Wien (www.anleihencheck.de) - An den Finanzmärkten lösten die handelspolitischen Veränderungen in den USA nennenswerte Marktbewegungen aus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Eines sei klar: Investoren würden sich ein weniger harsches Vorgehen der US-Administration erhoffen. Seit den Zoll-Ankündigungen lasse sich am Finanzmarkt eine Verbreitung der Risk-Off-Stimmung beobachten. Aktienkurse würden deutlich nachgeben, aber auch Renditen auf sichere Häfen - wie US-Treasuries und Bunds - würden deutlich zurückgehen. Auf der Rentenseite würden diese Sichere-Hafen-Flüsse durch ein dovisheres Pricing der Notenbanken verstärkt. Die gepreisten finalen Leitzinsniveaus würden in der Eurozone unter die 2%-Marke (EZB-Einlagesatz) und in den USA unter die 3%-Marke rutschen (effektive FED Funds Rate).
Abseits der politischen Ereignisse hätten auch Inflationsdaten in der Eurozone in der letzten Woche im Fokus gestanden. Die HVPI-Schnellschätzung für März habe bei 2,2% p.a. gelegen und somit leicht unter der eigenen Prognose von 2,3% p.a. Die Kerninflation sei bei 2,4% p.a. veröffentlicht worden, während man eine Schätzung von 2,6% p.a. unterstellt habe. Die Inflation bei Lebensmitteln, Energie und Dienstleistungen habe den Erwartungen entsprochen, während sie bei Waren darunter gelegen habe. Bei den Warenpreisen habe man einen Basiseffekt in Italien erwartet, der auch eingetreten sei, aber durch die Entwicklungen in anderen Ländern ausgeglichen worden sei.
Die positivste Nachricht sei definitiv der Rückgang der Dienstleistungsinflation von 3,7% p.a. im Februar auf 3,4% p.a. im März gewesen. Die Dienstleistungsinflation setze somit ihren allmählichen Rückgang in die gewünschte Richtung fort, und bei diesem Tempo solle sie Anfang 2026 ein Niveau erreichen, das mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sei. Die Analysten der RBI würden nicht davon ausgehen, dass die von Präsident Trump eingeführten Zölle einen direkten und signifikanten Einfluss auf die Inflation im Euroraum haben würden. Etwaige Vergeltungszölle würden aber sehr wohl inflationär wirken, weswegen Entwicklungen an dieser Front genau beobachtet werden müssten.
Nach den Inflationszahlen der Eurozone solle diese Woche die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreisinflation folgen. Hier könne es zu Rückgängen bei den Inflationsraten kommen. Insbesondere bei der Gesamtrate sollten die niedrigeren Energiepreise im März für Disinflation sprechen. Der Rückgang von 2,8% p.a. auf 2,5% p.a. könne Finanzmarktteilnehmern durchaus ins Auge fallen, auch wenn der Rückgang bei der Kerninflation von 3,1% p.a. auf 3,0% p.a. wohl deutlich geringer ausfallen dürfte. Es stelle sich aber ohnehin die Frage, ob die aktuellen Inflationsveröffentlichungen viel Aussagekraft für den weiteren Inflationspfad hätten. Die adaptierte Zollpolitik der USA werde wohl sehr sicher zu Inflationsanstiegen führen. Und auch die jüngste Schwäche des US-Dollar, wenn nachhaltig, verschärfe diese Tendenz. Ein Stimmungsbild zu den US-Zollplänen jenseits der Finanzmärkte solle kommende Woche die Sentix-Umfrage liefern - die klare Erwartung laute: Absturz. (Ausgabe vom 04.04.2025) (07.04.2025/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.de