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04.09.25 12:58
Europäische Schuldenstrategie: Investieren statt sparen - Draghis neue Marschroute

Paris (www.anleihencheck.de) - Anthony Penel, Portfolio Manager European Equities bei Edmond de Rothschild AM, äußert sich zur Rede von Mario Draghi bei der Konferenz in Rimini, Italien, in der vergangenen Woche und sagt, welche Schlussfolgerungen sich daraus für die europäische Souveränität ziehen lassen.

Beim Treffen in Rimini habe Mario Draghi eine ernüchternde Diagnose gestellt: Europa habe geglaubt, seine wirtschaftliche Stärke reiche aus, um seine geopolitische Rolle zu sichern. Jüngste Ereignisse - der Krieg in der Ukraine, Spannungen mit den USA und die Rivalität mit China - hätten diese Illusion jedoch zerstört.

Dieser Wandel erfordere einen echten Richtungswechsel. In einer Welt, in der lokale wirtschaftliche Aspekte, Sicherheit und technologische Führungsfähigkeit wichtiger seien als die Regeln des Freihandels, dürfe sich Europa nicht länger auf die Rolle des Regulators beschränken. Es müsse selbst zum Akteur werden, seine Ressourcen bündeln und seine Institutionen anpassen. Ohne gemeinsame Verteidigungsstrukturen und Investitionen in strategische Bereiche bleibe die Union verwundbar.

Aus seiner Rede würden sich drei Themen erkennen lassen, die besonders hervorstechen würden:

Erstens: Binnenmarkt. Vierzig Jahre nach Inkrafttreten des "Single European Act" würden nach wie vor interne Barrieren die Produktivität behindern und Projekte verteuern. Gerade jetzt wirke das besonders paradox, da Europa bis 2031 rund zwei Billionen Euro in die Verteidigung investieren wolle. Der Abbau dieser Hürden würde sowohl unsere Sicherheit als auch unser Wachstum stärken, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

Zweitens: Schlüsseltechnologien. Ob Halbleiter, Künstliche Intelligenz oder Energie: Kein europäisches Land sei groß genug, um diese Sektoren langfristig allein zu tragen. Zersplitterte nationale Initiativen würden nicht ausreichen. Nur ein gemeinsames Vorgehen könne Europa in eine Position bringen, in der es mit den Weltmächten konkurrieren könne.

Drittens: Finanzierung. Draghi erinnere an die Unterscheidung zwischen "guter" und "schlechter" Verschuldung. Strategische Investitionen in Verteidigung, Energie, Infrastruktur oder Zukunftstechnologien würden eindeutig zur ersten Kategorie gehören. Aufgrund ihrer Dimension seien gemeinsame Finanzierungsformen unverzichtbar, da isolierte Anstrengungen ungenügend seien.

Es sei an der Zeit, vom Zögern zum Handeln überzugehen. Europa habe bewiesen, dass es Tabus überwinden könne: gemeinsame Verschuldung im Rahmen des Wiederaufbauprogramms, Geschlossenheit in der Pandemie und Solidarität im Krieg in der Ukraine. All diese Schritte seien jedoch Reaktionen auf akute Krisen gewesen. Nun gelte es, dieselbe Entschlossenheit auch in normalen Zeiten zu zeigen.

Anleger hätten durch diesen Wendepunkt die besondere Chance, in die europäische Souveränität zu investieren. Das bedeute, von attraktiven Finanzmöglichkeiten in Bereichen wie Verteidigung, Energie, Innovation oder neuen Finanzierungskanälen zu profitieren. Gleichzeitig seien sie Teil eines kollektiven Projekts, das darauf abziele, die Fähigkeit des Kontinents zu stärken, seine Bürger, seine Werte und seinen Wohlstand in einer unsicheren Welt zu schützen.

Diese Investition sei weder eine Modeerscheinung noch ein vorübergehender Markttrend. Sie ist eine langfristige Verpflichtung. Denn Souveränität zu stärken bedeutet, in die Verteidigung unseres gemeinsamen Zuhauses Europa zu investieren, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. (04.09.2025/alc/a/a)



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