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23.07.25 11:30
EZB-Sitzung: Kein Zinsschritt zu erwarten - Handelskonflikte und Euro-Stärke entscheiden über weiteren Pfad

New York (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte den aktuellen Leitzins auf ihrer morgigen Sitzung beibehalten, so Patrick Barbe, European Fixed Income Head bei Neuberger Berman.

Neuberger Berman erwarte, dass die EZB auf ihrer morgigen Juli-Sitzung ihre Leitzinsen unverändert belasse. Viele EZB-Verantwortliche, einschließlich Präsidentin Christine Lagarde, hätten in den vergangenen Wochen gesagt, man sei für die künftigen Unsicherheiten gut aufgestellt. Das deute auf eine Zinspause hin. Über die Sitzung in dieser Woche hinaus sollten die Währungshüter die schwache Wirtschaftslage mit einem Wachstum nahe Null sowie das Risiko einer sinkenden Inflation aufgrund zunehmender asiatischer Exporte in Zusammenhang mit den US-Zöllen und der Stärke des Euro berücksichtigen. Außerdem sehe Neuberger Berman Risiken für die Konjunktur in Frankreich und Italien angesichts der Verringerung des Haushaltsdefizits - lange vor der Wachstumsunterstützung durch höhere Staatsausgaben in Deutschland, die erst ab dem nächsten Jahr zu erwarten seien.

Die Euro-Inflation habe das 2-Prozent-Ziel der EZB fast erreicht. Daher sei sie für die Notenbanker weniger besorgniserregend. Die deutliche Aufwertung des Euro sei eine Überraschung. Sie könnte die Wirtschaftsaussichten für die kommenden Jahre verändern, wenn die Euro-Stärke gegenüber den meisten andere Währungen anhalte. Sie dürfte insbesondere zu einem Rückgang der Inflationsrate unter 1,5 Prozent führen und gleichzeitig die Exporte der Eurozone belasten sowie Importe, beispielsweise aus Asien, verbilligen. Auch die Zölle, die die USA der Europäischen Union (EU) auferlegen wollten, seien ein wichtiges Thema: Aus Sicht von Neuberger Berman bestehe die Herausforderung für die EZB darin, die disruptive US-Politik für Europa erfolgreich zu analysieren - unter anderem hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Exporte, die Investitionsausgaben und das Risiko von Vergeltungsmaßnahmen.

Die Situation könne sich natürlich sehr schnell ändern. Neuberger Berman gehe davon aus, dass die EZB ihre nächsten Wirtschaftsprognosen im September abwarten werde, bevor sie den Leitzins erneut senke.

Die anstehenden personellen Veränderungen im EZB-Rat würden aus Sicht von Neuberger Berman wiederum keine entscheidenden Auswirkungen auf die Geldpolitik der EZB haben. Diese stütze sich auf die Analysen und Prognosen der Wirtschaftsexperten der Notenbank und beruhe auf einer Konsensentscheidung der an den EZB-Sitzungen teilnehmenden Mitglieder. Die Entscheidungen würden von einer großen Anzahl von Personen getroffen, was die langfristige Stabilität des Ansatzes gewährleiste - unabhängig von diesen Mitgliedern. (23.07.2025/alc/a/a)


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