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23.12.25 10:00
Ausblick 2026: Was Experten von Anleihen erwarten

Wien (www.anleihencheck.de) - Bei langlaufenden Anleihen hat das Jahr 2025 Renditesprünge nach oben gebracht, wie es sie am Rentenmarkt nur selten gibt, spiegelbildlich brachen die Kurse der Zinspapiere zeitweise regelrecht ein, so die Experten von "FONDS professionell".

Investoren würden mit zunehmendem Argwohn auf die wachsenden Schulden der Staaten schauen. Teilweise müssten bonitätsstarke Unternehmen für ihre Bonds inzwischen weniger Zinsen bieten als für die Staatsanleihen ihrer Heimatländer gefordert würden.

Anleger hätten in den vergangenen zwölf Monaten trotz aller Turbulenzen teils ansehnliche Erträge in den verschiedenen Bereichen des Anleihenmarktes einfahren können. Die schwächelnde US-Währung habe es allerdings jenen schwer gemacht, die ohne Wechselkursabsicherung in Dollar-Zinspapiere investiert hätten.

Wie gehe es 2026 am Rentenmarkt weiter? Welche Anleihensegmente seien nach Ansicht der Experten von Fondsgesellschaften und Banken am aussichtsreichsten? FONDS professionell ONLINE habe zentrale Aussagen aus ausgewählten Ausblicken zusammengestellt.

Chris Iggo, Chief Investment Officer Core Investments, Axa IM:

"Die lockerere Geldpolitik 2026 dürfte Anleihen helfen, aber Risiken bleiben. Wachsende Staatsschulden könnten in manchen Ländern zu Kursverlusten führen, und Deutschlands ehrgeiziges Ausgabenprogramm dürfte das Emissionsvolumen steigen lassen. Das höhere Angebot könnte den Kursen schaden. Mit Unternehmensanleihen hat man 2025 verdient, und die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben auch im neuen Jahr stabil. Die engen Spreads, also die geringen Zinsaufschläge gegenüber Staatsanleihen, könnten das Potenzial von Investmentgrade- und High-Yield-Titeln aber begrenzen. Nicht auszuschließen sind Mindererträge von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen. Dennoch bleibt das Umfeld insgesamt gut. Die Renditen sind attraktiv, die Fundamentaldaten solide."

Johannes Mayr, Chefvolkswirt, Eyb & Wallwitz:

"Bei Anleihen bleibt das Umfeld herausfordernd, aber chancenreich: Attraktive Renditeniveaus und steilere Kurven eröffnen Rolldown-Potenzial, wobei eine Umschichtung von langlaufenden Staatsanleihen in Unternehmensanleihen mit solidem Carry-Profil sinnvoll erscheint."

Maksim Hrupin, Senior-Portfoliomanager, Bantleon:

"Auch das Jahr 2025 hat die Bedeutung von Durationsmanagement gezeigt: Während der Gesamtmarkt für EUR-Investment-Grade-Anleihen moderate Erträge erzielte, konnten insbesondere Unternehmensanleihen ohne Finanzwerte sowie mittlere Laufzeiten überzeugen. Die Versteilerung der Zinskurve belastete hingegen lang laufende Anleihen erheblich. Die Geldpolitik von Fed und EZB sowie geopolitische Entwicklungen, etwa in der Ukraine, bleiben im Jahr 2026 ein zentraler Einflussfaktor für die Anleihenrenditen. Insgesamt spricht das Umfeld weiterhin für eine Übergewichtung mittlerer Laufzeiten, ergänzt um selektive Engagements in längeren Laufzeiten, wenn diese wieder attraktive Renditen bieten."

