Westerburg (www.anleihencheck.de) - Spanische Staatsanleihen bleiben auch nach dem EU-Gipfel nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research ein riskantes Investment.
Die Kurse spanischer Staatsanleihen stünden weiterhin stark unter Druck. Denn die Euro-Schuldenkrise spitze sich weiter zu. Zuletzt sei mit Zypern ein weiteres Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft. Bereits vor wenigen Wochen habe die Ratingagentur Fitch mit einem deutlichen Downgrade Spaniens von "A" auf "BBB" auf die schwache Verfassung des Landes reagiert. Und auch Moody's habe Mitte Juni das Land von "A3" auf "Baa3" zurückgestuft. Damit stehe Spanien kurz davor, seinen Investment Grade-Status zu verlieren.
Bei seiner heutigen Anleiheemissionen habe Spanien zum Teil erneut Risikoaufschläge hinnehmen müssen. Für eine 10-jährige Anleihe sei ein Kupon von 6,43% gefordert worden. Für die Papiere mit einer Laufzeit von drei bzw. vier Jahren seien rund 5,1% bzw. 5,5% verlangt worden. Immerhin sei das avisierte Ziel von 3 Mrd. Euro erreicht worden. Nach Angabe der spanischen Schuldenagentur sei die Nachfrage robust gewesen. Auch am Sekundärmarkt seien die Renditen für spanische Anleihen wieder gestiegen. Nur kurz habe das Ergebnis des EU-Gipfels für eine Senkung der Risikoaufschläge gesorgt. Inzwischen würden wieder die Zweifel über die Nachhaltigkeit der beschlossenen Maßnahmen überwiegen und spanische Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit würden wieder bei knapp 6,5% rentieren. Vor dem EU-Gipfel seien diese zeitweise über die kritische Marke von 7% angestiegen. Kurz nach dem Gipfel seien sie auf 6,0% gesunken.
Niveaus von knapp unter 7% seien für Spanien nicht lange trag- und finanzierbar. Da das Land aktuell nicht in der Lage sei, aus eigener Kraft den maroden Bankensektor zu unterstützen, sei nun offiziell der Hilfsantrag bei der EU gestellt worden. Der Rettungsschirm EFSF habe bereits im Vorfeld angekündigt, eine Summe von bis zu 100 Mrd. Euro zur Sanierung des Bankensektors zur Verfügung zu stellen. Es bleibe nun zu hoffen, dass diese Gelder ausreichen würden. Denn ansonsten dürfte am Markt die Sorge aufkommen, dass es sich bei Spanien, ähnlich wie bei Griechenland, um ein Fass ohne Boden handle. Zwei unabhängige Gutachten seien bisher zu dem Ergebnis gekommen, dass der spanische Bankensektor Unterstützung von bis zu 62 Mrd. Euro benötige. Auch die Investmentbank J.P. Morgan Cazenove habe 14 spanische Kreditinstitute einem Stresstest unterzogen. Die Investmentbank habe eine Kapitallücke von 87 Mrd. Euro ermittelt.
Bisher sei ungewiss, wie hoch die Milliardenhilfen für den spanischen Bankensektor tatsächlich ausfallen würden. Die EU-Kommission habe aber unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die spanische Regierung das Haushaltsdefizit deutlich senken müsse. Zudem seien Vorschläge unterbreitet worden, wonach die EU-Kommission eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, eine Anhebung des Renteneintrittsalters sowie eine Kürzung der Gehälter der Staatsangestellten fordere. Spanien habe bisher aber nur bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer eingelenkt.
Spanien habe seinen Refinanzierungsbedarf für dieses Jahr zu mehr als der Hälfte gedeckt und müsse nur noch knapp 40 Mrd. EUR am Kapitalmarkt einsammeln. Mit seinen Anleihe-Auktionen im Juli wolle das Land bis zu 20 Mrd. Euro einnehmen. Bisher seien die Auktionen zufriedenstellend verlaufen. Doch vor dem Hintergrund der weiter angespannten Nachrichtenlage könnte es für Spanien dennoch schwer werden, die vollständigen 20 Mrd. Euro zu platzieren.
Trotz der negativen Nachrichtenlage hätten sich die Anleihe-Kurse zuletzt etwas beruhigt. Die Anleihe (ISIN ES00000123K0 / WKN A1GXLB) habe Anfang April noch bei knapp 104% notiert. Aktuell liege der Kurs bei 95,27%. Vor einer Woche habe sich der Kurs auf lediglich rund 92% belaufen.
Die Unsicherheit an den Anleihemärkten bleibe hoch, habe sich in den Tagen nach dem EU-Gipfel aber etwas abgeschwächt. Die eingeleiteten Maßnahmen sollten aber nicht überbewertet werden und es müsse abgewartet werden, ob die angeschlagenen Nationen bei ihrer Haushaltskonsolidierung bald Fortschritte machen würden. Wenig Optimismus versprühe EZB-Präsident Mario Draghi auf der heutigen EZB-Sitzung. Er zeige sich weiterhin besorgt über die weitere Wirtschaftsentwicklung im Euroraum.
Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien dennoch eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein. Die Papiere würden aber weiterhin eher für spekulativ veranlagte Anleger interessant bleiben. (Analyse vom 05.07.2012) (05.07.2012/alc/a/a)
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