Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Konjunkturängste setzen den Aktienmarkt unter Druck, im Anleihehandel geht es hingegen ruhig zu, so die Deutsche Börse AG.
Tim Oechsner von der Steubing AG spreche von einem "Sommerloch". "Die Umsätze sind niedrig, die Volatilität in Bundesanleihen ist abgekühlt, die Renditen sind nahezu unverändert", berichte der Händler.
Für Diskussionsstoff habe allenfalls die US-Notenbanksitzung am Mittwoch gesorgt. FED-Chef Powell habe abermals dem politischen Druck von US-Präsident Donald Trump widerstanden, der vehement Zinssenkungen fordere. Die FED habe die Leitzinsen unverändert in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent gelassen. Powell habe zudem Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung gedämpft. Allerdings hätten zwei Mitglieder des neunköpfigen Offenmarktausschusses für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte votiert - offenbar die größte Abweichung seit 30 Jahren.
"Geldpolitisch ist es mit dieser Sitzung etwas unwahrscheinlicher geworden, dass es bei der September-Sitzung zu einer Zinssenkung kommt", bemerke Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank. Er mache sich, wie viele andere, Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. "Powell zeigt Rückgrat, aber wer kommt 2026?" heiße es. Denn die Amtszeit von Powell ende im kommenden Mai. "Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass der neue Präsident oder die neue Präsidentin der FED dem politischen Druck Donald Trumps nicht ausweichen wird und daher Zinssenkungen durchführt, die angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht angemessen sein dürften."
Siemßen verweise auch auf den Bundeshaushalt 2026 und die Pläne für ein Gesamtdefizit von über 174 Milliarden Euro. Zwar sei es fraglich, ob es tatsächlich zu allen geplanten Ausgaben und Kreditaufnahmen komme. "Trotzdem dürften die steigenden Staatsausgaben nächstes Jahr zu höherem Wachstum, aber auch steigendem Inflationsdruck in Deutschland führen und bei den Bund-Renditen mittelfristig die Aufwärtsrisiken überwiegen."
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen gehe Oechsner zufolge einiges um in den in diesem Januar emittierten Staatsanleihen Portugals mit Fälligkeit 2035, die aktuell 3,11 Prozent abwerfen würden. Ebenfalls beliebt: Anleihen der EU mit Fälligkeit 2034 und momentan 3 Prozent (ISIN EU000A3K4ES4).
Kein klares Bild sei im Handel mit Unternehmensanleihen erkennbar, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Das gilt bezüglich der Laufzeiten und auch der Schuldner. Die Impulse fehlen", ergänze er. Oechsner melde gute Umsätze in Anleihen von Mercedes (ISIN DE000A2YNZX6), Volkswagen (ISIN XS2694874533) und Evonik (ISIN DE000A185QB3). Diese seien 2030, 2031 und 2028 fällig und würden aktuell mit 2,48 Prozent, 3,35 Prozent und 1,99 Prozent rentieren (Stand: 01.08.2025).
Schwächer hätten am Freitag Anleihen der Beteiligungsgesellschaft Mutares (ISIN NO0013325407, ISIN NO0012530965) notiert, die Aktie sei eingebrochen, wie Rainer Petz von Oddo BHF beobachte. "Die BaFin hat die Prüfung des Mutares-Jahresabschlusses 2023 eingeleitet", erläutere er. Dem Unternehmen zufolge seien allerdings ausschließlich bestimmte Angaben im Anhang und Lagebericht Gegenstand der Prüfung - nicht die Finanzkennzahlen aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.
Auch bei den Neuemissionen mache sich die Ferienzeit bemerkbar. "Es wurden kaum Deals gepriced, speziell in Europa", erkläre Oechsner. (Ausgabe vom 01.08.2025) (04.08.2025/alc/a/a)
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