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11.04.25 12:32
Heimlich in der Nacht: Druck auf den US-Anleihemarkt birgt große Gefahren

Paris (www.anleihencheck.de) - Heimlich, in der Nacht, sind sie gekommen. Denn wenn die Amerikaner schlafen und nur andere, internationale, Investoren am Markt sind, ist die Liquidität geringer als zu US-Öffnungszeiten, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Da würden dann ein paar Milliarden Dollar reichen, um den Markt für amerikanische Staatsanleihen unter Druck zu setzen. Und genau das hätten sie getan, den Markt für Treasurys durch Verkäufe gen Süden geschickt. Und zwar deutlich.

Wer sie gewesen seien, sei nicht abschließend geklärt, aber dazu später mehr. Vielleicht erst mal ein Blick auf das, was sie angerichtet hätten: Der Zins auf die 30-jährigen Bonds der Vereinigten Staaten sei innerhalb von nur drei Tagen so stark gestiegen wie seit 40 Jahren nicht mehr. Bei den 10-jährigen Bonds seien die Kurse so stark runtergegangen - und somit der Zins rauf -, wie man es seit 2008 nicht mehr gesehen habe. Es seien 0,5 Prozentpunkte aufwärts in nur drei Tagen gewesen. Das höre sich ja erst mal nicht nach so viel an, aber wenn man 34 Billionen Dollar Schulden habe, mache so ein halbes Prozent höhere Finanzierungskosten dann eben doch 170 Milliarden aus. Zusätzlich. Jährlich.

Parallel dazu habe das amerikanische Schatzamt auf einmal auch deutlich weniger Nachfrage auf die Neuemission eines 3-Jahres-Bonds verzeichnet, den es diese Woche begeben habe. Das heiße, es seien nicht nur die Renditen am Zweitmarkt, die gestiegen seien, sondern es habe auch echte Auswirkungen auf die Neuverschuldung beziehungsweise Refinanzierung alter Schulden der USA gegeben. Und die Vereinigten Staaten müssten allein in diesem Jahr noch 8 Billionen US-Dollar an auslaufenden Bonds refinanzieren. Plus eine Neuverschuldung, die noch mal 2 Billionen Dollar ausmachen dürfte.

Sollten die Akteure im Bondmarkt hier so weitermachen, seien die Veränderungen der Marktkapitalisierung durch die 10 Prozent Ups & Downs im S&P 500 der vergangenen Tage im direkten Vergleich tatsächlich Kinderfasching. Denn während ein großer Crash am Aktienmarkt eine Rezession auslösen könnte, würde ein großer Crash am Anleihemarkt ganz sicher eine böse Rezession auslösen.

Aber wer mache so etwas? Genaues sei, wie gesagt, noch nicht bekannt. Was man aber wisse, sei, dass China einer der größten Halter von amerikanischen Staatsanleihen sei; und außerdem "etwas" genervt von der Zoll-Thematik. Und man wisse auch sicher, dass der Druck auf den US-Anleihemarkt begonnen habe, als ganz normale Büro- und Geschäftszeiten gewesen seien - jedenfalls in Peking. Und was sollten wir Kleinanleger mit diesen Erkenntnissen machen? Hoffen, dass es nur ein Schuss vor den Bug gewesen sei und dass den beteiligten Akteuren klar sei, wie schnell sich so etwas zu einem katastrophalen Flächenbrand ausweiten könne. Darüber hinaus solle man dieses Jahr wohl lieber goldene als bunte Ostereier suchen … (11.04.2025/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

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