Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.de
17.09.12 16:50
OMT-Programm der EZB rückt Geldpolitik gefährlich nahe an Finanzierung der Staatsfinanzen durch Notenpresse

Vaduz (www.anleihencheck.de) - Mit der Ankündigung von Bondkäufen in unbegrenzter Höhe (OMT-Programm) hat die EZB ein neues Kapitel der Geldpolitik aufgeschlagen, berichten die Analysten der Liechtensteinischen Landesbank.

Im Vordergrund stehe die Rettung des Euro, um Geldpolitik im engeren Sinne gehe es dabei nicht.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 würden die Zentralbanken zu außergewöhnlichen geldpolitischen Maßnahmen greifen, um die Transmission der monetären Impulse in die Realwirtschaft zu verbessern. Die Lancierung des OMT-Programms rücke die Geldpolitik aber gefährlich nahe an die Finanzierung der Staatsfinanzen durch die Notenpresse. Mit Marktverzerrungen lasse sich dieser Schritt jedenfalls nicht begründen. Die Frage der allokativen Effizienz und die damit verbundenen Langfristfolgen für Wachstum und Wohlstand würden hintangestellt. Nutznießer der EZB-Ankündigung seien in den vergangenen Wochen die Märkte der europäischen Peripherie gewesen.

Obwohl die Markteingriffe auf den Laufzeitenbereich bis zu drei Jahren begrenzt bleiben sollten, sei es auch bei 10-jährigen Anleihen zu einem deutlichen Abbau der Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesobligationen und Unternehmensanleihen guter Bonität gekommen. Die Kreditversicherungsprämien hätten sich ebenfalls spürbar ermäßigt.

Der Spread-Rückgang bei Unternehmensanleihen in den vergangenen Jahren sei nicht nur der expansiven Geldpolitik und der Risikofreude der Anleger geschuldet gewesen. Solide Bilanzen, hohe Liquiditätsreserven und die gute Ertragslage der Unternehmen hätten diesen Trend fundamental unterstützt. Ähnliches gelte auch für Emerging Market-Bonds. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hätten die aufstrebenden Volkswirtschaften die große Rezession von 2009 besser überstanden als die Industrieländer. Höhere Wachstumsraten, die nur geringfügig gestiegene Staatsverschuldung und die günstige Leistungsbilanzentwicklung würden das belegen. Seit Jahresbeginn habe sich die wirtschaftliche Dynamik zwar auch in diesen Regionen verlangsamt. Die wirtschaftspolitischen Spielräume dürften jedoch ausreichen, um den Wachstumsvorsprung behaupten zu können.

Die gute ökonomische Performance habe sich unter anderem auch in den Kreditversicherungsprämien (CDS) niedergeschlagen, die inzwischen für viele Schwellenländer tiefer lägen als für Italien oder Spanien. Das Potenzial für einen weiteren Spreadabbau sei deshalb zumindest kurzfristig begrenzt. Es sei allerdings davon auszugehen, dass der Kapitalstrom in Richtung Schwellenländer anhalten werde. Dafür würden neben der lockeren Geldpolitik in Europa und den USA auch strukturelle Argumente sprechen. Die Wirtschaftsleistung der Schwellenländer werde auf der Basis gleichgewichtiger Wechselkurse schon in den kommenden Jahren die Produktion der Industrieländer übertreffen.

Die Kapitalmärkte würden sich entsprechend entwickeln und ihr Anteil in globalen Bondportfolios werde deshalb steigen. Die Schwellenländer seien kein homogener Block. Den unterschiedlichen politischen und ökonomischen Risiken einzelner Länder trage der Anleger deshalb am besten durch eine ausreichende Diversifikation seines Portfolios Rechnung. (Ausgabe September/Oktober 2012) (17.09.2012/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.de