des Verwaltungsapparates an sowie eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine Lockerung des Kündigungsschutzes", erläutere Annick Kleine von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Am Dienstag konnte das Land bei absolut niedrigen Zinsen 3,5 Milliarden Euro Kapital aufnehmen durch die Auktion einer Nullkuponanleihe mit Laufzeit von zwei Jahren und eines Linkers mit Laufzeit von vier Jahren."
Auch im Geschäft mit Corporate Bonds mache sich die Krise in der Ukraine bemerkbar: Etwa hätten sich Anleger Rainer Petz von Close Brothers Seydler zufolge von Ekotechnika (ISIN DE000A1R1A18 / WKN A1R1A1), der deutschen Muttergesellschaft des führenden Landtechnikhändlers in Russland, getrennt.
Kursgewinne im einstelligen Prozentbereich bei guten Umsätzen habe es der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge in Nachranganleihen (ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC; ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30) der Deutschen Bank gegeben. "Es zeichnete sich ab, dass beide Anleihen nicht durch einen sogenannten regulatorischen Call gekündigt werden", erkläre Kleine. Beide Papiere seien seit Wochen rege gehandelt worden.
Nach der Veröffentlichung schlechter Ergebnisse sowie der Herabstufung des Ratings durch Creditreform von BBB- auf BB sei außerdem die 2016er-Anleihe (ISIN DE000A1H3F20 / WKN A1H3F2) des Autozubehörhändlers Albert Reiff auf Talfahrt gegangen. "Lag die Notierung zunächst noch über pari, sank der Kurs durch den Abgabedruck im weiteren Handelsverlauf unter 90 Prozent."
Abermals unter Druck seien in dieser Woche Anleihen (ISIN DE000A1K0YD5 / WKN A1K0YD) des Düsseldorfer Lebensmittelherstellers Zamek geraten. "Das Unternehmen hat am Dienstag Insolvenz angemeldet", erkläre Petz. "Vorher notierte das Papier bei 35 Prozent, danach - allerdings ohne Stückzinsen - bei 11 bis 12 Prozent."
Stopp zufolge sei unter anderem Fresenius (ISIN XS1013955379 / WKN A1ZB7H) mit Laufzeit bis Februar 2021 und einer Rendite von rund 2,87 Prozent gesucht gewesen, ebenso ABN Amro (ISIN XS0937858271 / WKN A1HLLL), VW Leasing (ISIN XS1014610254 / WKN A0JCCZ) und Deutsche Telekom (ISIN XS0875797515 / WKN A1UDV4).
Gut aufgenommen worden sei eine Neuemission von ThyssenKrupp (ISIN DE000A1R0410 / WKN A1R041) mit Laufzeit bis 2019 und Zinskupon von 3,125 Prozent. "Wegen der Stückelung von 1.000 Euro ist sie auch bei Kleinanlegern sehr beliebt", erkläre Brunner. "Nach anfangs stabilen Kursen hat sie heute einen Satz nach oben auf 100,7 Prozent gemacht." Wie Daniel berichte, habe der Autozulieferer Hella außerdem eine neue Anleihe (ISIN XS1040041649 / WKN A11QCZ) begeben, die Notierung sei heute gestartet. "Richtig attraktiv ist das mit einem Kupon von 1,25 Prozent bei einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren aber nicht." (28.02.2014/alc/a/a)
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