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17.04.26 09:02
Öl, Dollar, Spreads: So verändert der Iran-Krieg den Anleihemarkt

Dublin (www.anleihencheck.de) - Das Jahr begann für Anleiheinvestoren vielversprechend: Die sinkende Inflation nährte Hoffnung auf niedrigere Zinsen, und die Anleiherenditen gingen zurück, so Daniel Loughney, Anleihechef bei Mediolanum International Funds.

Im März habe der Iran-Konflikt die Märkte jedoch auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Der Ölpreis sei in die Höhe geschossen, die Erwartungen an die Geldpolitik seien neu justiert worden, die Anleiherenditen seien gestiegen und risikoreiche Anlagen hätten nachgegeben. Anleger sollten ihren Blick nun auf die langfristigen Auswirkungen richten und dabei auch Themen berücksichtigen, die zuletzt weniger in den Schlagzeilen zu finden gewesen seien.

Langfristige Auswirkungen rückten in den Fokus

Auch wenn der Konflikt gelöst werde, dürfte dies einige Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin müssten sich Anleger auf weitere Schwankungen einstellen. Die Entwicklung an den westlichen Märkten sei bislang vor allem durch die Auswirkungen des Ölpreises auf die Inflation sowie durch eine restriktive Geldpolitik und höhere Renditen bestimmt worden. Nun richte sich der Blick auf die langfristigen Folgen für das globale Wachstum.

Eine Lösung innerhalb des nächsten Monats werde die Rohstoffmärkte beruhigen und die Ölpreise sinken lassen. Zwar würden die kurzfristigen Inflationseffekte spürbar bleiben, sodass die Zentralbanken vorerst an ihrem restriktiven Kurs festhalten dürften. Insgesamt sollten jedoch die Wachstumssorgen überwiegen. Dies spreche im Laufe des Quartals für rückläufige Anleiherenditen. In Ländern wie Frankreich, die bereits fiskalische Schwächen aufwiesen, dürfte die Zinskurve steiler werden. Staaten mit solideren Haushalten, wie beispielsweise Irland, dürften dagegen outperformen.

Starker Dollar: Belastung für Japan und Schwellenländer

Der US-Dollar bleibe stabil und profitiere im Zuge des Konflikts im Nahen Osten von einer moderaten Nachfrage nach sicheren Häfen. Gegenüber dem japanischen Yen habe der US-Dollar erneut ein jüngstes Hoch von rund 160 Yen je US-Dollar erreicht - ein Niveau, bei dem die japanischen Behörden bereits mit Interventionen gedroht hätten. Die Kombination aus nachlassenden geopolitischen Spannungen und der Angst vor einer Währungsintervention dürfte dazu führen, dass der US-Dollar gegenüber dem Yen wieder nachgebe.

In den Schwellenländern weckten die Risiken einer globalen Wachstumsschwäche zunehmend Bedenken hinsichtlich der für Anleihen relevanten Fundamentaldaten, insbesondere mit Blick auf die öffentlichen Finanzen. Vor diesem Hintergrund würden sich die Spreads etwas ausweiten – vor allem in Ländern, die von Energieimporten abhängig seien, wie etwa den Philippinen. Sollte der US-Dollar wie erwartet nachgeben, dürften sich Schwellenländeranleihen in Lokalwährung besser entwickeln als Titel in Hartwährung. Gerade brasilianische Lokalwährungsanleihen seien hier besonders attraktiv, da das Land relativ energieunabhängig sei und die Inflation sinke.

Private Credit im Stresstest

Abseits der geopolitischen Schlagzeilen rückten auch andere relevante Themen in den Fokus. Zunehmende Besorgnis gelte dem Private-Credit-Markt. Nach dem Zusammenbruch des US-amerikanischen Autoteileherstellers First Brands und des Autohändlers und Kreditgebers Tricolor im Oktober vergangenen Jahres stehe diese Anlageklasse nun vor ihrem ersten echten Stresstest. Dabei gehe es weniger um Einzelfälle als um potenzielle strukturelle Schwachstellen, denn Private Credit unterliege weitaus geringerer Regulierung und Aufsicht als das traditionelle Bankensystem.

Institutionelle Anleger hätten ihr Engagement im Private-Credit-Segment in den vergangenen zehn Jahren erheblich ausgeweitet. Auch wenn kein systemisches Risiko zu erwarten sei, dürften die Folgen vor allem Lebens- und Rentenversicherer sowie die Vermögensverwaltungsbranche als Ganzes treffen. Insbesondere jene Segmente des Anleihenmarktes könnten unter Druck geraten, die auf die Finanzierung durch Private Credit angewiesen seien – etwa Softwareunternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf für riesige Rechenzentren und KI-Projekte.

Hochzinsanleihen attraktiv

Die Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen lägen nach wie vor nahe historischer Tiefststände. Vor diesem Hintergrund dürften ein schwächeres Wirtschaftswachstum und Bedenken rund um den Private-Credit-Markt zu einer Ausweitung der Spreads führen. Aus diesem Grund seien Hochzinsanleihen aus dieser Sicht attraktiver als Investment-Grade-Anleihen: Die höhere Gesamtrendite biete einen besseren Puffer gegenüber einer möglichen Ausweitung der Spreads. Gleichzeitig dürften die Ausfallrisiken begrenzt bleiben - dank solider Fundamentaldaten wie einer hohen Zinsdeckung und hohen Liquiditätsbeständen. (17.04.2026/alc/a/a)


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