Wien (www.anleihencheck.de) - Vor dem Hintergrund der trumpschen Einflussnahme wurde die Sitzung der Federal Reserve zum logischen Fixpunkt der Woche, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Der Leitzins sei nach drei Senkungen zuletzt wie erwartet unverändert in der Spanne von 3,5% bis 3,75% geblieben. Spannender als die Entscheidung selbst sei aber die Frage gewesen, wer Jerome Powell ab Mai als Fed-Chef folge. Mittlerweile habe US-Präsident Trump bekannt gegeben, dass er sich für den früheren Fed-Governor Kevin Warsh entschieden habe.
Im Zentrum der laufenden Woche stehe die EZB-Sitzung am 4. und 5. Februar, zumal der Euro erstmals seit mehr als vier Jahren wieder die Marke von USD 1,20 überschritten habe. Ein stärkerer Euro wirke für Europa wie ein zweischneidiges Schwert. Er dämpfe zwar die importierte Inflation, belaste aber Exporte und Gewinnmargen. Entsprechend werde der Markt sehr genau auf Tonalität und Prioritäten achten, zumal aus dem EZB-Umfeld bereits zu hören gewesen sei, dass der Wechselkurs als Einflussfaktor mitbeobachtet werde.
Die Gesamtinflation in der Eurozone solle den Erwartungen der Analysten der RBI zufolge im Januar 1,7% p.a. erreichen, mit einer Kerninflationsrate bei 2,2% - jeweils eine Abschwächung gegenüber den Dezemberwerten. Die Gesamtinflation werde nach wie vor hauptsächlich von den Energiepreisen geprägt, deren Preisdynamik weiterhin volatil sei. Für die Energiekomponente würden die Analysten der RBI einen Rückgang von 4,0% im Jahresvergleich prognostizieren, ein stärkerer Rückgang als im Dezember (1,9%). Die Kerninflation dürfte sich dem 2%-Ziel der EZB annähern, was auf einen nachlassenden zugrundeliegenden Preisdruck hindeute. Die Inflationsdaten für Januar seien aus zwei Gründen bedeutend. Eurostat werde die jährlichen Gewichtungen im Warenkorb aktualisieren - eine Anpassung, die zu Jahresbeginn häufig Auswirkungen auf die Dynamik einzelner Subkomponenten habe. Zudem würden viele verbrauchernahe Kategorien im Januar neu bepreist, was die Volatilität verstärke. Eurostat werde außerdem eine überarbeitete COICOP-Klassifikation einführen und erweitere die Struktur von 12 auf 13 Kategorien. Diese Änderung sei zwar analytisch nützlich, sie werde jedoch weder das Niveau noch die Prognose der Gesamtinflationsrate beeinflussen.
Die US-Notenbank Fed habe sich zu Beginn des Jahres für unveränderte Leitzinsen entschieden, nachdem sie Ende 2025 dreimal die Zinsen gesenkt habe. Die Risiken für den Arbeitsmarkt hätten sich etwas entspannt, während die Inflation immer noch erhöht sei. Deshalb habe die Fed die Leitzinsen auf einem leicht restriktiven Niveau belassen - aktuell zwischen 3,5% und 3,75%. Die Analysten der RBI würden denken, dass die Fed ihren Zinssenkungszyklus wieder aufnehmen werde, sobald die "Zollinflation" Mitte des Jahres nachlasse. Wie oft die Zinsen gesenkt würden, hänge aber auch davon ab, wer im Mai die Nachfolge von Powell antrete. Powell sei nach der Fed-Sitzung bemüht gewesen, sich aus der Politik rauszuhalten. Die im Januar veröffentlichte Video-Stellungnahme zur versuchten Einflussnahme bleibe somit die Ausnahme und markiere keinen Richtungsschwenk des aktuellen Fed-Vorsitzenden.
Am US-Zinsmarkt habe die Fed-Sitzung wenig Bewegung ausgelöst. Bereits im Vorfeld hätten sich Investoren hinsichtlich einer hawkischeren Ausrichtung der US-Notenbank positioniert, sodass der Anpassungsbedarf gering gewesen sei. Die Erwartungen seien erfüllt worden, was aber auch zu einer gewissen Stabilität beigetragen habe, welche vor allem für die Währung im aktuellen Umfeld wichtig erscheine. EUR/USD habe zuletzt deutlich zugelegt und die 1,20-Marke erreicht. Die politische Eskalation rund um Grönland, aber auch Spekulationen um Währungsinterventionen in Japan, hätten eine breite US-Dollar-Schwäche ausgelöst. Solide Konjunkturdaten aus den USA und Aussichten auf eine anhaltende Zinspause der Fed könnten dem Aufwärtstrend bei EUR/USD aber vorerst Einhalt gebieten.
Am europäischen Zinsmarkt hätten Äußerungen einiger EZB-Ratsmitglieder zuletzt im Mittelpunkt gestanden. Große Aufmerksamkeit sei einem Interview der FT mit OeNB-Gouverneur Kocher geschenkt worden, der EZB-Zinssenkungsrisiken angesprochen habe, sollte sich die jüngste EUR/USD-Entwicklung fortsetzen. In dieselbe Kerbe habe auch der BdF-Präsident Villeroy geschlagen, sodass man von einer leichten verbalen Intervention sprechen könne, die wohl auch zur Stabilisierung des Wechselkurses beigetragen habe. Auf der dieswöchigen EZB-Sitzung würden diese Überlegungen wohl noch genauer ausgeführt, an den Leitzinsen werde man aber Anfang Februar nichts verändern und auch keine bevorstehenden Zinssenkungen signalisieren.
Am Zinsmarkt hätten die Äußerungen der Notenbanker Renditerückgänge vor allem am kurzen Ende der Bund-Kurve begünstigt. EZB-Zinssenkungen würden aber dennoch in keinem nennenswerten Ausmaß gepreist und stabile Leitzinsen im Jahr 2026 würden weiterhin den breiten Konsens darstellen. Auch am langen Ende der Renditekurve habe der Aufwärtsdruck der Vorwoche pausiert, womit der Bund einer globalen Entwicklung gefolgt sei. Der japanische Bond-Markt, welcher in der Vorwoche unter der Verlautbarung vorgezogener Neuwahlen gelitten habe, habe sich stabilisiert und auch am US-Treasury-Markt habe sich das "Sell-America-Narrative" wieder etwas gelegt. (Ausgabe vom 30.01.2026) (02.02.2026/alc/a/a)
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