Bernard Lalière, Head of Credit, und Marc Leemans, Fondsmanager, DPAM:

"Wenn die Fundamentaldaten solide und die technischen Bedingungen günstig bleiben, könnten die Spreads von Investment-Grade- und Hochzinsanleihen über einen längeren Zeitraum innerhalb einer bestimmten Bandbreite verharren. Zu bevorzugen sind ausgewählte Emittenten mit starken Bilanzen, moderater Verschuldung, geringem Refinanzierungsbedarf und Wachstumschancen, die nicht zyklischen Schwankungen unterliegen. Angesichts der engen Spreads kann sich ein einziges negatives Ereignis direkt auf die Bewertungen auswirken. Der Spielraum für eine weitere Straffung ist dagegen eng begrenzt. Das Gesamtbild ist dennoch positiv: Starke Fundamentaldaten, stetiges Wachstum, diszipliniertes Unternehmensverhalten und günstige technische Faktoren deuten darauf hin, dass sich Unternehmensanleihen im neuen Jahr als stabil und widerstandsfähig erweisen werden."

Marcus Zasada, Managing Director Traditional Investments, Feri:

"Die erratische und stark national orientierte Politik der US-Regierung hat bereits 2025 Kapitalabflüsse und eine US-Dollar-Abwertung von über zehn Prozent gegenüber dem Euro ausgelöst – eine Bewegung, die sich auch im neuen Jahr strukturell fortsetzen dürfte, wenngleich mit geringerer Dynamik." Diese Abwertung wird Zasada zufolge in Zyklen und Schüben verlaufen: "Aktives Management ist entscheidend, um in den jeweiligen Phasen gut positioniert zu sein." Daraus ergebe sich ein ambivalentes Bild für US-Staatsanleihen. Zwar könnte die konjunkturelle Abkühlung infolge der Importzölle das Renditeniveau dämpfen und temporär Kursgewinne ermöglichen. Die Risiken aber nehmen zu: "Der massive Schuldenanstieg und die Sensitivität des Marktes gegenüber politischen Schocks belasten vor allem das lange Laufzeitende." In Kombination mit einem abwertenden US-Dollar entstehe für internationale Investoren ein doppeltes Risiko – Währungsverluste und mögliche Kursrückgänge. Das mache den US-Rentenmarkt 2026 zu einem relativ unattraktiven Markt, in dem aktive Durationsteuerung und Währungsabsicherung untrennbar zusammengehörten.

Daniel Kerbach, Chief Investment Officer, Bayerninvest:

"Anleihen bleiben im Umfeld moderat sinkender US-Zinsen attraktiv. Dabei erscheinen kurze bis mittlere Laufzeiten von drei bis fünf Jahren sowie Investment-Grade-Unternehmensanleihen – getragen von Carry, Kupons und soliden Bilanzen – sinnvoll."

Oliver Reinhard, Head Developed Markets, Fisch Asset Management:

"Investment-Grade-Anleihen überzeugen durch attraktive Bewertungen, geringere Volatilität und solide Fundamentaldaten, während High-Yield-Anleihen mit hohen Renditeniveaus und einer verbesserten Kreditqualität punkten. Sollte es keinen Einbruch der Weltwirtschaft geben, dürften HY-Anleihen gut abschneiden. Qualitativ hochwertige Titel sind selbst für eine milde Rezession gut aufgestellt. Herausforderungen könnten Emittenten niedriger Qualität aufgrund des weiterhin erhöhten Zinsniveaus bekommen, weshalb wir in diesem Segment leicht defensiv positioniert bleiben. Im Vergleich zu Staatsanleihen wirken Unternehmensanleihen weiterhin attraktiv bewertet – vor allem angesichts der robusten Fundamentaldaten, der gesunkenen Zinsvolatilität und der im historischen Vergleich hohen Realrenditen. Unternehmensanleihen bleiben damit 2026 ein Kernbaustein für renditeorientierte Portfolios – mit soliden Fundamentaldaten und einem ausgewogenen Verhältnis von Risiko und Ertrag."

Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer, Deutsche Apotheker- und Ärztebank:

"US-Staatsanleihen dürften in der ersten Jahreshälfte von Zinssenkungen profitieren und werden übergewichtet, allerdings wird der US-Dollar dabei abgesichert. Europäische Staatsanleihen bieten Stabilität, aber nur moderates Renditepotenzial. Schwellenländeranleihen zeigen aufgrund hoher realer Renditen und verbesserter geldpolitischer Rahmenbedingungen in Verbindung mit einem weiter schwächeren US-Dollar ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Profil und bleiben übergewichtet. Unternehmensanleihen werden neutral eingestuft, da der hohe Finanzierungsbedarf – insbesondere für IT- und KI-Investitionen – eine Spreadausweitung begünstigen könnte."

