Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1ML4T7 / WKN A1ML4T) des FC Schalke 04 eher für eingefleischte Fans für geeignet.
Im Frühsommer habe der Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 den Kapitalmarkt mit der o.a. Unternehmensanleihe betreten. Das Papier sei mit einem Kupon von 6,75% ausgestattet, laufe noch bis zum 11.07.2019 und weise eine Stückelung von 1.000 EUR auf. Bei einem aktuellen Kurs von 98,98% biete die Anleihe eine jährliche Rendite von 6,94%. Ein Rating der großen Ratingagenturen liege nicht vor, jedoch vergebe die Creditreform ein "BB"-Rating, was Investment-Grade-Status entspreche.
Der FC Schalke 04 zähle zu den größten Fußballvereinen Europas. In der abgelaufenen Saison 2011/12 habe Schalke in der Fußball-Bundesliga den 3. Platz belegt, womit sich der Verein für die wichtige Champions League habe qualifizieren können. Die neu begebende Anleihe richte sich nicht nur an Schalke-Fans, sondern auch an Investoren und Privatanleger.
Die Geschäftsentwicklung von Fußball-Clubs sei für gewöhnlich sehr volatil und primär vom sportlichen Erfolg abhängig. Dank der zuletzt erfolgreichen Saison habe der FC Schalke 04 im letzten Geschäftsjahr den Umsatz um 19,3% auf 224,2 Mio. Euro und das EBITDA um 30% auf 62,1 Mio. Euro steigern können. Der bereinigte Überschuss sei mit 11,8 Mio. Euro ausgewiesen worden.
Jedoch sei der Sportverein aufgrund des Baus der Veltins-Arena hochverschuldet. So betrage die Verschuldung aktuell rund 182 Mio. Euro und das bilanzielle Eigenkapital per 31.12.2011 sei negativ und belaufe sich auf -66,8 Mio. Euro.
Dies seien für seriöse Investoren abschreckende Kennzahlen. Die Einnahmen des FC Schalke 04 würden im Wesentlichen aus Spielertransfers, Fernsehrechten und der Teilnahme am internationalen Wettbewerb bestehen. Hinzu kämen das Ticketing und Catering bei Heimspielen und der Verkauf von Fanartikeln.
In der letzten Woche habe der Sportverein nun seinen Halbjahresbericht vorgelegt. Die Umsatzerlöse hätten sich von 134,8 Mio. Euro auf 77,9 Mio. Euro fast halbiert. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Vorjahreszeitraum durch Rekorderlöse mit dem Transfer von Manuel Neuer sowie hohe TV-Einnahmen durch den DFB-Pokalsieg und die Teilnahme am Halbfinale der UEFA Champions League geprägt gewesen sei. Das EBITDA habe in der ersten Jahreshälfte 5,9 Mio. Euro betragen, gegenüber 49,9 Mio. Euro im Vorjahr. Nach Steuern habe der Fußballklub ein Ergebnis von -21,7 Mio. Euro verzeichnet, im Vergleich zu einem Plus von 22,6 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die Aufwendungen für die Reparatur des Arena-Dachs in Höhe von 4,4 Mio. Euro und die Kosten der Mittelstandsanleihe sollten sich einmalig belastend auf das Ergebnis ausgewirkt haben.
Für das Gesamtjahr 2012 gehe Schalke 04 von einem EBITDA "im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich", das Konzernergebnis nach Steuern werde jedoch negativ sein, weil die Effekte aus der Verkleinerung des Lizenzspielerkaders von 31 auf 26 Spieler noch nicht voll zu Buche schlagen würden. Durch die erneute Teilnahme an der Champions League wolle die Geschäftsführung die Erlöse im zweiten Halbjahr deutlich steigern.
Könne der FC Schalke 04 an die sportlichen Erfolge der letzten Jahre anknüpfen, dürfte es dem Verein auch wirtschaftlich so gut gehen, so dass die Anleihe bedient werden sollte. Sport sei aber wesentlich unberechenbarer als ein spezieller Industriezweig, womit die künftige Geschäftsentwicklung des Sportvereins nur sehr schwer zu prognostizieren sei. Hinzu komme die angespannte Verschuldungssituation, die sich bei sportlichen Misserfolgen dramatisch verschlechtern würde. Und ob es Schalke 04 gelinge, die aktuelle Verschuldung von 182,1 Mio. Euro in den kommenden zehn Jahren wie geplant abzubauen, sei mehr als fraglich. Möglicherweise seien dies auch Gründe dafür gewesen, warum die Anleihe nicht den erhofften Absatz gefunden habe. Von den 50 Mio. Euro seien lediglich 35 Mio. Euro gezeichnet worden und nach der Notierungsaufnahme sei der Kurs bis auf rund 91% gesunken. Inzwischen habe sich der Kurs aufgrund des guten Saisonstarts auf knapp unter Pari erholt.
Insgesamt erscheint den Analysten von Anleihencheck Research das Chance/Risiko-Verhältnis für die o.a. Anleihe des FC Schalke 04 aber weiterhin unvorteilhaft. Lediglich Schalke-Optimisten oder ganz eingefleischte Schalke-Fans könnten ein Investment in Betracht ziehen, obwohl der Kupon mit 6,75% eher unterdurchschnittlich ausfalle. (Analyse vom 02.10.2012) (02.10.2012/alc/a/a)
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