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27.06.12 12:55
Rentenmarktausblick für das zweite Halbjahr 2012

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die amerikanische Zehnjahresrendite ist auf 1,45 Prozent gefallen - obwohl die Bundesschulden nahezu 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) betragen, so die Experten von Dexia Asset Management.

Ein Großteil dieses Renditerückgangs lasse sich mit den massiven Stützungsmaßnahmen der FED erklären. 2011 habe die Notenbank fast die Hälfte der neu emittierten langfristigen Staatsanleihen gekauft.

"Mit der Verlängerung der Operation Twist bis zum Jahresende wegen der schwächeren Konjunkturdaten dürfte die Geldpolitik auch weiter extrem expansiv bleiben. Außerdem rechnen wir mit einer weiteren Aufwertung des US-Dollars, insbesondere gegenüber dem Euro", sage Koen Van de Maele, Leiter Renten bei Dexia Asset Management. Die Schuldenkrise und die Rezession im Euroraum könnten den Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 1,20 US-Dollar zurückgehen lassen. Auf kurze Sicht würden die USA europäischen Investoren interessante Diversifikationsmöglichkeiten bieten, denn die Turbulenzen im Euroraum würden weiter anhalten.

Die Möglichkeit von Austritten aus dem Euroraum und die Diskussion über die Umlage der Staatschulden auf die Gemeinschaft dürften auch in den kommenden Monaten für Aufregung sorgen. Für viele Investoren stehe der Austritt Griechenlands - der Grexit - unmittelbar bevor. Die Experten von Dexia Asset Management vertreten hingegen die Auffassung, dass der Ausgang der Juni-Wahlen eher für ein Fortbestehen des Status Quo spreche.

Griechenland müsse sich mit den Geldgebern noch vor Mitte Juli über die Bedingungen für weitere Hilfen einigen, sonst gehe dem Staat das Geld aus. Was genau ein Austritt Griechenlands bedeuten würde, bleibe weiter unklar. Die direkten Kosten dürften mit etwa 4 Prozent des EU-BIPs handhabbar sein. Unberechenbarer seien hingegen die indirekten Kosten durch Dominoeffekte. Zweifellos wäre der Austritt eines Landes ein gefährlicher Präzedenzfall.

Nicolas Forest, Leiter Zinsstrategie von Dexia Asset Management, meine dazu: "Angesichts des Ansteckungsrisikos rechnen wir nicht mit einer sofortigen Vergemeinschaftung der Staatsschulden. Auch wenn immer neue Vorschläge gemacht werden - wie Schuldentilgungsfonds oder Staatsanleihekäufe durch den ESM - glauben wir, dass Eurobonds eher ein Ergebnis der Krise sein werden als eine Voraussetzung ihrer Lösung." In den nächsten Tagen werde es darauf ankommen, dass die Politik intelligente und tragfähige Lösungen finde. Interventionen der Europäischen Zentralbank allein könnten das politische Vakuum nicht füllen.

"Wir beobachten die kurzfristigen Entwicklungen in den Peripherieländern deshalb sehr genau", so Forest. Langfristig dürften die deutschen Bundesanleiherenditen wieder deutlich über 2 Prozent steigen, unabhängig davon, ob die Schulden auf alle Mitglieder umgelegt würden oder der Euroraum auseinander breche.

Der europäische Industrieanleihemarkt werde weiter von der Staatsschuldenkrise und der Unsicherheit über mögliche (klassische und unkonventionelle) Lösungen bestimmt. Trotz der beeindruckenden Rally dieser Assetklasse nach dem Dreijahrestender der EZB zu Jahresbeginn, hätten neue Schwierigkeiten die Risikoprämien seit Anfang April um mehr als 50 Basispunkte steigen lassen. Dazu würden die spanische Bankenkrise, das politische Patt in Griechenland und die schwächeren Konjunkturdaten zählen.

"Wir empfehlen daher Anleihen von Industrieunternehmen mit soliden Fundamentaldaten, einem diversifizierten Geschäftsmodell, hohen Kassebeständen und einem geringen kurzfristigen Refinanzierungsbedarf - wie Vale, VINCI und Veolia Environment. Mit Renditen von fast 3 Prozent haben sie das beste Risiko-Ertrags-Profil", meine Koen Van de Maele, Leiter Renten von Dexia AM.

Interessant seien aber auch viele Unternehmen aus Ländern außerhalb Kerneuropas, etwa Telefónica, Iberdrola und Enel. Auch sie hätten laut Van de Maele gute Fundamentaldaten und zumeist diversifizierte Geschäftsmodelle, ihre Risikoprämien seien vor allem durch die Korrelation zu ihren Herkunftsländern bestimmt. Mit Renditen von 3 Prozent seien auch Kurzläufer interessant. Bei einem mittleren "Break even" von etwa 150 Basispunkten würden Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von ein bis drei Jahren auch bei einem Anstieg der Risikoprämien einen ausreichenden Puffer bieten. Aber auch der überdurchschnittliche Anteil der Risikoprämien am Gesamtertrag (90 Prozent) spreche für eine gute zukünftige Wertentwicklung.

"In diesem Marktsegment halten wir sowohl Industrieanleihen als auch erstrangiges Bankkapital für interessant, das von den neuen Plänen für das Fremdkapital von Problembanken nicht betroffen sein wird", so Van de Maele. Schließlich würden die Dollar-denominierten Papiere vieler Emittenten (wie Veolia und BNP) nahezu 200 Basispunkte höhere Renditen als die Euro-denominierten Titel - und damit zusätzliches Ertragspotenzial bieten. (27.06.2012/alc/a/a)



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