Derek Hynes, Portfoliomanager, Konstantin Leidman, Portfoliomanager, und Will Prentis, Investment Spezialist, Wellington Management:

"Wir sind der Meinung, dass 2026 am Credit-Markt Geduld, Präzision und ein kritischer Blick belohnt werden dürften. Auch wenn die allgemeinen Bewertungen auf den ersten Blick weniger überzeugend erscheinen mögen, lassen sich durch disziplinierte Analysen weiterhin attraktive Chancen aufdecken. Strukturelle Positivfaktoren dürften für ein relativ stabiles Umfeld sorgen, während sich das Anlageuniversum durch KI-bezogene Finanzierungen vergrößert. Angesichts der hohen Bewertungen und der makroökonomischen Unsicherheit sind jedoch Disziplin und Vorsicht geboten. Wir starten mit einem klaren Fokus ins Jahr 2026: Wir werden nach Anlagen mit beständigem Wertschöpfungspotenzial suchen, Risiken umsichtig steuern und im weiteren Zyklusverlauf flexibel agieren."

Martin Romo, Chief Investment Officer, Capital Group:

"Hochwertige Anleihen erfüllen wieder ihre traditionelle Rolle im Portfolio als Quelle von Einkommen und Stabilitätsanker. Während sich die Wachstumsaussichten verbessern, die Arbeitsmärkte jedoch Anzeichen von Schwäche zeigen, können Anleihen wertvollen Schutz nach unten bieten."

Karin Kunrath, Chief Investment Officer, Raiffeisen Capital Management:

"2025 war von einem Twist der Zinskurve geprägt, was vor allem am langen Ende zu einem starken Anstieg der Kurve geführt hat. Das eröffnet für 2026 ein gutes Performancepotential für Staatsanleihen, vor allem wenn die Kurvendynamik sich im Jahresverlauf stabilisieren wird. Auch könnten Staatsanleihen im Falle einer Risk-Off-Bewegung profitieren und für Portfoliostabilität sorgen. Ähnlich wie beim Wirtschaftswachstum könnte es auch bei den Staatsanleihen zu einer Rotation kommen, Länder wie Italien und Spanien werden ihre Outperformance zu Deutschland wohl nicht fortsetzen können. Bei französischen Staatsanleihen könnte die Politik zu einem Aufflackern der Volatilität führen."

Carsten Klude, Chefvolkswirt, M.M. Warburg & Co.:

"Wir sind weiterhin überzeugt, dass Unternehmensanleihen trotz bereits niedriger Kreditrisikoaufschläge auch im kommenden Jahr eine bessere Wertentwicklung erzielen werden als Staatsanleihen. Der Hauptgrund für diese Einschätzung liegt unserer Ansicht nach beim Thema Verschuldung. Während die Staatsverschuldung spürbar ansteigt, präsentieren sich Unternehmen sowohl in Europa als auch in den USA mit sehr soliden Ergebniskennziffern und einer stabilen Verschuldungssituation. Zudem sollte das sich aufhellende konjunkturelle Umfeld dazu beitragen, dass die Ausfallraten weiterhin auf oder sogar unter ihren historischen Durchschnittswerten bleiben."

Gene Tannuzzo, Global Head of Fixed Income, und Ed Al-Hussainy, Portfoliomanager, Columbia Threadneedle Investments:

"Wir gehen davon aus, dass der Anleihemarkt auch 2026 weiterhin Wertpotenzial und Chancen bieten wird – aber nicht ohne Risiken. Die vorbeugenden Zinssenkungen der Fed, das stabile makroökonomische Umfeld und die gesunde Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren schaffen die Voraussetzungen für solide Renditen. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn Anzeichen von Schwäche am Arbeitsmarkt und negative Überraschungen bei Emittenten könnten zunehmen. Wer Duration, Rendite und Diversifikation in den Vordergrund stellt, kann seine Portfolios für Phasen erhöhter Volatilität wappnen und zugleich Chancen in einem sich wandelnden Umfeld gezielt nutzen." (23.12.2025/alc/a/a)


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