Boston (www.anleihencheck.de) - "Investoren im Bereich High Yield müssen derzeit durch ein komplexeres Umfeld navigieren, doch die Fundamentaldaten bleiben robust und die Einkommensperspektiven weiterhin attraktiv", schreiben Scott Roth, CFA, Head of Global High Yield und Chris Sawyer, Head of European High Yield bei Barings in ihrem aktuellen Fixed-Income-Quartalsausblick.
Obgleich die Märkte eine ganze Reihe von Risikoereignissen hätten verkraften können, erfordere das derzeitige Umfeld Disziplin statt Selbstzufriedenheit.
Das Jahr habe unter der Erwartung eines günstigen Wachstums- und Politikmixes begonnen, doch die Rahmenbedingungen hätten sich rasch geändert.
- Geopolitische Risiken seien in den Vordergrund gerückt, wobei der Krieg im Iran Volatilität bei den Energiepreisen erzeugt habe und Unsicherheit hinsichtlich Inflation und globalem Wachstum zurückgebracht habe.
- Künstliche Intelligenz und Software-Neupositionierungen würden wichtige Themen bleiben, seien aber den breiteren makroökonomischen Fragen aus Geopolitik und Regierungsarbeit untergeordnet.
- Regionale Dynamiken würden divergieren. Europa scheine strukturell empfindlicher gegenüber energiebedingter Inflation und politischen Beschränkungen zu sein, während die USA stärker auf technologiebedingte Stimmungsschwankungen reagieren würden.
Vor diesem Hintergrund hätten sich High-Yield-Anleihen und -Kredite gut gehalten. Statt einer breiten Kapitulation hätten die Märkte einzelne Schwächephasen erlebt, wobei sich die Spreads nur schrittweise ausgeweitet hätten, im Verhältnis zum Ausmaß und der Häufigkeit der Risikoereignisse.
Fundamentaldaten: Stabil, mit punktuellen Belastungen
Die Fundamentaldaten hochverzinslicher Anleihen stünden auf soliden Füßen, auch wenn das makroökonomische Umfeld zunehmend unbeständig geworden sei.
Der heutige Markt weise eine qualitativ hochwertigere Kreditzusammensetzung auf als in früheren Zyklen, wobei Emittenten mit BB-Rating einen großen Teil des Anlageuniversums ausmachen würden und das Engagement in den am stärksten belasteten CCC-Segmenten relativ begrenzt sei. Diese Zusammensetzung habe zur allgemeinen Marktstabilität beigetragen und dürfte auch weiterhin einen Puffer gegen Volatilität bieten.
Die Gewinne hätten sich im Allgemeinen gut gehalten, gestützt durch eine robuste Nachfrage und die anhaltende Preissetzungsmacht der Unternehmen.
Die Bilanzen würden weiterhin durch überschaubare Zinsbelastungen und Verschuldungsgrade gestützt.
Davon abgesehen nehme die Streuung zu.
Einige zyklische Branchen, darunter Baustoffe und Chemie, würden zunehmend unter Druck geraten, nachdem sie in Zeiten reger M&A-Aktivitäten höhere Schulden aufgenommen hätten.
In den USA stünden ausgewählte Softwareanbieter weiter im Fokus, da der Wettbewerbsdruck anhalte und der Markt daran arbeite, potenzielle KI-bezogene Risiken für langfristige Geschäftsmodelle einzupreisen.
Dennoch würden diese Bereiche nur einen bescheidenen Anteil am gesamten High-Yield-Markt ausmachen, was ihre Auswirkungen auf Indexebene begrenze.
Technische Faktoren: Angesichts wechselnder Eigentumsverhältnisse ausgeglichen
Die technischen Marktfaktoren hätten sich als widerstandsfähiger erwiesen, als die Schlagzeilen vermuten lassen würden. Die Primärmärkte würden offen – sowohl für Anleihen als auch für Kredite – bleiben, wobei das Volumen der Neuemissionen so bemessen sei, dass sich die Einstiegsmöglichkeiten verbessert hätten, ohne die allgemeine Marktstabilität zu beeinträchtigen.
Ein bemerkenswertes Merkmal des aktuellen Umfelds sei das sich entwickelnde Wechselspiel zwischen öffentlichen und privaten Kreditmärkten. Während Rückzahlungen bei bestimmten, nicht börsengehandelten privaten Kreditvehikeln Bedenken hinsichtlich möglicher Ausstrahlungseffekte auf liquide Märkte ausgelöst hätten, hätten die Experten keine Zwangsverkäufe beobachtet. Und es gebe auch keine Anzeichen dafür, dass die Performance breit syndizierter Kredite negativ beeinflusst worden sei. Tatsächlich habe sich die Performance von Konsortialkrediten seit Jahresbeginn im März verbessert. Vielmehr seien die Auswirkungen subtiler gewesen – zum Beispiel seien private Kreditvehikel, die historisch in Zeiten der Volatilität als Käufer eingesprungen seien, nun weniger stetige Nachfrager gewesen.
