Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Spekulationen über die Leitzinsentwicklung in den USA und eine mögliche Eskalation des Iran-Konflikts bestimmen den Anleihemarkt, so die Deutsche Börse AG.
"Äußerungen diverser Fed-Vertreter sowie das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung machen deutlich, dass es die Zentralbank nicht eilig habe, die Zinsen zu senken", berichtet Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Die Zinssenkungserwartungen hätten sich daher leicht abgeschwächt. Nach den jüngsten Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran würden sich unterdessen Hinweise auf einen eventuellen Krieg häufen.
Zehnjährige Bundesanleihen würden am Freitagmittag mit 2,74 Prozent rentieren, nach 2,77 Prozent in der Vorwoche. Im Januar und Anfang Februar seien es noch zeitweise 2,9 Prozent gewesen. Die Rendite von US-Treasuries liege aktuell bei 4,07 Prozent, nach über 4,30 Prozent vor einigen Wochen.
In Japan habe sich der Renditeanstieg nicht fortgesetzt, wie Helaba-Analyst Ulf Krauss feststellt. Dabei sei die als ausgabenfreudig geltende Premierministerin mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden. "Es ist allerdings bereits viel Negatives eingepreist", meine er. "Der Renditerückgang in Japan wurde an den weltweiten Anleihemärkten mit Erleichterung aufgenommen", erklärt Arthur Brunner von der ICF Bank.
Daneben gehe es weiter um die US-Leitzinsen. "Die US-Zinshoffnungen haben sich zuletzt nach hinten geschoben", erklärt Tim Oechsner von der Steubing AG. Nun werde erst für Juli mit einem ersten Zinsschritt gerechnet. Im Euroraum sehe es vorerst nach keiner Veränderung aus. "Kommentare der EZB-Ratsmitglieder lassen auf Zufriedenheit schließen bezüglich der aktuellen Zinssituation."
Gefragt seien Brunner zufolge diese Woche EU-Anleihen, die im Oktober dieses Jahres fällig seien und bei einem Kurs von 100,44 Prozent mit 2 Prozent rentierten (EU000A3K4D82). "Das wird wohl als Alternative zu Tagesgeld gesehen", vermute er.
Im Handel mit Unternehmensanleihen seien bekannte Namen gesucht. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet anhaltende Käufe für Mercedes-Benz mit Fälligkeit 2031 (DE000A3LH6U5) und aktuell 2,88 Prozent. Die enttäuschende Prognose der Deutschen Pfandbriefbank für 2026 habe Daniel zufolge zu Kursverlusten in der bis 2028 laufenden Anleihe mit 3,25 Prozent-Kupon (DE000A382665) geführt. "Der Kursrückgang wird aber zum Einstieg genutzt", ergänze er. Der unter anderem wegen hoher Ausfälle im US-Geschäft kriselnde Immobilienfinanzierer sehe auch 2026 noch keine echte Wende.
Bei hochverzinslichen Anleihen herrsche derzeit Kaufzurückhaltung, wie Brunner feststelle. Deutlich nach unten sei es für den Solar- und Windkraftentwickler SoWiTec (DE000A30V6L2) gegangen. "Nachrichten dazu gab es nicht, Auslöser war ein größerer Verkauf." Etwas verloren habe auch die Werder Bremen-Anleihe, die aber immer noch zu 102 Prozent gehandelt werde (DE000A4DFGZ7). "Die schlechte Tabellenplatzierung könnte der Grund für Verkäufe sein", meine Brunner. Gut nachgefragt bleibe hingegen Katjes International mit 6,75 Prozent-Kupon bis 2028 (NO0012888769).
Wie in den Vorwochen kämen Bonds in australischen Dollar gut an. Daniel melde viel Interesse an einer bis 2031 laufenden Anleihe der KfW (AU3CB0330207), die aktuell mit knapp 4,8 Prozent rentiere. (Ausgabe vom 20.02.2026) (23.02.2026/alc/a/a)
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