Bei Krediten stünden CLOs weiterhin im Mittelpunkt. Da CLOs sowohl den Bestand als auch die zusätzliche Nachfrage dominieren würden, reagiere die Preisbildung zunehmend empfindlich auf Zulassungskriterien, die mit Ratings, Sektoren und Transaktionsstrukturen zusammenhängen würden. Dies habe zu anhaltendem Druck auf bestimmte Kredite mit einem Rating von "B" oder "CCC" geführt, wodurch die Preise zeitweise unter das Niveau gefallen seien, das die Fundamentaldaten als fair erscheinen lassen würden. Diese Dynamik habe zwar zu einer größeren Streuung geführt, spiegele jedoch größtenteils strukturelle Zwänge wider und nicht eine allgemeine Verschlechterung der Kreditqualität.
Wo sich Chancen abzeichnen
Vor dem Hintergrund einer ungleichmäßigen Neubewertung an den Kreditmärkten würden Chancen zunehmend durch den relativen Wert, die Positionierung in der Kapitalstruktur und die Kreditauswahl bestimmt und weniger durch ein breites Marktengagement. Die jüngste Widerstandsfähigkeit des Marktes habe die Dringlichkeit, wahllos Risiko aufzunehmen, verringert, sodass Geduld und Selektivität an Bedeutung gewonnen hätten. Sowohl Anleihen als auch Kredite würden attraktive Eigenschaften bieten, wobei sich die überzeugendsten Chancen dort ergäben, wo die jüngsten Kursbewegungen eher technische oder makroökonomische Belastungen widerspiegeln würden als eine Verschlechterung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten.
Hochzinsanleihen: Qualität auf attraktivem Niveau
Höhere Staatsanleiherenditen und Phasen der Volatilität hätten die Gesamtrenditen in die Höhe getrieben, wodurch sich die Erträge selbst in den qualitativ hochwertigeren Marktsegmenten verbessert hätten, während die Duration weiterhin relativ moderat bleibe.
Diese Neujustierung habe es Anlegern ermöglicht, selektiver vorzugehen, wodurch die Notwendigkeit verringert worden sei, in niedrigeren Qualitätsklassen nach Rendite zu suchen.
BB- und ausgewählte Single-B-Anleihen würden hervorstechen, insbesondere Emittenten mit tragfähigen Geschäftsmodellen, überschaubarem Verschuldungsgrad und klarer Refinanzierungsperspektive.
Zusammen würden diese Segmente eine attraktive Kombination aus Erträgen und Widerstandsfähigkeit gegenüber Kursrückgängen bieten, während sich die Märkte an die anhaltende Unsicherheit anpassen würden, und so Chancen zur Verbesserung der Portfolioqualität schaffen, ohne dabei auf Erträge verzichten zu müssen.
Leveraged Loans: Erträge und struktureller Schutz
Loans würden aufgrund ihrer vorrangig besicherten Position in der Kapitalstruktur und ihrer variabel verzinslichen Kupons attraktiv bleiben, was weiterhin hohe laufende Erträge bei begrenzter Sensitivität gegenüber Zinsbewegungen bedeute.
In einem Markt, der von CLO-getriebener Differenzierung geprägt sei, würden sich Chancen zunehmend auf Emittentenebene und weniger durch ein breites Engagement bieten. Kredite, die aus strukturellen oder Zulassungsgründen außerhalb der CLO-Parameter lägen, könnten trotz stabiler Fundamentaldaten mit Abschlägen gehandelt werden, was ausgewählte Chancen für Anleger schaffe, die in der Lage seien, Kreditrisiken auf Einzelfallbasis zu bewerten.
Wie gehe es weiter mit High Yield?
Der High-Yield-Markt bewege sich in einem komplexeren Umfeld als zu Jahresbeginn erwartet, geprägt von geopolitischer Unsicherheit, sich verändernden Zinserwartungen und sektorspezifischen Herausforderungen. Während das Wachstum – insbesondere in den USA – robust geblieben sei, schienen sich die Inflationsrisiken eher zu verstärken als abzuschwächen, was die Zinsvolatilität an den Rentenmärkten verstärke. Trotz dieser Gegenströmungen würden die Kernmerkmale des Marktes intakt bleiben: relativ starke Bonität, begrenzte Ausfälle und attraktive Erträge.
Gleichzeitig nehme die Streuung zu. Die Chancen in Zukunft dürften weniger durch das allgemeine Beta als vielmehr durch die Fundamentaldaten der Emittenten und strukturbezogene Entwicklungen bestimmt werden. Optionalität und Flexibilität zu wahren bleibe entscheidend. Es würden sich wohl attraktive Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Doch um sie zu nutzen, seien aktive Beobachtung, disziplinierte Kreditauswahl und die Bereitschaft erforderlich, Kapital entschlossen einzusetzen, wenn sich die Volatilität in klareren Marktverwerfungen niederschlage. (17.04.2026/alc/a/a)
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